„Krone“-Kommentar

Diesmal ist es kein „Flüchtlings-Tsunami“

Kolumnen
12.03.2022 11:41

Ein neues Wort hat es binnen Tagen ins kollektive Bewusstsein geschafft: Vertriebene. Alle Regierungsmitglieder verwenden es, seit am 24. Februar russische Truppen in die Ukraine einmarschiert sind und mehr als 2,5 Millionen Menschen in die Flucht getrieben wurden.

Der sprachliche Unterschied zur Flüchtlingskrise 2015 ist offensichtlich. Damals war es eine Flüchtlingswelle, ja sogar ein Flüchtlings-Tsunami. Migranten als Wassermasse, die ins Land strömt. Das klang bedrohlich. Tatsächlich gab es aber auch bedrohliche Bilder von zum Großteil jungen Männern, die die Grenzen stürmten. Da spielte die Angst mit, überrannt zu werden, die Kontrolle zu verlieren.

Bei Vertriebenen entsteht ein ganz anderes Bild im Kopf. Vertriebene haben keine Wahl. Sie müssen fliehen. Der Terminus entspricht auch der EU-Richtlinie, wonach Vertriebene nicht unter das Asylgesetz fallen.

Diesmal sind es hauptsächlich Frauen und Kinder, die ankommen. Aber auch Kranke und Behinderte. Die Schwächsten also. Männer zwischen 18 und 60 dürfen die Ukraine gar nicht verlassen. Sie müssen - oder wollen - ihr Land verteidigen.

Polen, aber auch Ungarn, nimmt ihre Frauen und Kinder mit offenen Armen auf. Länder, die sich 2015 weigerten, EU-Richtlinien zur Verteilung von Flüchtlingen zu erfüllen.

Der Kanzler hat im Fernsehen im Zusammenhang mit den Ukrainern von Nachbarn gesprochen. Das Leid jenseits der Grenzen ist uns diesmal viel näher.

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