Schwerer Betrug

60-jähriger Hochstapler in Salzburg vor Gericht

Salzburg
10.05.2022 12:02

In Salzburg hat sich am Dienstag ein offenbar etwas realitätsfremder Hochstapler vor Gericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft legte dem 60-Jährigen gewerbsmäßigen schweren Betrug zur Last. Er habe sich in Hotels und Pensionen eingemietet, ohne Rechnungen zu bezahlen. Versuche, an Wohnungen, Häuser und Autos zu kommen, blieben ohne Erfolg. Wären ihm alle Betrügereien aufgegangen, hätte er laut Richterin binnen acht Monaten zwei Millionen Euro Schaden angerichtet.

Der bisher unbescholtene Angeklagte verliebte sich im April 2021 in eine Frau und gaukelte ihr und seinen Opfern in Salzburg und in Niederösterreich mehrere Monate lang vor, dass er ein Geschäftsmann mit einem Immobilienvermögen von 50 bis 100 Millionen Euro sei. Noch bei seinen ersten Einvernahmen vor der Polizei prahlte er mit einem Einkommen von 3,5 Millionen Euro im Monat, später reduzierte er die Summe auf 1,5 Millionen Euro im Jahr.

Tatsächlich waren die Geschäfte des selbstständigen Kaffeemaschinen-Vertreters in den vergangen Jahren zunehmend schlechter gelaufen. Am Ende hatte er gar kein Einkommen mehr, irgendwann im ersten Halbjahr 2021 sei dann sein restliches Sparvermögen futsch gewesen, sagte der 60-Jährige heute. Laut dem Gutachten eines neuropsychiatrischen Sachverständigen leidet der Mann an einer leichten kognitiven Störung sowie der Betonung einer Wunschwelt in der partnerschaftlichen Beziehung.

Er wollte Haus und schönes Auto

„Im Jahr 2021 ist es ihm finanziell wirklich schlecht gegangen. Aber er wollte ein Haus für sich und die Freundin - und ein schönes Auto“, sagte Staatsanwalt Matthias Haidinger. Der Angeklagte habe nichts gehabt, aber der Frau imponieren wollen. „Dabei hat er vorgetäuscht, dass er zahlungsfähig ist.“ Der Verteidiger des Mannes meinte hingegen, man müsse hinterfragen, ob jeder einzelne Vorfall auch mit einem Vorsatz verbunden war - besonders in Hinblick auf das Gutachten des Sachverständigen. „Es wird zu diskutieren sein, wie liquide er war und wie liquide zu sein er dachte und ob er das vermischt hat.“

Der 60-Jährige selbst bekannte sich schuldig und entschuldigte sich. „Es tut mir sehr leid. Ich habe mich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in den Griff bekommen.“ Allerdings sagte er auch, in einem „Netzwerk“ sehr wohl noch Grundstücke, Wohnungen und Häuser zu besitzen. „Das sind keine Hirngespinste.“ Bis zu einer Scheidung vor gut 20 Jahren hätte er auch Vermögen gehabt. Das Urteil in dem Prozess soll am Nachmittag fallen.

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