08.07.2021 12:17 |

300 Tote pro Jahr

Grüne warnen: Hitze setzt Umwelt und Menschen zu

Vor dem Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle haben Umweltministerin Leonore Gewessler und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (beide Grüne) am Donnerstag zu einem Medientermin beim Heldenplatz geladen. Thema war genau diese extreme Wetterperiode und ihre schon jetzt ebenso extremen Auswirkungen auf uns Menschen. „Es ist fast so, als würde uns die Klimakrise sagen wollen: ,So schaut es aus, wenn ihr nichts tut‘“, kommentierte Gewessler die bisherigen Extreme im Jahr 2021.

Drastische Beispiele zu den Folgen der Hitze für ältere Menschen führte der Intensivmediziner und Internist Moritz Haugk an: Während ein Hitzekollaps, etwa in Form leichter Schwindelgefühle beim Aufstehen, auch jüngere Personen betreffen kann, kenne er aus seiner Tätigkeit als Notarzt weitaus Schlimmeres. „Immer wieder kommt es zu Einsätzen, bei denen die Feuerwehr eine Wohnungstür aufbrechen muss“, und in dieser finde man dann eine tote Person in einer völlig überhitzten Wohnung. „Wir kennen die demografische Entwicklung“, warnte der Vorstand der Notfallabteilung der Klinik Hietzing. Spitäler, Pflegewohnhäuser müssen sich in Zukunft auf schwere Folgen der zunehmenden Hitze vorbereiten.

Im Extremfall tödliche Risiko
Die Umweltministerin erinnerte indes an das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG), das am Mittwoch im Nationalrat beschlossen wurde. Auch dieses soll im Kampf gegen die Klimakrise greifen, die sich heuer wieder durch Unwetter und ruinierte Ernten in Österreich oder der tödlichen Hitzewelle in Kanada bemerkbar gemacht hat. Studien würden die jährlich zunehmende Häufigkeit derartiger Extremwettersituationen aufzeigen. „Hitze setzt nicht nur der Umwelt zu, sondern auch uns Menschen“, sprach die Umweltministerin das im Extremfall tödliche Risiko hoher Temperaturen an.

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Hitze setzt nicht nur der Umwelt zu, sondern auch uns Menschen.

Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne)

Aus Studien würde hervorgehen, dass selbst das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels der Erderwärmung, das im Pariser Klimavertrag festgelegt wurde, die Zahl der Hitzetoten verzehnfachen würde. „Wenn wir es nicht schaffen, dann haben wir in Europa 100.000 jährlich, die an Hitze sterben“, warnte Gewessler - und schon jetzt seien besonders Menschen aus sozial schwachen Schichten von der Hitze betroffen, wie auch Menschen mit Vorerkrankungen und jene im hohen Alter. Mit finanziellen Folgen für das heimische Gesundheitssystem: „Schon jetzt haben wir Kosten von bis zu 2,3 Milliarden Euro jährlich durch die Erderhitzung“.

300 Hitzetote in Österreich pro Jahr
„Wir haben uns in den letzten Monaten hauptsächlich mit der Corona-Pandemie auseinandersetzen müssen“, hob indes Mückstein hervor, trotzdem dürfe nicht vergessen werden, dass es mit dem Klimawandel eine zweite globale Herausforderung gebe - jetzt, hier und bei uns: „Wir sind am Heldenplatz, und es ist noch nicht einmal zehn Uhr und schon richtig, richtig heiß“, stellte der Minister fest. Die Folgen: Ungefähr 300 Hitzetote gibt es in Österreich bereits pro Jahr. Zwar warne ein Frühwarnsystem bereits gegenwärtig die Bezirksverwaltungsbehörden, Krankenhäuser oder Altersheime vor den Hitzewellen, aber das Gesundheitssystem müsse sich kurz- und langfristig weiter auf die kommenden Entwicklungen einstellen. Vom Gesundheitsministerium würden daher sogenannte Fördercalls zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im Kontext mit der Klimakrise unterstützt, und somit auch die Zusammenarbeit von Gesundheits- und Klimaschutzexperten im Rahmen des Projekts „21Plus“.

„Es ist noch nicht so lange her, da hab ich solche Reden gehalten und die Politik hat zugeschaut“, erinnerte sich indes die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur. Die Diskussion darüber, ob der Klimawandel vom Menschen gemacht wurde, sei Geschichte, er sei eine Tatsache, wie der Klimaschutz eine Notwendigkeit sei, „das hat nichts mit Ideologie zu tun“, hob die Expertin hervor. Der Weg von der Erkenntnis bis zur Reduktion der Treibhausgase sei jedoch ein langer. „Aber in den nächsten zehn Jahren müssen die Emissionen herunter“, da bleibe keine Zeit mehr, um über das Wie zu reden, so Kromp-Kolb.

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