Mi, 15. August 2018

Giftige Rennsemmel

29.04.2011 20:13

Skoda Fabia RS: Hier kommt die Krawallerie!

Knallgrün-metallic-farbener Lack, das Dach kontrastierend in Schwarz, rot lackierte Bremssättel, fette Alus mit Niederquerschnittreifen: Der Skoda Fabis RS schaut schon auf den ersten Blick schnell aus. Unter dem Blech wirkt er ernsthafter sportlich, als es von außen scheint: 180 PS, 250 Nm, 4-Zylinder-Twincharger, DSG serienmäßig. Und das um unter 24.000 Euro. Ist das wirklich ein ernsthafter Racer zu Schnäppchenpreis?

Einen Teil des Geldes, das man im Vergleich zu teureren Alltagsrennern spart, darf man getrost für Reifen zurücklegen, denn es ist nicht leicht, ohne durchdrehende Reifen zügig anzufahren. Das DSG beißt (nach kurzer Verzögerung) schon bei leichtem Druck aufs Gaspedal giftig zu. Im Prospekt heißt das: "Sein durchzugsstarker Motor entfaltet schon bei einem leichten Druck auf das Gaspedal souverän seine Kraft."

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Hier kommt die Krawallerie!
Souveräne Kraft ist tatsächlich ein gutes Stichwort, denn ein Drehmomentloch ist keines auszumachen. Wie auch: Im unteren Drehzahlbereich bläst ein Kompressor rein, was geht, dann übernimmt nahtlos ein Turbolader. Nicht gerade die Technik für eine tschechische Billigschleuder, aber dieses Image hat Skoda ja schon seit Jahren abgelegt.

Der Skoda Fabia ist definitiv ein Auto für junge Leute – andererseits aber auch wieder nicht, weil für die Fahrleistungen braucht's eigentlich einen erfahrenen Piloten am Steuer: 0 bis 100 km/h schafft der gut 1,2 Tonnen schwere Kleinwagen in 7,3 Sekunden, 224 km/h Spitze. Wenigstens greifen ESP und ABS serienmäßig ein. Und zur Not acht Airbags.

Der Kleine meint's echt ernst mit der Sportlichkeit. Das 7-Gang-DSG (der Golf GTI hat nur ein 6-Gang-DSG) hat auch ein sportliches Programm zur Wahl, aber es dreht die Gänge auch sonst bis zum roten Bereich aus, wenn man am Gas bleibt. Wer's wirklich wissen will, schaltet mit den Lenkradpaddles.

Fahrverhalten weniger ernsthaft als der Motor
Aber mit dem ernsthaften Motor und dem ernsthaften Getriebe hätte er sich eine ernsthaftere Lenkung verdient. Und ein ernsthafteres Fahrwerk, das weniger untersteuert. Die Lenkung ist sehr direkt, aber hinter der Direktheit ist sie etwas undefiniert. Feedback von der Straße gibt's hauptsächlich in Form von Antriebseinflüssen. Die 205er-Reifen laufen den Bodenunebenheiten nach, wenn man kräftig Gas gibt. Die Traktion könnte besser sein, das elektronische Sperrdifferenzial hat ganz schön was zu tun. Aber zum einen ist das alles Jammern auf hohem Kleinwagenniveau, zum anderen muss man der Fairness halber sagen, dass ich mit Winterreifen unterwegs war (ich konnte es mir nicht aussuchen, sorry).

Man kann auch sagen: Kein Auto für Weicheier, sondern für harte Burschen, die sich das Fahren erarbeiten wollen. Aber: Das Fahrwerk ist weich genug, dass auch mal die Mama mitfahren kann, ohne dass sie gleich Kreuzweh kriegt. Allerdings kriegt sie ganz schön was auf die Ohren, denn es geht ziemlich laut zu im Skoda Fabia RS. Er ist nicht nur in Sachen Performance, sondern auch in Sachen Akustik kein Leisetreter.

Die Soundanlage mit acht Lautsprechern stemmt sich vehement und mit sauberem Klang dagegen. Für den iPod gibt es unterhalb der – beiden – Handschuhfächer ein eigenes Ablagefach. Zum Anschluss braucht's allerdings ein spezielles Skoda-Anschlusskabel.

Der Innenraum ist nüchtern, aber praktisch, mit ausreichend Ablagemöglichkeiten; die Bedienung gibt wie bei Skoda üblich keine Rätsel auf. Tempomat, super Bordcomputer, das ist hochklassig. Die Sportsitze gehen voll in Ordnung, wie früher im seligen Ur-GTI, nur ohne Karos, dafür mit VRS-Schriftzug. Die Mittelarmlehne ist höhenverstellbar. Der Kofferraum fasst 300 bis 1.163 Liter. Wer mehr Platz braucht, kann auch zum Kombi greifen – in diesem kleinen Sportsegment eine Seltenheit.

Unterm Strich:
Eine Schönheit ist er nicht, auch wenn er mit Kontrastdach einen auf Mini-Konkurrent macht. Das macht er aber mit hochklassiger Technik (Motor, DSG) und vor allem mit seinem günstigen Preis wett. Der Testwagen kostet 24.280 Euro, die einzigen aufpreispflichtigen Extras sind Metalliclackierung, Fensterheber und Parksensor hinten sowie beheizbare Vordersitze. Der Rest ist serienmäßig, etwa Berganfahrassistent, höhenverstellbare Sitze, Tempomat, Bordcomputer etc. Also man kauft den Fabia RS nicht, weil er schön ist, sondern weil er schnell ist – und dazu solide und günstig. Übrigens auch als Kombi.

Stephan Schätzl

Warum?

  • jugendlicher Alltagsracer zum günstigen Preis
  • ernsthafte Technik

Warum nicht?

  • gefühlsarme Lenkung
  • nicht sehr sportliches Sportfahrwerk

Oder vielleicht …

  • … Alfa Romeo Mito, Opel Corsa OPC, Mini Cooper S, VW Polo GTI. Skoda Fabia RS Combi.

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