24.02.2021 15:08 |

Freund leugnet jetzt

Wende in Frauenmord-Fall: Opfer (28) wurde erwürgt

Nach dem tödlichen Angriff eines 29-Jährigen auf seine Freundin am Dienstag in Wien-Favoriten sind weitere Details bekannt geworden. Die 28-jährige Polin starb laut vorläufiger Obduktion nicht an einem Bauchstich, sondern wurde erwürgt, berichtigte Polizeisprecher Christopher Verhnjak am Mittwoch. Der tatverdächtige Lebensgefährte zeigte sich in einer ersten Einvernahme nicht geständig. Er habe seine Freundin nach einem Spaziergang leblos vorgefunden, gab er an.

Das Paar kannte sich zumindest seit dem Jahr 2019 und führte ersten Ermittlungen zufolge eine On-Off-Beziehung. Beide wurden im Zuge ihrer Beziehung „kriminalpolizeilich aktenkundig“, so Verhnjak gegenüber der APA. Es habe in der Vergangenheit „mehrfache polizeilich relevante Vorfälle“ gegeben. Dabei wurde gegen beide mehrmals Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen. Es ging um Körperverletzungen, Drohungen und Nötigungen. Auch Alkohol dürfte dabei eine Rolle gespielt haben.

Am Montag rückte die Polizei kurz vor Mitternacht in die Wohnung in einer Seitengasse der Triester Straße aus. Zu dem Zeitpunkt öffnete die 28-Jährige den Einsatzkräften leicht verletzt die Tür. Die junge Polin gab an, es hätte Streit mit ihrem Lebensgefährten, einem 29-jährigen - einem österreichischen Staatsbürger mit nordafrikanischen Wurzeln - gegeben. Der alkoholisierte Mann habe sie geschlagen und zu Boden gestoßen, dabei habe sie die Blessuren davongetragen. Die Rettung versorgte das Opfer und brachte es in ein Krankenhaus.

Verdächtiger amtsbekannt
Die Polizei machte sich auf die Suche nach dem Mann, der das Appartement verlassen hatte. Ihm gegenüber sollte ein Betretungs- und Annäherungsverbot ausgesprochen werden. Er ist bereits wegen Gewaltdelikten amtsbekannt, laut APA-Informationen hat er fünf Vorstrafen wegen Körperverletzungen. Eine Fahndung in der Umgebung blieb allerdings ohne Erfolg, auch an seiner Wohnadresse in Meidling wurde der 29-Jährige nicht angetroffen.

In der Zwischenzeit wurde die verletzte Frau von der Berufsrettung in ein Krankenhaus gebracht. Dort wurde sie ambulant behandelt und in häusliche Pflege entlassen. Wie das Opfer vom Krankenhaus wieder in die Wohnung kam, ist noch Gegenstand von Ermittlungen.

Würgeattacke als Todesursache
Gegen 5.30 Uhr läutete der 29-Jährige dann bei einem Verwandten der Frau an, der im selben Haus wohnte wie die 28-Jährige. Er sagte ihm, er habe seine Freundin erstochen. Der Verwandte rief daraufhin die Exekutive. Der Mann ließ sich widerstandslos in der Wohnung festnehmen. Eine Waffe - ein Klappmesser - wurde sichergestellt. Die Obduktion ergab zwar, dass die Frau diverse Verletzungen - u.a. einen Messerstich im Bauch - erlitten hatte. Tödlich war aber der Angriff auf den Hals durch Erwürgen.

Verdächtiger leugnet nun die Tat
Was sich in den Stunden zwischen den Schlägen und dem tödlichen Angriff abgespielt hat, wird nun ermittelt. Der Verdächtige, der sich nun nicht mehr geständig zeigt, gab an, in der Zeit spazieren gewesen zu sein. Unklar ist auch, wie der 29-Jährige wieder in die Wohnung gekommen war, ob er einen Schlüssel hatte oder ob er von der Frau hineingelassen wurde. Einbruchsspuren wurden von der Polizei nicht gefunden. Vor allem aber sind die Ermittler am Motiv interessiert.

„Zu dem Ablauf der Tatnacht können wir sagen, dass nach aktuellen Erkenntnissen seitens der einschreitenden Polizisten korrekt gearbeitet wurde“, sagte Polizeisprecher Verhnjak. „Sie haben im Zuge des ersten Einsatzes kurz vor Mitternacht eine Gefahrenanalyse aufgrund des Sachverhaltes durchgeführt und es für notwendig erachtet, gegen den Tatverdächtigen ein Betretungs- und Annäherungsverbot auszusprechen. Das wurde auch aktenkundig gemacht.“

Am Mittwoch soll die zweite Einvernahme des 29-Jährigen erfolgen. Da sollen die noch offenen Fragen geklärt werden. Es handelt sich um den vierten Frauenmord in diesem Jahr in Österreich.

Grüne fordern Ausbau von Gewaltschutz
„Das zeigt einmal mehr: Frauenmorde sind nur die Spitze des Eisbergs - sie sind die extremste Form patriarchaler Männergewalt gegen Frauen“, sagte auch Gemeinderätin und Frauensprecherin der Grünen Wien Viktoria Spielmann. „Was es jetzt braucht, sind mehr finanzielle Mittel für den Ausbau von Gewaltschutz und die volle und rasche Aufklärung des Falls durch die Behörden.“

Friedrich Schneeberger
Friedrich Schneeberger
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