14.06.2021 14:49 |

„Viele sind erschöpft“

Gewerkschaft fordert „echten Erholungsurlaub“

Die Gewerkschaft für Angestellte der Privatwirtschaft (GPA) fordert nach der Pandemie einen „echten Erholungsurlaub“ für Beschäftigte. Viele mussten während der Corona-Krise ihre Urlaubstage für die Betreuung von Kindern oder Pflege von Angehörigen nutzen - zwei Drittel der Arbeitnehmer waren dabei auch während ihrer freien Tage für ihre Vorgesetzten erreichbar. Es brauche daher die sechste Urlaubswoche für alle, so die Forderung. Fast jeder Dritte Beschäftigte muss aufgrund der Pandemie nun mit weniger Einkommen leben.

„Jetzt, nach 15 Monaten der Pandemie, brauchen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer möglichst normalen Urlaub, der den Namen Erholungsurlaub auch verdient“, sagte GPA-Chefin Barbara Teiber am Montag. Sie begründet dies mit einer Umfrage, die belegt, dass vier von zehn Beschäftigten während der Pandemie die Urlaubszeit nicht für Erholung nutzen konnten.

Urlaub für Kinderbetreuung aufgebraucht
Vor allem bei Kindern unter 15 Jahren musste jeder zweite Beschäftigte während der Pandemie einen Teil des Urlaubs rein für Kinderbetreuung nutzen. 40 Prozent nutzten den Urlaub für Tätigkeiten im Haushalt oder Renovierungen. Sieben Prozent hatten seit der Pandemie überhaupt noch gar keinen Urlaub.

Sechste Urlaubswoche für alle?
Die sechste Urlaubswoche ist den unselbstständig Beschäftigten in Österreich laut Urlaubsgesetz erst nach 25-jähriger Beschäftigung beim selben Arbeitgeber vorbehalten, die Anrechnung von Vordienstzeiten ist laut GPA sehr eingeschränkt. Teiber forderte daher eine Verbesserung, etwa, dass - wie im öffentlichen Dienst - alle ab einer gewissen Altersgrenze (im öffentlichen Dienst ab 43 Jahren) Anspruch auf sechs Urlaubswochen haben, oder dass die Anrechnung der Vordienstzeiten deutlich ausgeweitet wird.

Immer weniger haben Anspruch
Die GPA-Chefin führt mehrere Argumente an: Die Arbeitswelt werde immer flexibler, dass jemand 25 Jahre beim selben Arbeitgeber beschäftigt sei, werde dadurch immer seltener. Dadurch kämen immer weniger Beschäftigte in den Genuss der sechsten Urlaubswoche. Gleichzeitig sei aber in den vergangenen Jahrzehnten die Produktivität stark gestiegen, ohne dass es irgendwelche Arbeitszeitverkürzungen gegeben hätte.

Teiber: „Viele sind erschöpft“
Für Teiber wäre gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, den Urlaubsanspruch zu verlängern. Denn nach der Corona-Pandemie seien viele Beschäftigte erschöpft und würden längeren Urlaub brauchen. Laut der IFES-Umfrage gibt mehr als die Hälfte der Beschäftigten (56 Prozent) an, mindestens zwei Wochen Urlaub am Stück zu benötigen, um erholt zu sein. Hier zeigt sich ein Altersunterschied: Die Jüngeren sind auch mit kürzeren Urlauben zufrieden, die Älteren wollen eher eine längere Erholung. Demgegenüber steht aber die tatsächliche Urlaubsplanung: Nur zwölf Prozent planen einen Urlaub von drei Wochen oder länger für den Rest des Jahres ein.

Auch im Urlaub „jederzeit“ erreichbar
Dass der Urlaub dann noch vom Arbeitgeber unterbrochen wird, der sich telefonisch beim Arbeitnehmer meldet, ist der GPA ein ganz besonderer Dorn im Auge. Denn grundsätzlich gelte, dass der Arbeitnehmer im Urlaub eben nicht für den Chef oder die Kollegen erreichbar sein müsse. Doch die Umfrage zeigt hier ein anderes Bild: 30 Prozent geben an, im Urlaub „jederzeit“ telefonisch für den Arbeitgeber erreichbar zu sein, 38 Prozent sind „in Ausnahmefällen“ erreichbar, und nur 30 Prozent sind im Urlaub gar nicht erreichbar.

Besonders hoch ist der Anteil der „jederzeit Erreichbaren“ mit einem Nettoeinkommen bis 1500 Euro: Hier gaben sogar 36 Prozent an, für den Arbeitgeber auch im Urlaub jederzeit telefonisch erreichbar zu sein.

Urlaubsgeld dient oft nicht dem Urlaub
Das 13. und 14. Gehalt wird von der Hälfte der Befragten für Urlaubsreisen verwendet, 44 Prozent sparen es auch für spätere Anschaffungen oder für die Altersvorsorge. Immerhin 26 Prozent gaben an, das Geld für die Bestreitung der alltäglichen Ausgaben zu brauchen, 14 Prozent verwenden es zum Abdecken von Schulden und Kontoüberziehungen (Mehrfachnennungen möglich).

Seit der Pandemie haben 28 Prozent der Befragten weniger Einkommen im Haushalt zur Verfügung, etwa wegen Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder Verlust von Trinkgeldern. Hier sind besonders Frauen und Jüngere unter 25 Jahren vom Einkommensverlust betroffen.

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