Mo, 18. Juni 2018

Politik gefordert

23.05.2011 14:01

Mikl-Leitner zum Derby-Eklat: "Unser Vorbild ist England"

Der Spielabbruch beim Wiener Derby schlägt nun auch in der Politik hohe Wellen. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner forderte am Montag: "Es muss Konsequenzen geben." Ziel sei es, dass in Zukunft normale Fußballfans und Familien ohne Belästigung und Gefährdung durch Störenfriede die Spiele genießen können. Sie habe bereits den Auftrag erteilt, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um Ausschreitungen aus den Stadien zu verbannen. Dabei sagte sie: "Unser Vorbild ist England."

Nach mehreren schweren Katastrophen - Stichwort Hillsborough, Heysel-Stadion - hatten die Briten Anfang der 1990er Jahre mit rigorosen Maßnahmen wie Stadionverboten, massiver Videoüberwachung und drakonischen gesetzlichen Maßnahmen reagiert und damit in der Premier League die Gewalt aus den Stadien verbannt. Experten betonen allerdings, dass die Gewalt nicht weg sei, sondern sich nur in die unteren Ligen verlagert habe.

Innenministerin sieht Vereine gefordert
Mikl-Leitner machte klar, dass die Maßnahme des Stadionverbotes wichtig ist. Bei der von Experten immer wieder kritisierten Durchsetzung dieser Verbote verwies die Ministerin auf die Zuständigkeit der Vereine. Hier Verbesserungen zu erreichen, werde Teil der Gespräche mit der Bundesliga und den Klubs sein. Allerdings hält man im Innenministerium dem Vernehmen nach wenig von der Verhängung von Stadionverboten als behördliche Maßnahme. In England beispielsweise kann die Exekutive von sich aus solche Maßnahmen anordnen.

Abstimmung in der Infobox: Wie können Klubs Hooligans unter Kontrolle bringen?

Die Innenministerin äußerte sich auch zu möglichen Gesetzesänderungen. "Das muss man sich ansehen, wo man hier an den Schrauben drehen kann und welche Maßnahmen auch sinnvoll sind." Konkret erwähnte sie hier die Bestimmungen zur Pyrotechnik bei Großveranstaltungen: Diese ist seit Jänner 2010 verboten. Allerdings kann auch das neue, verschärfte Verbot in Ausnahmefällen - etwa bei besonders wichtigen Spielen - aufgehoben werden, sollte die Sicherheitsbehörde (Polizei oder Bezirkshauptmannschaft) einen dementsprechenden Antrag genehmigen.

Eine diesbezügliche Genehmigung hatte laut Wiener Polizei beim Derby bestanden. Praktische Auswirkungen hatten die Bestimmungen so oder so bisher wenig: Nicht nur im Hanappi-Stadion waren am Sonntag bengalische Feuer zu sehen, sondern auch in Wiener Neustadt vom Sturm-Graz-Anhang.

Norbert Darabos für "Gesamt-Radikallösung"
Anders als Mikl-Leitner hat Sportminister Norbert Darabos, ein glühender Grün-Weißer, die Randale live im Hanappi-Stadion miterlebt. Auch er fordert nun ein hartes Vorgehen gegen die Hooligans. "Wir müssen eine Gesamt-Radikallösung andenken", erklärte er. "Das ist eine Schande nicht nur für den österreichischen Fußball, sondern für den gesamten Sport. Die Bilder sind um die Welt gegangen, das ist ein großer Imageschaden." Darabos erinnerte daran, dass dies nicht der erste Vorfall im österreichischen Fußball war, man dürfe die Augen nun nicht mehr verschließen.

Auch die Politik sei nun gefordert. "Es tut mir weh. Wenn es solche Ausmaße annimmt, muss sich die Politik einmischen", betonte er. Der Sportminister überlegte auch eine Initiative auf parlamentarischer Ebene, nämlich solche Ausschreitungen vom Verwaltungs- in das Strafrecht zu heben. "Wenn es strafbar ist, wird sich der eine oder andere überlegen, ob er den Platz stürmt." Sein Vorbild ist nicht nur im strafrechtlichen Bereich Großbritannien. "Man wird sich das England-Modell anschauen", so Darabos, der sich etwa auch Ausweispflicht für Dauerkartenbesitzer vorstellen kann.

Brauner fordert Stadionverbote "für 300 Jahre"
Auch im Wiener Rathaus wurden am Montag die Ausschreitungen scharf verurteilt. "Gestern habe ich schreckliche Momente erlebt. Mir fehlen die Worte", sagte etwa Vizebürgermeisterin Renate Brauner. Die Politikerin sitzt im Rapid-Kuratorium und hat den Eklat selbst im Hanappi-Stadion miterlebt. Sie forderte harte Konsequenzen für die Randalierer. Diese hätten am Fußballplatz "nichts verloren", befand sie. Brauner sprach sich für ein Stadionverbot für die Verantwortlichen aus - für "300 Jahre", wie sie meinte.

Wobei es sich bei den betreffenden Personen um Menschen handle, "die keine Fans sind", zeigte sie sich überzeugt. Die Aktion sei jedenfalls aufs Schärfste zu verurteilen: "Gewalt hat am Fußballplatz nichts verloren." Brauner nahm jedoch auch den Verein in die Pflicht: "Man muss jetzt die Fanpolitik kritisch hinterfragen." Dass bereits Konsequenzen angekündigt wurden, begrüßte sie. "Rudi Edlinger muss jetzt voll unterstützt werden", rief sie dazu auf, dem Rapid-Präsidenten in dieser Sache beizustehen.

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