Ivanschitz kam voller Selbstvertrauen zum ÖFB-Camp, hatte er doch am Samstag einen wichtigen Treffer für FSV Mainz 05 erzielt (siehe auch Infobox). Der Deutschland-Legionär fühlte sich sogar an seine Anfangszeit beim ÖFB erinnert. "Es war eine gewisse Vorfreude, aber auch eine Anspannung und Nervosität da, als ich hergefahren bin - fast wie vor meinem ersten Länderspiel."
Von den Kollegen wurde der Mittelfeldspieler nach eigenen Angaben gut aufgenommen. "Ich werde versuchen, mich so schnell wie möglich einzufügen, aber da habe ich überhaupt keine Bedenken", meinte der 27-Jährige und sprach von einer "sehr homogenen" Nationalmannschaft. Trotz der großen medialen Aufmerksamkeit rund um sein Team-Comeback nach über zweieinhalbjähriger Abwesenheit fühlt sich Ivanschitz nicht unter Druck gesetzt. "Im Gegenteil, es überwiegt die Freude, wieder hier zu sein."
Ivanschitz: "Bin automatisch ein Führungsspieler"
Der 49-fache Internationale (7 Tore) will sich selbst nicht in den Vordergrund rücken. "Der Fokus sollte nicht auf meine Person gelenkt werden. Im Mittelpunkt steht die Mannschaft." Nun möchte sich Ivanschitz in den bevorstehenden Trainings für einen Platz in der Stammformation empfehlen. "Ich werde im Training richtig Gas geben", versprach der Deutschland-Legionär und machte klar, dass er sich als Führungsspieler sieht. "Ich habe 49 Länderspiele und viele Pflichtspiele auf meinem Buckel, daher bin ich automatisch Führungsspieler."
Einen Anspruch auf die Kapitänsbinde stellte der Zimmergenosse des etatmäßigen Kapitäns Marc Janko nicht, wollte eine Rückkehr in die alte Rolle aber auch nicht ausschließen. Interims-Teamchef Willi Ruttensteiner gab sich zu diesem Thema bedeckt. "Der Kapitän wird unmittelbar vor dem Spiel bekanntgegeben", betonte der Oberösterreicher, der den Spielführer selbst bestimmen und nicht von der Mannschaft wählen lassen wird.
"Will mich nicht mit der Vergangenheit beschäftigen"
Ruttensteiners Vorgänger Dietmar Constantini hatte beharrlich auf Ivanschitz verzichtet, was dem Regisseur anfänglich schwer zu schaffen gemacht hatte. "Aber ich will mich nicht mit der Vergangenheit beschäftigen, das habe ich eh oft gemacht, und dann bin ich vorm Fernseher gesessen und habe mir gedacht, da könnte ich auch mitspielen", schilderte Ivanschitz seine Gefühlslage beim TV-Konsum von Österreich-Länderspielen.
Die Gründe für seine unfreiwillige Team-Abstinenz sind dem Burgenländer nach wie vor nicht ganz klar. "Ich wüsste nicht, was ich falsch gemacht habe. Ich habe mich immer fair verhalten, auch wenn es nicht leicht war, das alles hinzunehmen. Aber ich bin dadurch auch gefestigter als vorher." Dass es mit ÖFB-Einsätzen unter Constantini nie etwas werden würde, sei ihm klar geworden, "als seine Ausreden immer mehr wurden".
Ivanschitz hielt sich mit Vorwürfen zurück
Dennoch hielt sich Ivanschitz bei seiner Rückkehr mit Vorwürfen an den Tirolern ebenso zurück wie in der Zeit, als er von Constantini nicht berücksichtigt wurde. "Es hat schon ein paar Statements von ihm gegeben, die ich geraderücken musste, zum Beispiel die angeblich von mir geforderte Stammplatz-Garantie. Aber das hat Constantini dann zurückgenommen."
Inwieweit das frühe Scheitern in der EM-Qualifikation mit dem Ex-Teamchef zu tun haben könnte, wollte Ivanschitz nicht beurteilen. "Es steht mir als Außenstehender nicht zu, über die Vergangenheit zu lästern. Aber ich glaube schon, dass die Chance groß war, weil auch die Türkei und Belgien immer wieder Punkte liegengelassen haben." Nimmt man das theoretische Leistungsvermögen der aktuellen Nationalmannschaft als Maßstab, könnte die ÖFB-Auswahl laut Ivanschitz deutlich besser dastehen. "Dass es großes Potenzial im Nationalteam gibt, ist unbestritten. Jetzt gilt es, das Beste herauszuholen", betonte der Ex-Rapidler.
Auch Schiemer und Jantscher fallen aus, Margreitter im Team
Die Nationalmannschaft hat am Montag jedenfalls weitere Ausfälle hinnehmen müssen. Nach Emanuel Pogatetz (Rückenprobleme) und Martin Harnik (Muskelprobleme) sagten zu Wochenbeginn auch die beiden Salzburg-Kicker Franz Schiemer und Jakob Jantscher ab. Deshalb nahm Interims-Teamchef Willi Ruttensteiner gleich drei Nachnominierungen vor: Veli Kavlak, Stefan Kulovits und Neuling Georg Margreitter rücken demnächst ins ÖFB-Camp in Bad Tatzmannsdorf ein.
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