03.12.2021 17:11 |

Autor geflohen

Von Orban kritisiertes Buch erscheint auf Deutsch

Das umstrittene ungarische Gesetz zur Beschränkung der Information über Homo- und Transsexualität für Personen unter 18 Jahren hat seit seiner Einführung im Sommer nicht nur zu mehreren Geldstrafen gegen Verlage, sondern auch zu öffentlichen Anfeindungen gegenüber Autoren und NGOs geführt. Der Autor des Buches „Meseorszag mindenkie“ (Märchenland gehört allen) hat wegen anhaltender Drohungen das Land verlassen. Sein Buch, das auch von Ministerpräsident Viktor Orban heftig kritisiert wurde, soll nun übrigens auf Deutsch erscheinen.

Das deutsche Magazin „Stern“ hat nämlich die Rechte an dem Buch für Deutschland, Österreich und die Schweiz erworben. Es soll im Frühjahr kommenden Jahres als „Stern“-Buch im Handel erscheinen. Das Kinderbuch, das von dem ungarischen lesbischen Verein Labrisz herausgegeben worden war, hatte in Ungarn überraschend Furore gemacht: Zunächst wurde es von der rechtsextremen Politikerin Dora Duro öffentlich in den Reißwolf geschmissen (siehe Tweet unten). Später nahm Regierungschef Orban Publikationen wie diese als Aufhänger für eine Kampagne, die sich gegen „homosexuelle Propaganda“ richtet.

Im vergangenen Juni beschloss das ungarische Parlament ein Gesetz, das verhindern soll, dass sich Kinder und Jugendliche über eine von der vermeintlichen Norm abweichende Sexualität informieren können. Das bezieht auch jegliche mediale Veröffentlichung mit ein. International wurde das Gesetz als „Zensur“ und als „Schande“ kritisiert. Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.

Bekannte Märchen neu erzählt
In „Märchenland gehört allen“ erzählen ungarische Autorinnen und Autoren bekannte Märchen neu, wobei die Heldenfiguren Minderheiten angehören. Darunter sind in tiefer Armut lebende Kinder, Kinder mit Behinderung, Opfer von häuslicher Gewalt und auch Homosexuelle sowie Transsexuelle. Das Buch will mehr Akzeptanz für benachteiligte Menschen und Angehörige der LGBTQ-Community schaffen. In Ungarn kann es wegen des neuen Gesetzes in den Buchläden nicht offen zur Schau gestellt werden.

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