Studiobühne-Premiere

Das Theater kreist um sich selbst

Ein Theaterstück übers Theater ist „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ von Theresia Walser, das 2006 uraufgeführt wurde. Nun feierte das Kammerspiel auf der Studiobühne des Landestheaters Premiere. Ein vergnüglicher Abend für Liebhaber der Bühne.

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Sie sitzen da wie die fleischgewordenen Klischees, ob als Doyen mit Künstlerschal und übergroßer Baskenmütze oder als Enfant Terrible mit Unisex-Rock und lackierten Fingernägeln (Bühne und Kostüme: Mirjam Ruschka): Die drei Schauspieler Franz Prächtel, Peter Söst und Ulli Lerch warten auf ihren Auftritt in einer Talkshow, wo sie über ihre Darstellungen von Hitler oder Goebbels diskutieren sollen. Doch die Egos sind zu groß, um bis zum Sendungsbeginn still auszuharren. Es entspinnt sich ein (Streit-)gespräch zwischen den Dreien, über das Theater und die Schauspielkunst und natürlich darüber, wer von ihnen nun der bessere Darsteller sei.

Wortgewaltiges Stück
Bei der Premiere von Theresia Walsers „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ entfaltete sich das wortgewaltige, philosophische Stück auf der intimen Studiobühne des Landestheaters auf ideale Art und Weise, und zwar mit einer Unmittelbarkeit zum Publikum, die bei größeren Bühnen kaum möglich wäre. Helmuth Häusler zeigte einen stolzen Prächtel, der sich zwar als Meister der alten Schule hochstilisiert, aber insgeheim weiß, dass seine Zeit vorbei ist. Ein Genuss war Horst Heiß als aalglatter, giftspritzender Söst und Daniel Klausner gab dem jungen Lerch eine verzweifelte Leidenschaft mit, die seinem Charakter als einzigem eine sympathische Note verlieh. Regisseurin Nina Metzger lies die drei bitzelnden Rampensäue auf einer monströsen wackeligen Tischplatte wettern, was ihre Wichtigkeit dramatisch zusammenschrumpfte und die großen Worte rasch in Ironie verwandelte. Ein Abend mit einer Menge Insiderschmähs, aber auch Ansätzen, die Theaterfreunde nach dem Applaus noch weiterdiskutieren werden.

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