30.12.2020 16:53 |

„Tickende Zeitbombe“

Nach Erdbeben: Laute Rufe nach Aus für AKW Krsko

Nach dem schweren Erdbeben in Kroatien am Dienstag sind mittlerweile in Österreich Rufe nach einem Aus für das slowenische AKW Krsko wieder lauter geworden. „Erdbeben wie diese führen uns wieder vor Augen, dass Atomkraft keine gefahrlose Form der Energieerzeugung ist“, betonte etwa Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ). Für die Umweltorganisation Global 2000 ist das Erdbeben „ein weiterer Weckruf, den 39 Jahre alten Reaktor endlich abzuschalten, bevor dieser von einem Beben schwer beschädigt wird.“ Das Epizentrum des Erdbebens in Kroatien lag nur 80 Kilometer von Krsko entfernt. Das Beben konnte man auch in Österrerich spüren.

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Während des Erbebens wurde das Kraftwerk zwar automatisch abgeschaltet, wie es bei einem Erdbeben üblich ist. Ein Politikum bleibt es in Österreich dennoch. Eigentlich sollte der Reaktor 2023 stillgelegt werden, es ist aber eine Laufzeitverlängerung bis 2043 geplant

„Risiken auch für Kärntner unabsehbar“
„Die Risiken sind im Ernstfall auch für die Kärntner Bevölkerung unabsehbar", sagte Kaiser. Gerade Krsko liege bekanntermaßen auf einer Erdbebenlinie. Kaiser sprach sich gegen eine geplante Laufzeitverlängerung des Kraftwerks aus. Der Kärntner FPÖ-Obmann Gernot Darmann bezeichnete das Kraftwerk als „tickende Zeitbombe“. Auch die steirischen Politiker sehen Gefahren für ihr Bundesland durch den Reaktor. 

„Gefahr für Europa“
Diese „Gefahr für Europa“ müsse beendet werden, teilte auch der Anti-Atom-Sprecher der Grünen im Bund, Martin Litschauer, mit. „Ein zweites Fukushima würde Europa in diesen Zeiten ins Chaos stürzen.“ Auch er sprach sie gegen die geplante Betriebsverlängerung des Atommeilers aus.

FPÖ: „Schrott-AKW“
Die Bundes-FPÖ in Form von Umweltsprecher Walter Rauch forderte unterdessen angesichts der „Gefahr“ die Entsendung einer unabhängigen Expertenkommission in das Atomkraftwerk Krsko, um „das Schrott-AKW selbst genauer hinsichtlich Schäden und Erdbebensicherheit unter die Lupe“ zu nehmen. Die türkis-grüne Regierung müsse nun für Aufklärung zu sorgen, so Rauch. „Die Bevölkerung hat ein Recht auf vollste Informationen. Das AKW wurde zwar in Folge des Erdbebens abgeschaltet, ob es aber Schäden gibt, oder ob derzeit eine ernste Gefahr aufgrund des Erdbebens vom AKW in Krsko ausgeht, muss sofort aufgeklärt werden.“

Bundesregierung müsse Druck auf Slowenien und Kroatien ausüben
Auch SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr und SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll sprachen sich für ein Aus für das an einer seismologischen Bruchlinie liegende Kraftwerk aus. Der Atommeiler sorge „immer wieder für Probleme und Sicherheitsrisiken“, hieß es. „Es ist hoch an der Zeit, dass das AKW Krsko für immer vom Netz geht.“ Die türkis-grüne Regierung forderten Herr und Schroll auf, „den vielen Worten endlich konkrete Taten folgen zu lassen“ und Druck auf ihre slowenischen sowie kroatischen Amtskollegen „für die Stilllegung des gefährlichen Atomkraftwerks Krsko“ auszuüben. Atomkraft dürfe keine Zukunft haben und der Atomausstieg müsse vorangetrieben werden, heißt es in der Aussendung weiter.

Video: Sieben Tote bei Erdbeben in Kroatien

Für die Umweltorganisation Global 2000 sei Atomkraft ein enormes Risiko, „daher fordern wir abschalten jetzt!“

AKW Krsko geht Mittwochabend wieder in Betrieb
Das Atomkraftwerk Krsko wird voraussichtlich am Mittwoch um 22 Uhr wieder in Betrieb genommen, teilte das AKW mit. „Die Anlage war durch das Beben nicht beschädigt worden, alle überprüften Systeme funktionieren“, hieß es. In der Nacht soll es eine Leistung von 50 Prozent erreichen und am Donnerstag wieder voll arbeiten.

Nachbeben erschüttern Kroatien
Kroatien ist einen Tag nach einem heftigen Erdbeben mit mindestens sieben Toten von mehreren Nachbeben erschüttert worden. Die US-Erdbebenwarte USGS registrierte am Morgen gegen 06.15 Uhr kurz hintereinander zwei Erdbeben der Stärke 4,8 und 4,7 in der Region um Sisak südöstlich der kroatischen Hauptstadt Zagreb. Zunächst wurden keine neuen Schäden durch die beiden Nachbeben gemeldet.

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