Ökosystem in Gefahr

Das Blaukehlchen ist so selten wie ein Diamant

Tierecke
24.06.2021 09:26
Porträt von Tierecke
Von Tierecke

Sumpflebensräume mit ihren Feuchtwiesen und Mooren stehen kurz vor dem Kollaps. Durch die Entwässerung und Drainagierung feuchter Flächen sind viele dieser artenreichen Ökosysteme sukzessive verschwunden. Die Klimaerwärmung beschleunigt diesen Prozess und heizt nicht nur uns Menschen, sondern auch den Vögeln kräftig ein. Mit ihrem Lebensraum gehen auch die Sumpfbewohner wie Blaukehlchen und Bekassine verloren.

Nur noch wenige Blaukehlchen und Bekassine fristen ihr Dasein in den letzten Refugien, die von der Vogelschutzorganisation „BirdLife Österreich“ unter Schutz gestellt werden. Das Blaukehlchen macht seinem Namen alle Ehre: Die leuchtend blaue Kehle des Männchens strahlt wie ein Diamant. Ihn zu entdecken, ist ebenso selten, denn Blaukehlchen leben meist versteckt im Gebüsch.

Begradigte und befestigte Flüsse sowie die Abtorfung unserer Moore haben es selten werden lassen: Nur noch rund 150 Brutpaare bewohnen zumeist kleinere Feuchtgebiete mit Schilf und offenen Bodenstellen. Zudem droht das völlige Aussterben der Bekassine als Brutvogel in ganz Österreich, da nur mehr sehr kleine Restpopulationen mit insgesamt rund 25 Brutpaare existieren. Ihre langen Schnäbel stochern kaum noch in feuchten Böden nach Kleintieren. Dieses dramatische Sterben der Sumpfvögel ist menschlich verursacht.

Bruthabitate gehen verloren
Die Entwässerung von Feuchtwiesen, die Anlage von Drainagegräben und Dämmen und die intensive Nutzung von Niedermooren führte verstärkt seit den 1950er Jahren zu schwerwiegenden Lebensraumzerstörungen und zum Abdrängen der Tierwelt in letzte rare Rückzugsgebiete. Des Weiteren verwalden und verbuschen vielerorts ehemals baumlose, offene Feuchtwiesen, weil die wenig rentable Bewirtschaftung aufgegeben wird. So gehen wertvolle Bruthabitate dieser seltenen Arten verloren.

Die wenigen verbliebenen Sumpfvögel ziehen sich in letzte Refugien zurück, wie etwa die Bekassine ins Ibmer Moor. Daher ist es uns ein dringendes Anliegen„, so Gábor Wichmann, Geschäftsführer der Vogelschutzorganisation “BirdLife Österreich„, “diese wichtigen Rückzugsräume zu erhalten, inzwischen verbuschte Flächen freizuräumen, ausgetrocknete zu vernässen und wiederherzustellen sowie neue Feuchtgebiete zu schaffen."

Zitat Icon

Ökosysteme brechen wie ein Kartenhaus zusammen!

Gábor Wichmann, Geschäftsführer “BirdLife Österreich

Ohne Biodiversität droht auch uns der Kollaps
Moore und Feuchtwiesen sind nicht nur Ökosysteme mit höchster Biodiversität, sondern tragen als bedeutende CO2-Speicher maßgeblich zum Klimaschutz bei. Die Klimakrise macht deutlich, wie sehr Extremwetterereignisse wie Starkniederschläge oder Dürreperioden Einfluss auf uns nehmen, dabei könnten Feuchtgebiete als natürliche Regulatoren fungieren. „Vergessen wir nicht: Auch wir sind Teile dieser Ökosysteme und daher von deren Stabilität abhängig“, weiß Wichmann. „Ökosysteme brechen, wenn wir Karte um Karte aus dem Spiel nehmen, wie ein Kartenhaus zusammen! Verlieren wir die Biodiversität, droht auch uns der Kollaps!“

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