Kaum Sparpotenzial

Grazer Oper kämpft mit kleinem Budget und hohen Kosten

Steiermark
14.11.2010 18:26
Wohin steuert die Politik die (angeblichen) "Kulturtanker"? Die "Steirerkrone" nimmt die Frage zum Anlass, um in den nächsten Wochen in loser Folge den finanziellen Status quo der größten Kulturinstitutionen zu beleuchten. Zum Auftakt die Grazer Oper, die mit Unannehmlichkeiten wie steigenden Kosten und dem angekündigten Thalia-Umbau zu kämpfen hat.

"Für die landeseigenen Gesellschaften und großen Festivals ist eine Zukunftsstrategie zu entwickeln." Dieser Satz findet sich im Regierungsübereinkommen von SPÖ und ÖVP. Angesichts des bekundeten Sparwillens der Landesregierung könnten in dieser Formulierung natürlich vor allem Pläne zu Einsparungen stecken.

"Selbst Solisten verdienen vergleichsweise wenig"
Bei der Grazer Oper laufen die Finanzierungsverträge zwar erst 2014 aus, aber schon nächstes Jahr stehen die Verhandlungen für die Zeit danach an. Die bis 2014 bestellte Intendantin Elisabeth Sobotka verortet das ihr zur Verfügung stehende Budget - angesichts des selbst gestellten Qualitätsanspruchs - am unteren Limit. "Wir haben ein extrem niedriges Lohnniveau; Chor, Ballett, selbst die Solisten verdienen bei uns vergleichsweise wenig."

Sobotka sieht in "ihrem" Haus nicht irgendeine Provinzbühne, sondern orientiert sich lieber am Musiktheaterniveau in Großstädten wie Stuttgart, München und Wien. Aufwändige, kostenintensive Produktionen wie die mit Spitzensänger bestückten "Meistersinger" und "Frau ohne Schatten" zeugen deutlich von solchen - erfreulichen - Ambitionen.

Das zur Verfügung stehende Budget ist auch angesichts solcher Ansprüche natürlich eine Dauersorge. Sobotka: "Unser Budget wird ja durch die Teuerung automatisch Jahr für Jahr kleiner." Man bekomme zwar einen Teil der Teuerung abgegolten, die Differenz zu den Lohnerhöhungen müsse man aber selbst abfangen. Auch der anstehende Thalia-Umbau und die für nächsten Sommer geplante Renovierung der Bühnenmaschinerie bringt finanzielle Unannehmlichkeiten.

Auswirkungen auf Spielplan möglich
Vom Thalia-Umbau ist man zwar nicht ganz so betroffen wie die Jugendbühne Next Liberty (die sich gegebenenfalls wieder einmal ein Ausweichquartier suchen muss), trotzdem plant Sobotka ob der kommenden Platznöte bereits mit indirekten Auswirkungen auf den Spielplan. So könnte es sein, dass sie 2010/11 eine Premiere durch eine Wiederaufnahme ersetzen muss bzw. eine Premiere auf die Kasematten verlagert. Bei den entstehenden Mehrkosten hofft man auf entsprechenden Ersatz durch die öffentliche Hand.

Von einem Wechsel auf das Stagione-System hält Sobotka nichts. Stagionebetrieb bedeutet, dass Stücke im Block gespielt werden und man (mehr oder weniger) ohne fixe Ensembles auskommt. In Österreich praktiziert nur das Theater an der Wien dieses System. "Das wäre nicht nur ein riesiger Verlust für das kulturelle Leben, sondern würde in der speziellen Grazer Situation auch überhaupt nicht funktionieren."

Nennenswertes Sparpotenzial erkennt Sobotka kaum. "Es ist ja bei uns in den vergangenen Jahren schon viel passiert. Die Infora Consulting hat uns bescheinigt, dass wir quasi das Ende der Fahnenstange erreicht haben." Jegliche weitere Sparmaßnahmen, so Sobotka, würden direkt in Substanz und Struktur des Hauses eingreifen. "Große Projekte wären nicht mehr machbar."

Daten und Fakten

  • Die Grazer Oper erhält aktuell eine jährliche Subvention von 21.928.355 Euro. 12,06 Millionen davon kommen vom Land Steiermark, 9,87 Millionen von der Stadt Graz. Zum Vergleich die vom Bund finanzierten Wiener Häuser: Die Staatsoper erhält 51,5 Millionen, die Volksoper 39,2 Millionen Das Theater an der Wien, künstlerisch das derzeit vielleicht interessanteste Opernhaus Österreichs, das allerdings als Stagione-Betrieb weitaus weniger Vorstellungen als die anderen Genannten bietet, wird nicht vom Bund, sondern von der Stadt Wien finanziert - mit 20 Millionen Euro. 
  •  In Graz kosten die teuersten Karten im Opernalltag 49 Euro. Zum Vergleich: In der Wiener Volksoper sind es 80 Euro, in der Staatsoper sogar 192 Euro. 
  •  In der Saison 09/10 zählte die Grazer Oper 154.715 Besucher, eine Auslastung von 76,22%. Die beliebteste Aufführung war das Musical "Sound of Music" (31.580 Besucher), die beliebteste Oper "Rusalka" (13.077).

von Martin Gasser, "Steirerkrone"

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Steiermark
14.11.2010 18:26
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Steiermark
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt