Bei Bergtouren

Überrascht vom Gewitter? Dann lief etwas falsch!

Bergkrone
10.06.2022 06:00
Porträt von Bergkrone
Von Bergkrone

Wie oft hört man, dass es wegen eines plötzlichen und unerwarteten Wetterumschwungs zu einem alpinen Notfall gekommen ist. Aber gibt es überhaupt einen plötzlichen Wetterumschwung und wenn ja, ist er auch unerwartet?

Es ist ein strahlend sonniger Sommertag. Seit den frühen Morgenstunden erwärmt die Sonne die Berghänge. Beim Start der Bergtour zeigt sich keine Wolke am blauen Himmel. Ein perfekter Tourentag, oder? Doch das Wort „oder“ macht den Unterschied. Kann oder muss ich als Wanderer wissen, ob es ein perfekter Tourentag wird? Und wie kann man es abschätzen?

Vor jeder Wanderung sollte man sich über das Wetter in den Bergen informieren. Dafür gibt es eine Vielzahl an Wetter-Apps, mit Stärken aber auch großen Schwächen. Deshalb ist es hilfreich einen geschriebenen Bergwetter-Bericht, etwa beim Alpenverein oder der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zu lesen. Denn dann weiß man schon, ob es ein perfekter Tourentag wird oder es im Tagesverlauf zu Regenschauern oder gar Gewittern kommen kann.

Und niemand will am Berg in ein Gewitter kommen.

In den Wetterprognosen wird man im Sommer immer Hinweise auf die Gewittergefahr finden und wann im Tagesverlauf diese erhöht ist. Wenn ich diese Informationen beachte und mit meinen bevorzugten Wetterapps umgehen kann, dann darf mich ein Gewitter am Berg nicht überraschen! Zusätzlich hilft es natürlich, wenn ich die Wetterzeichen in der Natur richtig deuten kann. Denn Wetterumstellungen werden prognostiziert und zeichnen sich am Himmel ab.

Denn einen plötzlichen und unerwarteten Wetterumschwung gibt es praktisch nicht!

Dennoch, ein Gewitter kann sich unter perfekten Bedingungen binnen einer Stunde bilden. Und eine Stunde ist am Berg nicht viel! Aber: Wenn sich ein Gewitter so rasch aufbaut, dann gibt es in den Prognosen Hinweise darauf. Die Meteorologen können Gewitter deren Entstehungszeitpunkt und Entstehungsort sehr gut vorhersagen.

Wer also von einem Gewitter überrascht wird, hat sich im Regelfall schlecht auf seine Wanderung oder Bergtour vorbereitet! Mit ein wenig Übung kann es jeder schaffen eine Wetterprognose für einen Tourentag zusammenzustellen sowie die Anzeichen in der Natur richtig zu deuten. Wer viel am Berg unterwegs ist, für den können auch entsprechende Bergwetterworkshops oder Wettercoachings hilfreich sein. Sowohl in der Schweiz als auch in Österreich gibt es Meteorologen, welche in speziellen Wetterseminaren BergsportlerInnen das Wetter dort näher bringen, wo es passiert. Nämlich draußen in der Natur!

Das nächste Bergwetterseminar unter dem Titel „Bergwetter erleben“ findet in Österreich am 2. und 3. Juli auf der Passauer Hütte in den Leoganger Steinbergen statt. 

„Bergkrone“-Autor Gerhard Hohenwarter ist Meteorologe, Gletschermesser und Bergwanderführer, der seine Freizeit am liebsten in den Bergen verbringt und dabei immer versucht, zu seinen Touren mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Österreichweit hält Gerhard Vorträge rund ums Thema Bergwetter. 

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