Mutter stach in Grazer Wohnhaus mit Messer auf ihr Kind ein. Hanna E. stürmte beherzt in die Wohnung und rettete dem Kleinen das Leben.
Es gibt Momente, die einen für den Rest des Lebens prägen. Sie passieren unerwartet, spielen sich ab wie in einem Film und fühlen sich an wie eine halbe Ewigkeit. Erst nach einigen Tagen realisiert man, dass das Geschehene keine Fiktion war.
Eigentlich wollte sie auf die Uni gehen
Hanna E. machte sich gerade in ihrer WG in der Grazer Sackstraße für die Universität fertig. Lernen auf der Bibliothek stand auf dem Tagesplan der Medizin-Studentin, die für ihre Ausbildung von Oberösterreich in die Murmetropole gezogen war. Doch ihre Pläne für diesen Tag sollten jäh durchkreuzt werden.
Schwer verletzten Bub im Badezimmer gefunden
Es war Ende Mai gegen 9.30 Uhr, als es an der Tür läutete. Besuch hatte sich keiner angemeldet, auch nicht bei ihren Mitbewohnerinnen. Verwundert schritt Hanna zur Tür, öffnete sie. Davor stand ihre Nachbarin (42). Ob sie telefonieren könne, ihr Handy sei kaputt, fragte sie. „Ich habe ihr mein Telefon gegeben. Ich merkte, dass sie aufgelöst war. Dann fragte sie, ob sie später noch einmal kommen kann“, erzählt die 22-Jährige, die damals noch nicht ahnte, welche Tragödie sich in der Nebenwohnung abspielte.
Vom Küchenfenster aus beobachtete die Studentin die gebürtige Slowakin, die nervös am Gang auf und ab lief. Auf einmal machte sie kehrt, klingelte erneut an der Tür und bat um ein Telefonat. Diesmal erreichte sie jemanden und schluchzte voller Verzweiflung in den Hörer. Was genau sie sagte, verstand die Studentin nicht, da es eine fremde Sprache war.
Mutter des Buben wollte Hanna E. noch aufhalten
Dennoch wurde der Studentin rasch klar: Etwas Furchtbares muss passiert sein! Geistesgegenwärtig riefen sie und ihre Mitbewohnerin die Rettung. Währenddessen eilte Hanna zur Nachbarswohnung. Die Slowakin wollte die 22-Jährige noch aufhalten, doch diese ließ sich nicht beirren.
Alles war voller Blut. Da wusste ich, es ist richtig schlimm. Ich habe das Kind aber nicht gleich gefunden. Im Bad habe ich den Buben dann entdeckt. Er hat noch geatmet.
Hanna E.
Den folgenden Anblick wird sie jedoch nie vergessen: „Alles war voller Blut. Ich habe das Kind aber nicht gleich gefunden. Im Badezimmer habe ich den Buben gefunden. Seine Augen waren offen, er hat geatmet. Das war wichtig.“ Vorsichtig kniete sie sich über den kleinen Körper und drückte seine Wunden ab. Hannas Mitbewohnerin telefonierte währenddessen mit dem Roten Kreuz, gemeinsam setzten sie die Anweisungen der Helfer um. Kurz darauf waren auch schon Polizei und Notarzt da, der die Versorgung des schwer verletzten Fünfjährigen übernahm.
Ohne ihre Hilfe hätte der Bub nicht überlebt
Eines ist klar: Ohne das Einschreiten der beiden jungen Frauen hätte der Bub nicht überlebt. Wie sich herausstellte, hatte die Mutter ihm und sich selbst mit einem Messer massive Verletzungen zugefügt. Mama und Kind wurden im Krankenhaus notoperiert.
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