29.11.2010 14:03 |

Mordversuch in Graz

"Waldmensch" beging Bluttat in Laufhaus "aus Wut"

Eiskalt und ohne Reue hat sich der "Waldmensch" Friedrich O. einen Tag nach seiner Festnahme am Sonntagnachmittag beim Verhör im Landespolizeikommando in Graz präsentiert. Er gab die Bluttat an einer Prostituierten zu und schilderte detailliert, wie er die 29-Jährige in einem Grazer Laufhaus töten wollte - demnach sei er plötzlich aus unerklärlichen Gründen wütend geworden. Indes tauchen Zweifel daran auf, dass der 48-Jährige auch etwas mit dem Mord an einer Landwirtin in der Buckligen Welt zu tun hat.

Nach der Festnahme und anschließender Vernehmung in Niederösterreich war der Mann am Sonntagvormittag von steirischen Kriminalbeamten abgeholt und nach Graz gebracht worden: "Er ist ruhig im Wagen gesessen, hat nicht gesprochen", berichtete Oberst Alois Eberhart.

Opfer dürfte über den Berg sein
Gesprächiger war er danach bei der Einvernahme. Der Verdächtige schilderte genau, was sich am Abend des 20. November im Laufhaus in der Prankergasse abgespielt hatte - wie er die bulgarische Prostituierte, die er bereits seit zwei Monaten kannte, mit dem Kabel eines Bügeleisens erdrosseln wollte und dann auch noch mit einem Stanleymesser auf sie einstach. Das Opfer dürfte mittlerweile über den Berg sein, muss aber noch im Grazer LKH bleiben. Die 29-Jährige hat noch immer Probleme beim Sprechen. Nach der Bluttat sei der 48-Jährige mit dem Zug nach Wiener Neustadt gefahren und habe sich zu Fuß in die Bucklige Welt durchgeschlagen, die er aus seiner Vergangenheit kennt.

Nach der Einvernahme wurde der "Waldmensch" nicht in seine "Heimat" Karlau, sondern in die Justizanstalt Graz-Jakomini gebracht. Oberst Eberhart: "Er ist ja jetzt ein Untersuchungshäftling. In dieser Woche werden wir mit ihm eine Tatrekonstruktion machen."

Mordverdacht nicht erhärtet
Den Mord an der 71-jährigen Landwirtin in Kirchberg am Wechsel hatte der Verdächtige gegenüber niederösterreichischen Beamten geleugnet. "Dass er als Täter infrage kommt, ist ein bisschen in die Ferne gerückt", so Chefinspektor Leopold Etz vom Landeskriminalamt Niederösterreich am Montag. Der "Waldmensch" habe "glaubwürdig" geschildert, wo er sich in den vergangenen Tagen aufgehalten habe. Der 48-Jährige habe ausgesagt, dass er die Gegend um Kirchberg am Wechsel nicht sonderlich gut kenne und sich in Gebieten aufgehalten habe, die ihm besser vertraut seien. Tatsächlich ist der abgelegene Bauernhof, wo die Tat passierte, rund 30 Kilometer von Kirchschlag in der Buckligen Welt entfernt, wo der 48-Jährige am Samstag aufgegriffen wurde.

Auch die zwei bisher eingetroffenen Hinweise, wonach der Verdächtige in der Nähe des Tatortes gesehen worden sei, hätten sich als nicht "treffsicher" bzw. ausreichend für einen Tatverdacht herausgestellt. Ein Verfahren in der Mordsache wurde gegen O. bisher jedenfalls nicht eingeleitet. Noch genauer untersucht wird von den Beamten jetzt das Umfeld der getöteten Landwirtin. Sowohl im Bekannten- und im Verwandtenkreis als auch im engsten Umfeld werde ermittelt. Die Tatwaffe wurde bisher nicht gefunden.

Im Zuge der Ermittlungen hat die Polizei am Samstag ein aktuelles Foto (siehe rechtes Bild) des Verdächtigen veröffentlicht und bittet die Bevölkerung um Hinweise. Gesucht werden Personen, die den Mann am Freitag, dem 26. November, gesehen haben. Sie mögen sich unter der Telefonnummer 059133/30-3333 melden.

von Peter Riedler ("Steirerkrone") und krone.at
Bilder: Arnold Klement; Sicherheitsdirektion Niederösterreich

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