13.06.2021 18:00 |

Magisches Volkstheater

Wenn Glas und Glück in Liebe zu leicht zerbrechen

Auf Initiative der Marktgemeinde Hopfgarten ist die Kirchenruine Hörbrunn derzeit Schauplatz eines erlebenswerten Theaterstückes. Der Schwazer Autor Ernst Spreng schrieb ein Stück über Sehnsucht und Scheitern - und warum diese Kirche nie zu Ende gebaut wurde. Feinfühlig führt Markus Plattner Regie.

Damit man über die am vergangenen Freitag stattgefundene Vorpremiere des neuesten Bühnenwerkes mit dem Titel „Glashütt – Die Sehnsucht des Sandkorns“ aus der Feder des Schwazer Autoren Ernst Spreng berichten kann, muss man zuerst einige Sätze dem realen historischen Mikrokosmos der Örtlichkeit widmen. Der Weiler Hörbrunn, auf halbem Weg in die Kelchsau gelegen, ist in Hopfgarten unter dem Namen „Glashütt“ bekannt.

Mystische Ruine im Wald
Dominiert wird dieser Ortsteil von einem imposanten „Herrenhaus“, welches heutzutage als Jugendgästehaus Nutzen findet. Knapp daneben auf einer leichten Erhöhung im Wald steht die Ruine einer Kirche, welche die mystische Bühne für das Theaterstück bildet. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in diesem Weiler eine Glasfabrik mit mehr als 200 Mitarbeitern – geführt von der äußerst sozial eingestellten böhmischen Familie Friedrich, die für ganz Europa Glas produzierte.

In der wirtschaftlichen Blütezeit der Manufaktur entstand der Plan, dort die zuvor erwähnte Kirche zu errichten. Aber die industrielle Revolution überrollte die Fabrikantenfamilie und es wurde auf das Liter-Maß umgestellt. In der Glasfabrik wurden jedoch weiter andere Glas-Hohl-Maße produziert. Somit brachen die Geschäfte ein, der Kirchenbau wurde eingestellt und übrig blieb die Ruine als Zeuge sehnsuchtsvoller Wünsche, die nie in Erfüllung gingen.

Die Sehnsucht im Fokus
Soweit die historischen Fakten, welche für Ernst Spreng genug an Ausgangsstoff in sich tragen, um damit ein Theaterstück zu kreieren, welches von Laiendarstellern der Volksbühnen Hopfgarten und Westendorf im Inneren der magischen Ruine zum Leben erweckt wird. Die Sehnsucht ist das zentrale Thema von „Glashütt“. Dieses dominierende menschliche Gefühl steht im Zentrum der Liebe von Bäckersgehilfin Marie (Tamara Pieth) und Glasschleifer Pavel (Hubert Riedmann). Die beiden versprechen sich, die ersten zu sein, die in der fertigen Kirche heiraten. Da sie daran glauben, dass ihre Träume bald in Erfüllung gehen werden – getreu dem Motto: „Sand zu Stein, Sand zu Stein, diese Mauern werden immer unsere Träume sein.“ Glück und Glas brechen allerdings leicht.

Feinfühlige Inszenierung
Der wirtschaftliche Niedergang der Glashütte zwingt die Glasherrin (Maria Kruckenhauser), den Kirchenbau einzustellen. Pavel geht nach Böhmen, da er dort arbeiten kann. Marie hält an ihrer Sehnsucht fest, an diesem Ort ihr Glück zu finden, wobei für sie die Fantasie schöner als die Realität ist und sie aus diesem Grund der Fantasie treu bleibt.

Äußerst feinfühlig lässt Regisseur Plattner die insgesamt sechs Darsteller im zauberhaften, mystischen Bühnenlicht von „Lichtmeister“ Ralf Wappler innerhalb der alten Steinmauern agieren und somit bekommen sie ihren individuellen Charakter, wie der von Jakob Schermer gespielte zynische, grundehrliche „Pocher“, und der von Idealen getragene Glasmachergehilfe „Benedikt“, den Hubert Kurz spielt. Autor Spreng gibt den Erzähler der Hintergrundgeschichte und erfüllt somit auch einen kleinen Bildungsauftrag, da diese historischen Fakten bisher nur wenigen bekannt waren. „In eine Kirche gehört auch Musik“, lautet die Meinung von Regisseur Plattner, und diese kommt komponiert und selbst gesungen in Form von drei Liedern von Lucia Pizzinini.

Tolles Theatererlebnis
Nach den langen Monaten des Corona-bedingten Stillstandes ist es eine Freude, an einem lauen Sommerabend an einem so außergewöhnlichen, stimmungsvollen Ort einer engagierten Freilichtinszenierung, gestaltet von Profis und Amateuren, beizuwohnen. „Glashütt – Die Sehnsucht des Sandkorns“ fordert den Zuschauer in keiner Weise. Man wird aber unterhalten und das in äußerst angenehmer Art und Weise. Damit scheint auch die Grundintention der Initiatoren des Theater-Projekts durchaus aufzugehen.

Weitere Informationen und alle Spieltermine gibt es unter: www.volksbuehne-hopfgarten.at

Hubert Berger
Hubert Berger
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