"Für die landeseigenen Gesellschaften und großen Festivals ist eine Zukunftsstrategie zu entwickeln." Dieser Satz findet sich im Regierungsübereinkommen von SPÖ und ÖVP. Angesichts des bekundeten Sparwillens der Landesregierung könnten in dieser Formulierung natürlich vor allem Pläne zu Einsparungen stecken.
"Selbst Solisten verdienen vergleichsweise wenig"
Bei der Grazer Oper laufen die Finanzierungsverträge zwar erst 2014 aus, aber schon nächstes Jahr stehen die Verhandlungen für die Zeit danach an. Die bis 2014 bestellte Intendantin Elisabeth Sobotka verortet das ihr zur Verfügung stehende Budget - angesichts des selbst gestellten Qualitätsanspruchs - am unteren Limit. "Wir haben ein extrem niedriges Lohnniveau; Chor, Ballett, selbst die Solisten verdienen bei uns vergleichsweise wenig."
Sobotka sieht in "ihrem" Haus nicht irgendeine Provinzbühne, sondern orientiert sich lieber am Musiktheaterniveau in Großstädten wie Stuttgart, München und Wien. Aufwändige, kostenintensive Produktionen wie die mit Spitzensänger bestückten "Meistersinger" und "Frau ohne Schatten" zeugen deutlich von solchen - erfreulichen - Ambitionen.
Das zur Verfügung stehende Budget ist auch angesichts solcher Ansprüche natürlich eine Dauersorge. Sobotka: "Unser Budget wird ja durch die Teuerung automatisch Jahr für Jahr kleiner." Man bekomme zwar einen Teil der Teuerung abgegolten, die Differenz zu den Lohnerhöhungen müsse man aber selbst abfangen. Auch der anstehende Thalia-Umbau und die für nächsten Sommer geplante Renovierung der Bühnenmaschinerie bringt finanzielle Unannehmlichkeiten.
Auswirkungen auf Spielplan möglich
Vom Thalia-Umbau ist man zwar nicht ganz so betroffen wie die Jugendbühne Next Liberty (die sich gegebenenfalls wieder einmal ein Ausweichquartier suchen muss), trotzdem plant Sobotka ob der kommenden Platznöte bereits mit indirekten Auswirkungen auf den Spielplan. So könnte es sein, dass sie 2010/11 eine Premiere durch eine Wiederaufnahme ersetzen muss bzw. eine Premiere auf die Kasematten verlagert. Bei den entstehenden Mehrkosten hofft man auf entsprechenden Ersatz durch die öffentliche Hand.
Von einem Wechsel auf das Stagione-System hält Sobotka nichts. Stagionebetrieb bedeutet, dass Stücke im Block gespielt werden und man (mehr oder weniger) ohne fixe Ensembles auskommt. In Österreich praktiziert nur das Theater an der Wien dieses System. "Das wäre nicht nur ein riesiger Verlust für das kulturelle Leben, sondern würde in der speziellen Grazer Situation auch überhaupt nicht funktionieren."
Nennenswertes Sparpotenzial erkennt Sobotka kaum. "Es ist ja bei uns in den vergangenen Jahren schon viel passiert. Die Infora Consulting hat uns bescheinigt, dass wir quasi das Ende der Fahnenstange erreicht haben." Jegliche weitere Sparmaßnahmen, so Sobotka, würden direkt in Substanz und Struktur des Hauses eingreifen. "Große Projekte wären nicht mehr machbar."
Daten und Fakten
von Martin Gasser, "Steirerkrone"
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