Hitze, verpestete Luft

Warum vor allem Kinder unter der Klimakrise leiden

Die Kleinen sind die größten Verlierer des Klimawandels. Zumindest dieser Umstand sollte Erwachsene zum Nachdenken und Handeln anregen. Wie jeder selbst - zumindest ein bisschen - zu einem gesünderen Planeten und wieder besseren Leben beitragen kann.

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Bereits 2009 bezeichnete die Weltgesundheitsorganisation den Klimawandel als die größte Bedrohung für die Menschheit. Seitdem hat sich die Krise noch weiter zugespitzt. Gerade auf die Gesundheit der Jüngsten wirkt sich der Klimawandel gravierend aus. „Ungeborene, Kleinkinder und solche mit chronischen Erkrankungen gehören zu den Risikogruppen. Die Schadstoffe, die auf sie einwirken, treffen auf einen sich entwickelnden Körper. Besonders macht den Jüngsten die zunehmende Hitze und Luftverschmutzung zu schaffen. Das spüren sogar schon Babys im Mutterleib!“, gibt Prof. Dr. Edda Weimann, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin an der Technischen Universität München (D), zu bedenken.

Können sich werdende Mütter aufgrund der Tropennächte nachts nicht erholen, steigt dadurch das Risiko für eine Frühgeburt. Durch die vermehrten Hitzetage und die verstärkte Sonnenstrahlung ist die Haut der Kleinen mehr denn je gefährdet: Hoher Sonnenschutz sowie zusätzliche Kopf- und Hautbedeckung sind daher besonders wichtig. Zwischen 11 und 15 Uhr sollten sie der Sonne gar nicht ausgesetzt sein. „Leider führen die hohen Temperaturen ebenso dazu, dass Kinder und Jugendliche immer weniger nach draußen gehen. Ein Vitamin-D-Mangel mit erhöhter Knochenbrüchigkeit gilt als eine mögliche Folge. Je weniger sie sich draußen befinden, desto weniger bewegen sie sich außerdem“, berichtet die Expertin in der „Ärzte Krone“. Kein Wunder, dass immer mehr an Übergewicht und Typ-2-Diabetes leiden.

Aber auch Typ-1-Diabetes wird häufiger auftreten: Kinder, die in Städten aufwachsen, haben ein höheres Risiko, daran zu erkranken als jene vom Land. „Autoabgase und Schadstoffe schädigen nämlich Zellen im gesamten Körper - von Gehirn, Nervensystem, der Lunge und eben der Bauchspeicheldrüse (Anm.: spielt bei Diabetes eine Rolle). Daher sind saubere und schadstofffreie Luft sowie nichtfossile Energieträger sehr wichtige Hebel, um sowohl das weitere Fortschreiten des Klimawandels zu verhindern als auch unsere Gesundheit zu erhalten“, erklärt Prof. Dr. Weimann.

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Autoabgase und Schadstoffe schädigen Zellen im gesamten Körper - von Gehirn, Nervensystem, der Lunge und der Bauchspeicheldrüse.

Dr. Edda Weimann, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Technische Universität München

„Verpestete Luft“: Kinder entwickeln oft Atemnot
Die Luftverschmutzung wirkt sich vor allem auf Kinder aus: „Aufgrund ihrer kleinen Atemwege gelten sie als besonders gefährdet, Langzeitschäden davonzutragen oder Atemnot zu entwickeln. Kamine, Holzfeuerung und Dieselabgase tragen ebenso dazu bei. Je mehr CO₂ in der Luft ist, desto mehr Pollen werden gebunden. Damit steigt die Rate an Allergien und Asthmaerkrankungen mit zunehmendem Klimawandel an“, so die Expertin. Es liegt an den Erwachsenen, die Klimakrise noch irgendwie in den Griff zu bekommen.

Klimagerecht leben - wie klappt das?
„Fangen wir mit dem Naheliegenden für mich als Arzt an - beim Anfahrtsweg zur Ordination: Die Mehrheit der Patienten könnte zumindest einen Teil des Weges zu Fuß oder per Fahrrad zurücklegen“, ermuntert Dr. Heinz Fuchsig, Arzt für Allgemein-, Arbeits- und Umweltmedizin aus Innsbruck, alle, öfter auf das Auto zu verzichten. „Mitunter reduzieren sich durch die Freisetzung von Myokinen (Anm.: Botenstoffe, die der Körper bei intensiver Muskelbeanspruchung ausschüttet) sogar Schmerzen.“

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Je mehr CO₂ in der Luft ist, desto mehr Pollen werden gebunden. Damit steigt die Rate an Allergien und Asthmaerkrankungen mit zunehmendem Klimawandel an.

Dr. Edda Weimann, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Technische Universität München

Auch die Kleidung macht viel aus - für die Umwelt und unsere Gesundheit. „Zwei Drittel der Textilien bestehen aus Kunstfasern, die zu den größten Verursachern von Mikroplastik gehören“, so der Umweltmediziner in der „Ärzte Krone“. Er rät etwa zu Naturfasern aus Holz, die hierzulande aus ökologischer Produktion stammen. Diese wären sehr lange haltbar und dermatologisch gut verträglich.

Wie sieht die richtige Ernährung aus? „Ich rate zur sogenannten ,Planetary Diet‘. Dieses ,Genusskonzept‘ für den Planeten wurde von der EAT-Lancet Kommission erstellt, die sich aus vielen Wissenschaftern zusammensetzt“, berichtet Dr. Fuchsig. Das Ziel ist, sowohl eine gesunde als auch ökologisch und sozial vertretbare Ernährung der Weltbevölkerung zu ermöglichen. Darunter versteht man überwiegend pflanzenbasierte Kost mit moderatem Konsum an Fleisch und Milchprodukten.

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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