07.11.2020 06:01 |

Klein, aber auch oho?

Canon PowerShot ZOOM: Ferngucker im krone.at-Test

Wer als Fotograf näher ans Geschehen heranrücken möchte, ohne sich dafür zu bewegen, erkauft sich dies in der Regel teuer durch große und dementsprechend schwere Teleobjektive. Sogenannte Superzoom-Kameras stellen eine relativ günstige und kompakte Alternative dar - im Vergleich zu Canons neuer „PowerShot Zoom“ wirken aber auch sie ziemlich klobig. krone.at hat den ungewöhnlichen „Ferngucker“ getestet.

Canons PowerShot Zoom darf zweifelsohne als Besonderheit im Bereich der Digitalkameras bezeichnet werden, und das hat gleich mehrere Gründe. Da wäre zunächst das ungewöhnliche, eher an ein Fernrohr bzw. Spektiv angelehnte Design, welches es ermöglicht, die Kamera einhändig zu benützen. Zweite Besonderheit: Mit ihren Abmessungen von 33,4 x 50,8 x 103,2 Millimetern und einem Gewicht von lediglich 145 Gramm ist die PowerShot Zoom in ihrer Kategorie ein geradezu fliegengewichtiger Winzling, der in nahezu jede Hand und Hosentasche passt - und das obwohl die Kamera eine Brennweite von bis zu 400 Millimetern bietet, digital erweiterbar auf 800 Millimeter.

Intuitive und einfache Bedienung
Wobei „bis zu“ eigentlich nicht korrekt ist, denn ein stufenloses Zoomen ist mit der PowerShot nicht möglich. Per Taste werden stattdessen die drei verschiedenen Zoom-Stufen - 100, 400 und 800 mm - durchgeschaltet. Die sonstige Bedienung gestaltet sich ähnlich intuitiv und auf das Wesentliche reduziert. Neben der Taste fürs Zoomen gibt es eine zum Ein- und Ausschalten der Kamera, eine fürs Menü, eine zum Auslösen und eine zum Starten einer Videoaufnahme. Ein kleines Drehrad erlaubt zudem die manuelle Fokussierung. Fertig.

Im Menü, welches mangels Display per se (ausgenommen man verbindet die Kamera via Bluetooth/WLAN per dazugehöriger App mit dem Smartphone) nur über den 0,39 Zoll großen und mit 2,36 Millionen Pixeln auflösenden elektronischen Sucher mit Augensensor abrufbar ist, herrschen ebenfalls übersichtliche Verhältnisse. Zwar wartet die Kamera mit der Canon-Nutzern vertrauten Benutzeroberfläche auf, jedoch wurde diese im Vergleich zu anderen Kameras um etliche Auswahl- und Einstellungsmöglichkeiten bereinigt.

Nutzer können in den für die Aufnahme relevanten Einstellungen lediglich zwischen Einzel- oder Serienaufnahme mit bis zu zehn Bildern pro Sekunde sowie Full-HD-Videos im MP4-Format mit 24 oder 30 Frames pro Sekunde wählen, den kontinuierlichen Autofokus ein- oder ausschalten sowie die Art der Autofokusverfolgung bestimmen. Zudem steht eine Belichtungskorrektur (+/-3 Blenden) zur Verfügung.

Kaum kreativer Spielraum
Letztere stellt dann auch die einzige Möglichkeit dar, aktiv und kreativ in den Aufnahmeprozess einzugreifen - allerdings eben nur über den Umweg ins Menü. In der Praxis erweist sich die PowerShot Zoom demnach als das, was man gemeinhin als „Gucki-Drucki-Kamera“ bezeichnet. Sprich: Um die Dinge so einfach wie möglich zu gestalten, beschränkt sich das Betätigungsfeld des Fotografen auf das Drücken des Auslösers und der Zoom-Taste. Den Rest erledigt die Kamera vollautomatisch. Neben einem hohen Maß an Einfachheit in der Bedienung birgt dies vor allem Vorteile in puncto Geschwindigkeit.

Hat man sich also erst einmal an das ungewöhnliche Tasten-Layout gewöhnt, lassen sich entfernte Motive, nicht zuletzt auch dank der vordefinierten Zoom-Stufen und des treffsicheren Autofokus, schnell und unkompliziert anvisieren. Der optische 4-Achsen-Bildstabilisator leistet dabei gute Unterstützung, vermag aber nicht zu verhindern, dass viele Aufnahmen am Ende doch „verrissen“ werden. Hier erweist sich das geringe Gewicht der Kamera eher als Nach- denn als Vorteil. Hinzu kommt, dass es mangels eines entsprechenden Auslösegeräuschs oder zumindest eines klarer definierten Druckpunkts am Auslöser schwer zu beurteilen fällt, ob die Aufnahme denn nun wirklich „im Kasten“ ist oder nicht.

Mäßige Ergebnisse
Doch auch bei ruhiger Hand können die auf microSD gespeicherten Aufnahmen am Ende nicht vollends überzeugen. Sonderlich überraschend ist dies nicht, wenn man einen Blick in die technischen Spezifikationen wirft: Die 12,1 Millionen Pixel drängen sich auf einem gerade einmal 1/3 Zoll großen CMOS-Sensor, wie er auch in den meisten Smartphones verbaut ist. In Kombination mit der geringen Lichtempfindlichkeit des Sensors (ISO 100-3200) und der eher lichtschwachen Optik (f/5,6-f/6,3) sorgt dies bei mauen Lichtverhältnissen recht rasch für rauschende und nicht gerade ansehnliche Ergebnisse mit matschigen Texturen.

Dies betrifft neben der ohnehin nur digital vergrößerten 800-mm-Brennweite überraschenderweise vor allem auch Aufnahmen, die bei 100 mm Brennweite geschossen wurden. Die beste Schärfe und Kontrast erzielten wir im Test bei 400 mm (siehe Dia-Show).

Und noch ein kleines Manko bemerkten wir im Test: Der Akku ist leider fest integriert, was nicht nur unökologisch ist, sondern auch bedeutet, dass nach rund 150 Schnappschüssen bzw. 60 Minuten Videoaufnahme die Foto-Safari erst einmal zu Ende ist, weil die Kamera an die Steckdose muss. Vollständig geladen wird der Akku dort dann mittels USB-C-Schnittstelle binnen weniger als zwei Stunden.

Fazit: Canon beweist mit seiner PowerShot Zoom Mut zur Andersartigkeit und beschreitet in puncto Design und Bedienung neue Wege. Die Kamera ist ebenso leicht zu transportieren wie zu bedienen und dürfte damit vor allem für Naturfreunde, die vergleichsweise viel Brennweite für vergleichsweise wenig Geld suchen, interessant sein. Auch im Fußballstadion oder als Operngucker dürfte die Kamera ihre Berechtigung haben. Ambitionierte Sport- und Naturfotografen dürfte die Qualität der Aufnahmen allerdings nicht zufriedenstellen. Sie sind mit Superzoom-Kameras wie Canons PowerShot SX60 HS (rund 470 Euro) oder den kleineren Modellen SX540 HS bzw. SX430 IS (um die 220 Euro) eindeutig besser beraten - zumal diese bereits günstiger oder nur geringfügig teurer sind als die PowerShot Zoom, deren Preis bei rund 330 Euro liegt.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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