Treffen organisiert

Mitgründer von „Staat Tirol“ vor Geschworenen

Tirol
12.01.2023 08:27

Ein Zillertaler (42) nahm „Lebenderklärungen“ entgegen und warb Mitglieder - wegen dieser staatsfeindlichen Umtriebe im Umfeld der Bewegung „Staatenbund Österreich“ musste sich der Mann vor Gericht verantworten. Die abstrusen Aktionen der Vereinigung verwunderten beim Prozess in Innsbruck einmal mehr.

Im Nachhinein gab auch der Angeklagte zu, dass alles nur eigenartige Hirngespinste waren: Als die wegen Hochverrats später zu zwölf Jahren verurteilte Grazerin Monika U. auch in Tirol um Unterstützer für ihren „Staatenbund Österreich“ und einen Tiroler Ableger warb, kam auch ein Zillertaler zum Vortrag. „Es hieß, es geht um Steuerersparnis“, beteuerte er seine anfängliche Ahnungslosigkeit.

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Gerade als Zillertaler müssten Sie wissen, dass man für Geld arbeiten muss.

Richterin Helga Moser

Milliardenkonto kraft Geburt
Doch es waren abstruse Ideen, die zum Tatzeitpunkt 2016 einiges Gehör fanden: Jeder Mensch habe mit der Geburt ein Konto mit einem Milliardenbetrag, den man mit einer „Lebenderklärung“ abrufen könne, so die Theorie. Der Angeklagte unterschrieb das Gefasel von souveränen Subjekten, Völkerrecht usw. Und folgenschwerer: Er organisierte danach Stammtische und warb Mitglieder.

„Gerade als Zillertaler müssten Sie wissen, dass man für Geld arbeiten muss“, hielt Richterin Helga Moser dem Mann vor. Dieser ließ sich sogar ein Nummernschild mit „Tiroler 1“ anfertigen (verwendete es aber nie).

„Den Staat erschüttern“
Klar war allen im Schwurgerichtssaal, dass man am Stammtisch und mit derart abwegigen Aktionen nicht den Staat stürzen kann. „Doch Sinn und Zweck war es, den Staat zumindest zu erschüttern“, sagte der Staatsanwalt. Die Aufgabe des Angeklagten war es unter anderen, die „Lebenderklärungen“ entgegenzunehmen.

Der Verteidiger betonte, dass sein Mandant lange Zeit ja gar nicht gewusst hatte, was die Grazer Initiatorin geplant habe. Im Schlusswort räumte der 42-Jährige zerknirscht ein: „Ich habe nicht geglaubt, dass alles so ausartet.“

Die Geschworenen sprachen den Tiroler wegen des Verbrechens der staatsfeindlichen Verbindung schuldig: 18 Monate bedingte Haft und 7200 Euro Geldstrafe. Der Mann nahm dies an, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

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