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„Atom-Angriff“ | Fauler Kompromiss

„Atom-Angriff“. In kaum einem Land weltweit ist die Ablehnung der Atomenergie so ausgeprägt wie in Österreich. Kein Wunder also, wenn die Silvester-Attacke der EU-Kommission, die dem Ausbau der so gefährlichen Kernenergie Tür und Tor öffnet, als „Atom-Angriff“ eingestuft wird. Denn in immer mehr Ländern wird die Kernkraft als Möglichkeit gesehen, die Klimaziele zu erreichen. In Österreich laufen nicht nur die Umwelt- und Klimaschützer dagegen Sturm, auch die grüne Klimaministerin, die mit Rückendeckung des türkis/schwarzen Bundeskanzlers eine Klage gegen die EU-Pläne ankündigt. Der geben Rechtsexperten allerdings keine allzu großen Chancen. Allein schon, weil das Verfahren lange dauere. So könnte Europa tatsächlich versuchen, die Welt vor der Klimagefahr zu retten, indem es auf die riskanteste aller Energiegewinnungsmöglichkeiten zurückgreift.  

Fauler Kompromiss. Mit der EU-Entscheidung für die Atomenergie beschäftigt sich auch unser Außenpolitik-Doyen Kurt Seinitz, der als „Krone“-Journalist schon die österreichische Volksabstimmung gegen die Eröffnung des AKW Zwentendorf miterlebt hat. In seiner Kolumne in der heutigen „Krone“ greift er zu einem plastischen Vergleich, wenn er schreibt: „Haben Sie sich für das neue Jahr vorgenommen, dem Griff zur hochprozentigen Flasche zu widerstehen? Kein Problem: Tun Sie die Flasche doch einfach umetikettieren - auf Fruchtsaft. Ist dann echt gesund.“ Auf so einem Weg habe es nämlich Brüssel geschafft, aus Atomstrom grüne Energie zu machen. Seinitz: „Dadurch soll es für die Finanzmärkte leichter werden, unter dem Siegel von Klimaschutz Öko-genormte Investitionen für die teure Atomindustrie aufzutreiben.“ Und das sei ganz im Sinne Frankreichs, das sich seit Jahrzehnten total der Atomenergie verschrieben hat. Im Gegensatz zu Deutschland, das nun drei AKW abschaltet. Und deshalb wollen die beiden Regierungen in Berlin und Paris einen Kompromiss finden. Dabei zeige die Erfahrung, so Seinitz, „dass es ein fauler Kompromiss wird, da Deutschland Frankreich nicht kränken will. Schließlich bekommt ja Berlin 15 Jahre lang Gaskraftwerke als grüne Energie zugestanden, um die Kohlekraftwerke zu ersetzen.“ Das muss man sich erst einmal vorstellen: Da sitzen die Grünen in Deutschland in der Regierung - und stimmen womöglich einem Kompromiss zu, der uns eine Atomenergie-Renaissance beschwert!

Einen schönen Dienstag!

Klaus Herrmann
Klaus Herrmann

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