02.11.2011 12:25 |

Unglückliche Reiche

46 Prozent von Chinas Millionären wollen auswandern

Fast die Hälfte der reichen Chinesen erwägt eine Auswanderung. Rund 14 Prozent besitzen schon die Staatsbürgerschaft eines anderen Landes oder stecken im Antragsverfahren, ergab eine Umfrage des Instituts Hurun in Shanghai, das jedes Jahr die Liste der reichsten Chinesen herausgibt. Als Motiv wurde dabei vor allem der Wunsch nach mehr Sicherheiten für das erworbene Eigentum angeführt, aber auch die höheren Bildungschancen für die eigenen Kinder.

Dass chinesische Reiche ihrer Heimat den Rücken kehren wollen, wird heiß diskutiert. Es sei eine "Abstimmung mit Füßen", schreibt etwa die Kolumnistin Zhang Yan in einem Webportal. Sie zeigt darin auch Verständnis für die "rationale Wahl" angesichts zunehmender Probleme und sozialer Konflikte in China.

Reiche suchen "ein Gefühl der Sicherheit"
Wirtschaftliche Entwicklung allein genüge eben nicht, um die Reichen im Land zu halten. Die Auswanderungswilligen würden nach Ansicht Zhangs im Ausland etwas suchen, das sie in China offenbar nicht finden. Dabei zählt sie "ein Gefühl der Sicherheit, Zuversicht in die Zukunft der Gesellschaft, eine gute Umwelt, ausreichend Schutz des Eigentums, ein unabhängiges und gerechtes Rechtssystem und Respekt für die Entwicklung von Geschäftsleuten und privaten Unternehmen" auf. Und Zhang fügt hinzu: "Das gewöhnliche Volk hat auch kein Gefühl der Sicherheit. Konflikte und Unzufriedenheit sind bei ihm noch größer als bei den Reichen. Nur dass die einfachen Leute meist nicht die Möglichkeit haben auszuwandern."

An der Umfrage nahmen 980 chinesische Reiche teil, die einen Besitz von mehr als zehn Millionen Yuan (1,14 Millionen Euro) haben. Fast eine Million solcher Euro-Millionäre gibt es heute schon in China - Tendenz steigend. Ein Drittel der Befragten hat bereits Besitz im Ausland, meist Immobilien. Fast 30 Prozent derer, die noch nichts im Ausland investiert haben, wollen das in den nächsten Jahren nachholen. 46 Prozent der Befragten erwägen die Auswanderung. Jeder Dritte investierte im Ausland, um leichter an einen ausländischen Pass zu kommen, der als "Versicherungs-Police" gilt.

Höhere Bildungchancen als besonderer Anreiz
Vorrangig wurden bessere Bildungschancen für die Kinder als Grund für den Auswanderungswunsch genannt - aber auch die Sorge um den Schutz des Eigentums in China inmitten politischer und wirtschaftlicher Ungewissheit. "Die große Unklarheit, wie sicher der Besitz ist, hängt wie eine dunkle Wolke über ihren Köpfen", schreibt etwa die bekannte Wirtschaftskommentatorin Ye Tan in der Tageszeitung "Nanfang Dushibao". Chinas Millionäre zieht es vor allem in die USA und nach Kanada, aber auch nach Singapur und Europa.

"Die Suche nach besserer Lebensqualität, besserer Ausbildung und einem Gefühl der Sicherheit für den Reichtum sind offensichtlich die wichtigsten Gründe", findet auch der Kommentator Han Shinan von der Zeitung "Qilu Wanbao". Die Luftverschmutzung in Chinas Städten, die gerade in Peking dramatische Ausmaße annimmt, das tägliche Verkehrschaos, Schadstoffe im Wasser und Lebensmittelskandale tragen auch nicht gerade dazu bei, in der Heimat bleiben zu wollen. "Auch wenn Reiche viel Geld haben, teilen sie doch die Luft, das Wasser, die Nahrungsmittelsicherheit oder das Rechtssystem mit den einfachen Leuten", schreibt die Kommentatorin Zhu Naijuan im "21st Century Business Herald".

Superreiche in China fallen manchmal sehr tief
Immer wieder ist auch von Neid oder Spannungen wegen der Kluft zwischen Reich und Arm die Rede. Auch fallen superreiche Unternehmer in China manchmal sehr schnell ganz tief. Ohne Vorwarnung wird ermittelt, gibt es Vorwürfe wegen Aktienmanipulationen oder Korruption. Nicht zufällig zählte die Organisation Transparency International das Reich der Mitte neben Russland gerade wieder zu den korruptesten Ländern der Welt (siehe Infobox).

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