Folgen des Lockdowns

Wien: Jeder dritte Betrieb muss Personal kündigen

Nach dem Lockdown im Advent ist die Branche am Boden. Jeder vierte Händler in Wien hat Zahlungsschwierigkeiten, jeder dritte muss sogar Personal kündigen. Franz Holzer besitzt ein Schuhfachgeschäft und weiß um die dramatische Lage.

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Insgesamt nur elf Tage hat der Handel nach dem jüngsten Lockdown für den Umsatz im Weihnachtsgeschäft. „Es ist das sogenannte 5. Quartal und entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg eines Geschäftsjahres. Der Wiener Handel hat durch den dreiwöchigen Lockdown aber bereits 560 Millionen Euro verloren“, schildert Rainer Will vom Handelsverband.

Jeder vierte Betrieb hat finanzielle Probleme
Kein Wunder also, dass die jüngste Händlerbefragung des Verbands ein düsteres Bild zeichnet: Fast 60 Prozent leiden unter Existenzängsten. Jeder 4. (!) kann eingehende Rechnungen nicht mehr vollständig begleichen. Elf Prozent könnten binnen einem Monat Insolvenz anmelden. Und ein Drittel der Betriebe sieht sich zu einer Reduzierung des Personals gezwungen.

Wenig überraschend also, dass die Händler mit einem Umsatzeinbruch von 51 Prozent im Weihnachtsgeschäft rechnen. 62 Händler haben einen Individualantrag an den Verfassungsgerichtshof unterzeichnet, da sie den jüngsten Lockdown als gesetzeswidrig sehen.

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Das Ende des harten Lockdowns im Handel war überfällig. Die Betriebe rechnen mit einem Umsatzverlust von 51 Prozent im so wichtigen Weihnachtsgeschäft.

Rainer Will, Handelsverband

Zum Zusperren verurteilt
Franz Holzer führt seit 2016 zwei Schuhfachgeschäfte in der City. „Mein Betrieb hängt mittlerweile nur noch am Gutdünken meiner Hausbank“, erzählt er. Auch ohne die Zuschüsse und Entschädigungszahlungen wäre er zum Zusperren verurteilt. Das Eigenkapital sei nach so vielen Lockdowns mittlerweile aufgebraucht, das Unternehmen auf Jahre geschädigt.

Im Stich gelassen
„Bis jetzt haben wir es geschafft, keine Mitarbeiter entlassen zu müssen, aber auch das wird zunehmend schwieriger“, berichtet Holzer. Was es dringend brauche, sei die Streichung der Lohnnebenkosten für das 13. und 14. Gehalt. Und: „Von manchen Branchenvertretern und Organisationen bin ich zutiefst enttäuscht. Man hat in der Krise sehr wenig von ihnen gehört“, kritisiert der Unternehmer.

Unterstützung für das Weihnachtsgeschäft
Hilfe für Handel und Gastronomie kommen nun auch von der Stadt und der Wirtschaftskammer. Mit einer Unterstützungsaktion soll das Weihnachtsgeschäft am letzten Adventwochenende noch einmal kräftig angekurbelt werden. Die Details präsentieren heute Bürgermeister Michael Ludwig, Stadtrat Peter Hanke (beide SPÖ) und Wiens Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck.

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