Schon elf Mal stand Hans Wenzl in über 8000 Meter Höhe. Er zählt somit zu den erfolgreichsten Höhenbergsteigern in Österreich. Im Interview mit Hannes Wallner von der „Bergkrone“ erzählt der Metnitztaler über seine Motivation, Glück und seine weiteren Pläne.
Donnerstag, 28. April - 12.40 Uhr. Der Kärntner Hans Wenzl steht auf der Annapurna, dem mit 8091 Metern zehnthöchsten Berg der Erde.
Wie waren die letzten Meter hinauf zum Gipfel?
Es war schwierig. Die letzten 200 Höhenmeter musste ich mich selbst überreden, um nicht aufzugeben. Ich dachte daran, wie viel Geld und Zeit ich investiert habe, und sagte mir: „Hanse, des haust jetzt nit alles weg!“ So kämpfte ich mich Meter für Meter nach oben.
Und oben auf dem Gipfel?
Ich war glücklich, ich war heuer der Erste, der ohne künstlichen Sauerstoff den Gipfel betrat, jedoch merkte ich rasch, dass das Wetter schlechter wurde, denn starker Schneefall und Gewitter waren angesagt. Ich bat einen Sherpa, der mit einer Frau aus Marokko ebenfalls auf dem Gipfel war, dass er ein Foto von mir macht.
Die Annapurna wurde 1950 als Allererster der 14 Achttausender erklommen, trotzdem hat sie die wenigsten Besteigungen. Warum?
Die Annapurna ist der westlichste Himalaya-Achttausender und einer der gefährlichsten. In den drei bis vier Stunden, die man für den Aufstieg ins Lager 3 benötigt, geht mindestens eine Lawine ab. Ich habe die einstürzenden Eistürme gesehen und mir gesagt, dass ich diesen Weg nur einmal rauf gehe, dann, wenn ich auf dem Weg zum Gipfel bin.
Dass heißt aber, dass du eigentlich nicht so gut körperlich für die große Höhe vorbereitet warst, wie man es sonst auf Achttausendern macht?
Stimmt. Im Normalfall tastet man sich schrittweise an 6000, 7000 bis 7950 Meter Höhe am Südsattel des Mount Everest heran, um sich bestens für eine Achttausender-Besteigung zu akklimatisieren. Im Fall der Annapurna ist das zu gefährlich, deshalb startet die Besteigung vom Lager 2 aus 5500 Meter Höhe.
Wie man sieht, hat es bei dir bestens funktioniert. Du bist unverletzt und ohne Erfrierungen wieder zurück.
Einem Schweden und Italiener, mit denen ich mich teilweise zusammengetan hatte, ging es nicht so gut. Sie mussten aus großer Höhe gerettet werden.
Wo gefällt es dir besser: Bei den hohen Bergen im Karakorum oder dem Himalaya?
Pakistan ist anspruchsvoller, die Berge sind schroffer und wilder als in Nepal. Auch das Trekking ist härter, weil es unterwegs ins Basislager keine Lodges wie in Nepal gibt. Die Nepalesen haben sich sehr verändert und sind Geschäftsleute geworden. Die Achttausender sind eine Gelddruckmaschine für sie. Allein die Erlaubnis für die Besteigung des Mount Everest kostet aktuell 11.000 Dollar. Auch die meisten Expeditionen werden von Nepalesen selbst organisiert und sind auf dem selben Standard wie die von europäischen oder amerikanischen Agenturen.
Mit welcher Agentur arbeitest du denn zusammen?
Ich arbeite mit der Agentur Seven Summit Treks, die drei nepalesischen Brüdern gehört. Denn man benötigt einen Anbieter für die Genehmigungen und die Reise, um überhaupt ins Basislager zu kommen. Aber alles über dem Basislager organisiere ich mir selbst. Es gibt natürlich auch viele Full Service-Agenturen, wo man einen Sherpa hat, der sogar für einen kocht.
8000er-Tourismus?
Damit habe ich kein Problem, solange der Kunde Bergsteiger ist. Außerdem leben die Menschen vor Ort davon, und es ist kein Nachteil, wenn mehr Alpinisten auf dem Berg unterwegs sind, weil die Spurarbeit sowie das Verlegen der Fixseile leichter und alles sicherer wird. Außerdem: Hinauf muss jeder selbst gehen. Viele wollen dabei das Risiko minimieren und greifen zu künstlichem Sauerstoff. Ohne den würden alljährlich nur vier bis fünf Bergsteiger den Everest erreichen.
Nachdem du bereits elf der 14 Achttausender erklommen hast, benötigst du natürlich keinen Bergführer oder einen für dich kochenden Sherpa.
Stimmt nicht ganz! Die 8027 Meter hohe Shishapangma ist der niedrigste der Achttausender und war mein Erster, doch ich stand nur auf dem 8008 Meter hohen Zentralgipfel. Der lange exponierte und häufig überwechtete Grat zum Hauptgipfel war mir zu gefährlich. Und ich war überglücklich, dass ich dort oben stand. Will ich alle 14 Achttausender besteigen, dann muss ich wegen der fehlenden 19 Meter nochmals hinauf.
Welche fehlen dir noch?
Lhotse (8516m), Kangchendzönga (8586 m) sowie Dhaulagiri (8167m) und eben der Shishapangma.
Welcher Achttausender soll dein Nächster sein?
Ich weiß es nicht genau, ich schwanke noch zwischen Lhotse und Kangch.
Wie oft hast du in deiner Bergsteiger-Karriere bereits in Zelten übernachtet?
Zusammengezählt komme ich schon auf ein ganzes Jahr, das ich in den Basislagern oder den vielen Lagern darüber verbracht habe.
Mittlerweile hast du dir in der Bergsteiger-Szene einen großen Namen gemacht.
Ja, und das, obwohl ich kein Profi-Bergsteiger bin. Dafür bin ich für so manchen ein Glücksbringer, weil einige sagen, dass es immer einen Gipfelerfolg gibt, wenn ich am Berg bin!
Danke für das Gespräch und bis bald am Berg.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.