05.07.2022 08:30 |

Kommt Alarmstufe?

Knappe Gasversorgung: Krisensitzung der Regierung

Nachdem die Gas-Einspeicherungen zuletzt deutlich zurückgegangen sind, berät die Bundesregierung heute über die aktuelle Lage und das weitere Vorgehen. Dabei steht auch die Ausrufung der zweiten Stufe des Gas-Notfallplans, der Alarmstufe, im Raum. Ziel der Regierung ist, die Speicher bis zum Beginn der Heizsaison auf 80 Prozent zu füllen. Dazu müssten bis dahin noch mehr als 32.000 Gigawattstunden (GWh) Gas eingespeichert werden. Die E-Control sieht allerdings keinen Grund für die Alarmstufe. Um 14 Uhr werden die Ergebnisse der Beratungen öffentlich präsentiert. 

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Ursache für die niedrigen Einspeicherraten zuletzt waren hohe Gasexporte von Österreich nach Italien, wie aus ersten Analysen hervorging. Österreich hatte am 30. März die Frühwarnstufe, die erste Stufe des dreistufigen Gas-Notfallplans, ausgerufen.

„Entwicklung der Lieferungen sehr engmaschig“
Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) sagte vergangenen Freitag, dass die Entwicklung der Lieferungen aus Russland „sehr engmaschig“ überwacht werde und die Regierung die Alarmstufe ausrufen werde, wenn sich abzeichne, dass das Einspeicherziel gefährdet ist.

E-Control: Kein Grund zur Alarmstufe
E-Control Vorstand Wolfgang Urbantschitsch sah am Dienstag im Ö1-„Morgenjournal“ keinen Anlass für die Ausrufung der Alarmstufe. „Ich denke, dass im Augenblick auf Basis der vorliegenden Informationen und des Lagebildes, das wir vor uns haben, nämlich dass über 300 Gigawattstunden täglich in die Speicher hineinkommen, aus meiner Sicht jetzt einmal, für heute keine Veranlassung besteht, eine solche Alarmstufe auszurufen“, so Urbantschitsch. „Ich denke, dass im Augenblick auf Basis der vorliegenden Informationen und des Lagebildes, das wir vor uns haben, nämlich dass über 300 Gigawatt Stunden täglich in die Speicher hineinkommen, aus meiner Sicht jetzt einmal, für heute keine Veranlassung besteht, eine solche Alarmstufe auszurufen“, so Urbantschitsch.

Was passiert, wenn Alarmstufe greift?
In der Alarmstufe müssten große Gasverbraucher täglich ihren geplanten Gasbedarf der E-Control melden. Ein eigenes System für die Gasverteilung im Krisenfall (FlexMOL) würde aktiviert. Unternehmen würden aufgefordert, aber nicht verpflichtet, Gas zu sparen oder durch andere Energieträger zu ersetzen. Haushalte werden in allen Szenarien von Gaskürzungen verschont.

Liefermengen aus Russland laut OMV derzeit stabil
Auch die OMV bestätigt, dass zuletzt etwas mehr Gas ins Land gekommen ist. In den vergangenen Wochen kam etwa nur halb soviel Gas von Russland nach Österreich wie üblich. Der Wiener Öl- und Gas-Konzern OMV hatte die geringeren Mengen zuletzt mit Zukäufen am Spotmarkt kompensiert. Auch mit Blick auf die Liefermengen aus Russland schätzte man seitens der OMV die Lage als stabil ein. Die Lieferungen seien zwar mit Mitte Juni zunächst um 30 Prozent, danach um bis 50 Prozent gesunken. „Die Gasliefersituation hat sich etwas verbessert: Die Reduktion liegt nun bei rund 40 Prozent“, sagte ein OMV-Sprecher am Dienstag laut Reuters.

Die Ausfälle könne man aber derzeit gut mit Zukäufen am Spot-Markt kompensieren, so der OMV-Sprecher. Dass es sich dabei allerdings um eine teure Alternative handelt, zeigen die Preisentwicklungen seit Beginn der Ukraine-Krise: Derzeit liegt der Preis für eine Megawattstunde (MWh) bei rund 152 Euro, vor einem Jahr waren es noch knapp 36 Euro gewesen.

Versorgungslage aktuelle gesichert
Wie am Montag aus dem täglichen Lagebericht der Austrian Gas Grid Management AG (AGGM) hervorging, ist die Versorgungslage der Endkunden in Österreich aktuell gesichert. Der Bedarf werde dabei weiter vollständig aus Importen gedeckt. Auch nach Einschätzung der OMV ist die Versorgung momentan gewährleistet, zumal in der Sommersaison nicht geheizt werde. Außerdem müsse man bedenken, dass Österreich über vergleichsweise große Speicher verfüge.

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