ÖFB im Selbstmitleid

Fuchs zu 1:2-Pleite: “Das haben wir nicht verdient”

Fußball
04.06.2011 10:02
Da war es also wieder, das spätestens seit Jogi Löw eigentlich ausrangiert geglaubte Klischee der "Dusel-Deutschen". Tore durch Mario Gomez in der 44. und in der 90. Minute reichten dem DFB-Team am Freitag im EM-Qualifikationsspiel in Wien, um gegen Österreich wichtige drei Punkte zu "erwurschteln". Unter den glücklosen ÖFB-Kickern machte sich nach der deprimierenden 1:2-Niederlage Ernüchterung breit. Und Selbstmitleid. Deutschland-Legionär Christian Fuchs: "Dieses Ergebnis haben wir uns nicht verdient."

Typisch österreichisch, könnte man meinen, als Reporter-Legende Peter Elstner schon zur Pause beim Stand von 0:1 auf der Pressetribüne messerscharf analysierte: "Wir schießen solche Tore wie der Gomez nie. Die Deutschen nudeln den Ball in der 44. Minute über die Linie, wir nicht - das ist ein österreichisches Schicksal."

Typisch deutsch, könnte man meinen, als Bayern-Knirps und DFB-Kapitän Philipp Lahm nach dem alles andere als überzeugenden Auftritt der deutschen Nationalmannschaft selbstbewusst in die Journalisten-Meute stammelte: "Es gibt im Fußball keine verdienten oder unverdienten Siege. Wir haben ein Tor mehr erzielt und deswegen verdient gewonnen." Ob auch ein Sieg für Österreich in Ordnung gegangen wäre? "Nein", konterte Lahm, "denn dann wär's ja nicht 2:1 für uns ausgegangen."

"Sind als Team aufgetreten"
In der Tat war am Freitag im Wiener Happel-Oval der Unterschied zwischen der Nummer vier der FIFA-Weltrangliste, Deutschland, und der Nummer 74, Österreich, im spielerischen Bereich weit weniger augenscheinlich als offenbar im mentalen. Zu forsch traten die Mannen von ÖFB-Teamchef Didi Constantini von der ersten Minute an auf, zu gefällig kombinierten Baumgartlinger, Harnik und Co., als dass die deutsche Nationalmannschaft ihre "gottgewollte" Überlegenheit zur Geltung hätte bringen können.

Österreich war gegenüber der zuletzt gezeigten "Dramen" gegen Belgien und die Türkei kaum wiederzuerkennen. Was Edelzangler Zlatko Junuzovic, der in der 64. Minute für Flügelflitzer Ekrem Dag kam, wie folgt begründet: "Wir sind heute als Team aufgetreten, sind kompakt gestanden und haben keine Angst vor den Deutschen gehabt."

Constantini: "Waren auf Augenhöhe mit den Deutschen"
Ähnlich sah es Teamchef Constantini. "Vieles, was wir uns vorgenommen haben, ist aufgegangen. Phasenweise waren wir mit den Deutschen sicher auf Augenhöhe", erklärte er nach dem Spiel. Geholfen hat's freilich nichts. Die beiden Tore für Deutschland zu äußerst ungünstigen Zeitpunkten führte Constantini aber nicht nur auf das Prinzip Zufall, als vielmehr auf die Klasse der Deutschen zurück. 

Auch Stuttgart-Legionär Martin Harnik, einer der Aktivposten im Spiel, wollte die Niederlage nicht schönreden. "Es war auch unser Unvermögen, dass wir die Tore nicht gemacht haben. Ich möchte nichts lesen, wie zufrieden man mit diesem Ergebnis sein kann."

Löw gesteht "glücklichen Sieg" ein
Dabei hatte sich DFB-Teamchef Löw zwischenzeitlich schon mit dem 1:1 abgefunden, wie er zugab. Anders wäre auch der Einwechslung von Verteidiger Holger Badstuber für Mittelfeldspieler Sami Khedira in der 69. Minute nicht zu erklären. "Wir haben dieses Spiel glücklich gewonnen", sagte er nach dem doch noch erzwungenen 2:1 durch Gomez: "Die Österreicher haben gekämpft und sind gelaufen. Wir haben zu viele Fehler gemacht, ich glaube, unsere WM-Teilnehmer sind am Ende ihrer Kräfte." Löw dann aber doch noch typisch deutsch: "Aber es zählt einfach irgendwann nur das Ergebnis in so einem Spiel wie heute."

Die vielleicht treffendste Analyse des Spiels lieferte Doppeltorschütze Gomez: "Fußball ist verrückt."

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