Wie sinnvoll und praktikabel es ist, mit dem Zug achtzehneinhalb Stunden zu einer Konferenz (von Wien zum Klimagipfel nach Glasgow) anzureisen, wenn die Strecke mit dem Flugzeug in zweieinhalb Stunden zu erledigen ist, noch dazu wesentlich billiger, darf und soll diskutiert werden.
Aber dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, wenn sie von Wien nach Bratislava (Entfernung Luftlinie 55 Kilometer, auf der Straße 80 Kilometer) muss, in den Privatjet einsteigt, ist indiskutabel. Und nachdem von der Leyen so gern vom Klimaschutz und dem Green Deal redet, ist es auch noch scheinheilig.
So wie vieles in der Klimadebatte. Der nun laufende Gipfel in Schottland in allen Ehren, aber ist es wirklich notwendig, dass dafür Hunderte Privatjets kreuz und quer durch die Weltgeschichte fliegen? Dient es dem Zweck der Sache, wenn Russland in seinem Pavillon für Atomenergie wirbt und andere Länder, wie etwa Papua-Neuguinea oder Marokko, aus ihrer Präsentation eine Tourismus-Messe machen? Besucher, die in den vergangenen Tagen beim Gipfel waren, berichten von folkloristischen Einlagen und einem Hauptaugenmerk auf instagramtauglichen Bildern.
Um nur ja nicht falsch verstanden zu werden: Wir brauchen eine deutlich größere Anstrengung als derzeit, um das Klima noch zu retten. Ein internationaler Gipfel könnte sicher Maßstäbe setzen. Wenn es dabei aber nur um Show, Inszenierung und Aktionismus geht, dann dominiert einmal mehr die Scheinheiligkeit.
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