Andreas Herzog zur WM:

„Argentinien hat das Schlimmste schon hinter sich“

Andreas Herzog schildert, warum Argentinien nun gute Titelchancen bei der WM hat. Zudem meint die Legende, dass im deutschen Nachwuchs schon länger manches falsch läuft. Hier lesen Sie seine „Krone“-Kolumne:

Der berühmte Spruch von Gary Lineker ist längst überholt. Zweimal schied Deutschland in der WM-Vorrunde aus, bei der EM im Achtelfinale. Der deutsche Fußball wird seinen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Das liegt zum einen daran, dass sie keinen Stürmer wie früher Hrubesch, Rummenigge oder Klinsmann haben, hinten nur Toni Rüdiger Weltklasse ist.

Schon im Nachwuchs werden seit Jahren grundlegende Sachen vernachlässigt. Klar musst du kicken lernen, eben darum musst du auch dribbeln und schießen dürfen. Für einen Verteidiger ist es wichtiger, entscheidende Zweikämpfe in gefährlichen Zonen zu gewinnen, als spielerisch zu glänzen. Deutsche Tugenden wie Mentalität und Power werden so vergessen. Es bräuchte wieder einen wie Jürgen Klinsmann, der vor der WM 2006 alles umgekrempelt hat, mit neuen Ideen und Visionen. Ich hoffe übrigens, dass wir in drei Jahren nicht dasselbe Problem haben. Auch bei uns darf im jungen Bereich zu viel Taktik nicht die individuelle Ausbildung eines Spielers behindern.

Japan vereinte Kampfgeist mit spielerischen Mitteln, ist darum verdient weiter, mit Australien für mich die positive Überraschung der Vorrunde. Bei den afrikanischen Teams habe ich dieses gute Turnier erwartet. Denn dort musst du schon stark sein, um es durch die Quali zu schaffen, die härter als die europäische ist.

Argentinien? Brandgefährlich!
Die Favoriten in der heute beginnenden K.-o.-Phase sind freilich die großen Nationen. Die Basis für den WM-Titel ist eine defensive Stabilität, da gefällt mir Brasilien gut. Casemiro räumt ja schon im Mittelfeld fast alles ab. Spannend wird aber sein, wie die Brasilianer reagieren, wenn sie gefordert sind, wenn sie einmal hinten liegen. Ob sie dann wie bei den letzten Turnieren, gerade 2014, panisch werden und unter dem Druck zerbrechen. Und Frankreich hat vorne natürlich mit Mbappé, Dembélé und Giroud eine ungeheure Macht.

Aber ich halte jetzt Argentinien für brandgefährlich! Die haben das Schlimmste schon hinter sich, hatten schon zwei K.-o.-Spiele, in denen sie mit dem Rücken zur Wand standen. Denn jetzt passt die Mischung: Sie haben Routiniers und zwei, drei Junge, die sich das Herz aus dem Leib rennen.

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