12.05.2022 14:50 |

Pommers Feierabend

Letzte Alternative: Der Pflege-Terminator

Einen schönen Donnerstagabend.

Gepflegt werden müssen. Es gibt für mich nur wenige Vorstellungen, die schlimmer sind als diese. Angewiesen sein auf das Wohlwollen anderer Menschen, auf Launen, Tagesverfassungen. Es gibt böse Menschen im Journalismus, und es gibt böse Menschen in der Pflege. Der Skandal von Tulln ist so ein widerliches Beispiel - alte Menschen quälen, vernachlässigen, sexuell missbrauchen. Pflegekräfte, in diesem Fall weder Pfleger noch Hilfskräfte, nur Sadisten, zu angewidert vom Windelwechseln bei erwachsenen Menschen, zu angewidert von ihrem Job. Also: Flüssigkeits- und Nahrungsmittelentzug. Wer hungert, bleibt länger sauber. Ausnahmen, zum Glück nur Einzelfälle, aber für jeden Einzelnen in solchen Einrichtungen die tägliche Hölle. Einen Großteil der Mitarbeiterinnen (Männer sind mitgemeint) eint jedoch diese Stärken: Sie sind großherzig, aufopfernd, liebevoll, fürsorglich, ausdauernd. Aber Psychopathen können sich gut verstellen.

Horrorvorstellung in der Horrorvorstellung: Pflegeroboter. Künstliche Intelligenz, kalte Kunststoffgreifarme, Bildschirmgesichter oder Augäpfel aus dem 3-D-Drucker. Japan experimentiert viel mit diesen Maschinen, die am Ende die gleiche Aufgabe haben wie der Terminator: Menschen von einer Welt in die andere zu begleiten, in der Ausführung hoffentlich etwas sanfter. Ich habe in Tokio einmal in einem Roboterhotel eingecheckt. Apparate an der Rezeption, Apparate bei der Getränkeausgabe, Putzapparate. Kleine Betten in kleinen Kojen, davor nur Maschinen. Ein Gefühl der Kälte. Mir war anfangs nicht klar: Werde ich in der Nacht schlafen oder assimiliert? Das kommt davon, wenn man in seiner Jugend zu viel Science-Fiction gesehen hat.

Durch mehrere Vertreibungsmaßnahmen ist der Pflegeberuf immer unbeliebter geworden. Harte Arbeitszeiten, kein Geld, Raubbau am eigenen Körper. Zu Beginn der Pandemie waren die Mitarbeiterinnen unsere Helden, wir haben geklatscht und Fotos auf den sozialen Medien geteilt, zum Ende der Pandemie bzw. zu einer Zeit, in der manche Politiker das Ende ausriefen, kamen die Impfgegner. Kaffee-Attacken auf Pflegerinnen, blockierte Spitalszufahrten. Wer tut sich so einen Job freiwillig an? Wollen wir eines Tages nicht von den Frauen von Stepford gepflegt werden, braucht Österreich eine Attraktivierung des Berufsbildes. Und so wurde heute die neue Pflegereform präsentiert. Eine Milliarde mehr, erklärte Gesundheitsminister Johannes Rauch. Monatlicher Gehaltsbonus für alle Pflegekräfte, zusätzliche Entlastungswoche, Verbesserungen bei der Ausbildung, Angehörigenbonus usw. „Das ist ein großer Wurf“, so ÖVP-Klubobmann August Wöginger. Es ist zumindest ein guter Anfang. Vielleicht bleibt uns der Pflege-Terminator ja doch erspart.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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