14.07.2021 12:00 |

krone.at-Kolumne

Woher kommt der Hass auf den Kanzler?

Selbst die Nachricht, dass Kanzler Sebastian Kurz ein Baby bekommt, löst bei einigen einen solchen Hass aus, dass sie sogar einem ungeborenen Kind nur Schlechtes wünschen. Auch von den Traum-Umfragewerten aus dem vergangenen Jahr ist nicht viel geblieben. Woher kommt der plötzliche Kanzler-Hass?

Natürlich muss man die bösartigen Social-Media-Kommentare auch relativieren. Im Dickicht der Anonymität des Internet ist ein Hassposting schnell geschrieben. Dennoch gewinnt man den Eindruck, dass vom unbezwingbaren Kanzler-Hoch zum Start der Pandemie nicht viel geblieben ist. Unzufriedenheit und Frust greifen teils unreflektiert um sich, die Politik, aber vor allem der Kanzler brauchen angesichts der Wutentladungen derzeit eine besonders dicke Haut.

Ein Baby als PR-Gag?
So ist auch das Kanzler-Baby ein gefundenes Fressen für jene, die von der Kurz’schen Politik frustriert sind. Dass das Ungeborene bereits im Mutterleib für die Politik des Vaters verantwortlich gemacht wird, ist dabei besonders absurd. Der Vorwurf, dass die Meldung ein billiger PR-Gag zur Ablenkung ist, war da noch die harmloseste Zuschreibung. Der wirre Zweifel an der Vaterschaft zählt zu den unrühmlichen Spitzen.

Polit-Frust entlädt sich an einem Ungeborenen
Dass es gerade jetzt zu einem solchen Kanzler-Hass kommt, rührt wohl von einer allgemeinen Frustration mit der aktuellen Politik her. Nach den langen Corona-Beschränkungen ist die Stimmung in der Bevölkerung im Keller und wegen ungustiöser Chat-Protokolle und des unsäglichen Hickhacks im U-Ausschuss das Vertrauen in die Politik am Tiefpunkt. Wären morgen Wahlen, würde sich der Frust im Wahlergebnis entladen. So entlädt er sich eben bei einem simplen Baby-Posting.

Kurz muss einem nicht leidtun
Besonders leidtun muss sich Sebastian Kurz dennoch nicht. Wer mit Persönlichem in die Öffentlichkeit geht, muss auch damit rechnen, dass er nicht nur haltlosen Zuspruch ernten wird. Entsprechend inkonsequent ist seine Bitte um Verständnis, dass sein Privatleben doch privat bleiben soll. Denn wer nur Blumenregen will, sollte Höchstpersönliches besser nicht in den sozialen Netzwerken teilen.

Schweigen ist Gold
Trotz allem: Man muss die Politik der Türkisen nicht gut finden, aber ein Baby noch vor seiner Geburt anzugreifen, nur weil es den „falschen“ Vater hat, ist in jedem Fall nur eines - schäbig. Man kann ein Ungeborenes nicht bereits vorab in Sippenhaft nehmen, nur weil einem die Politik des Vaters zuwiderläuft. Unterm Strich bleibt nur, dem Elternpaar alles Gute für das Babyglück zu wünschen. Oder - wenn das nicht möglich ist - zu schweigen.

Katia Wagner
Katia Wagner
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