Es ist schön, wenn die Kinder groß sind - vor allem die Töchter. Man kann weise zurückblicken auf alles, was einen einst ratlos zurückgelassen hat. Zum Beispiel, wenn man Samstag Abend mit der Frage überfallen wurde, ob Schnurchi heute bei uns schlafen kann.
„Hä, wer?“ Viel mehr kann man nicht sagen, wenn die 16-jährige Tochter spontan solche Wünsche äußert. Schnurchi muss sich an diesem Abend eine andere Bleibe suchen. Ich habe nichts gegen den jungen Mann, aber ich kenne ihn erst seit fünf Sekunden. Man kriegt nicht viel mit vom erotischen Aufblühen seines kleinen Mädchens, jedenfalls nicht als Vater. Meine Versuche, auf dem Laufenden zu bleiben und zu demonstrieren, dass ich ihr Erwachsenwerden durchaus lässig akzeptieren kann, enden meist in Peinlichkeiten.
Pauzi fährt das Auto meiner Träume
„Hä, wer?“, fragt meine Tochter wenige Tage nach ihrer abendlichen Anfrage auf meine Frage, wie es so läuft mit dem Schnurchi, und ob sie ihn uns einmal vorstellen möchte, dann könnte man über das Hierschlafen ja reden. Der arme Schnurchi scheint mega-out zu sein. Zeit, mir das zu erklären, hat sie jetzt keine, denn Pauzi kommt sie in zwei Minuten mit dem Auto abholen. Pauzi ist urpünktlich und fährt das Auto meiner Träume.
Wer ist Pauzi? Ich kann es mir nur auf meinem Sofa zusammenreimen. Theoretisch sollten Schnurchi und Pauzi aus der Disco stammen, in der sie heranwächst. Zorki kam jedenfalls von dort. Das weiß ich, weil ich sie an dem Abend abgeholt habe und erzählt bekommen habe, wie „süüüüß“ der ist. Ein bisschen älter, so ungefähr 18, aber das passt schon, Papa.
Die Zorki-Sache endete zwei Wochen später bei der Party zu seinem 21. Geburtstag, bei der er sich offenbar irgendwie blöd benommen hat. Soll mir recht sein. 21-Jährige, die einer 16-Jährigen nachstellen, erwecken bei mir tiefes Misstrauen. 16-Jährige, die meiner 16-Jährigen nachstellen auch - aber auf einer natürlicheren Ebene.
Obwohl meine Kleine mich da auf ihre entwaffnende Art aufgeklärt hat. 21-Jährige können auch nicht mehr wollen als 16-Jährige, Papa. Ein erstes Mal hat es schon gegeben. Meine Frau hat es mir erzählt. Unter Eid, dass ich offiziell nichts davon weiß und im Nachhinein. Wie viel im Nachhinein will ich nicht wissen. Aber wie gesagt, ich blicke weise zurück.












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