Dabei hatte die Partie für Arnautovic auf der Ersatzbank begonnen, Trainer Thomas Schaaf Claudio Pizzaro den Vorzug in der Startelf gegeben. "Welkom in de Hel von Enschede", war auf einem riesigen Transparent der Twente-Fans zu lesen gewesen. Die Hölle begann für Arnautovic erst nach einer Stunde mit seiner Einwechslung so richtig. Die 24.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion "De Grolsch Veste" pfiffen ihn gnadenlos aus, und die Pfiffe begleiteten den Wiener bei jeder Ballberührung.
Die Zuschauer haben dem Österreicher, der im Sommer 2009 von den Niederlanden zu Inter Mailand gewechselt war, ehe er heuer an der Weser anheuerte, nicht verziehen. Die Aussage von Arnautovic, er werde nie mehr mehr für Twente spielen, haben sie nicht vergessen. Der Abtrünnige gab die Antwort auf sportliche Weise. Nach herrlichem Doppelpass mit Pizzaro und einem tollen Antritt knallte der Offensivspieler im Strafraum den Ball zum letztlich gerechten Endstand unhaltbar unter die Latte (80.).
Arnautovic: "Pfiffe gehören zum Fußball dazu"
"Das ist die beste Antwort, die man geben kann", lobte Klubchef Klaus Allofs. Der mit Pfiffen bedachte Torschütze verzichtete an seiner einstigen Wirkungsstätte auf den Torjubel. "Dass sie mich ausgepfiffen haben, ist schade, gehört aber zum Fußball dazu. Ich habe trotzdem Respekt gegenüber den Fans gezeigt. Sie haben mich immer unterstützt, als ich hier gespielt habe", sagte Arnautovic zu seinem Verhalten.
"Er ist besonders. Man hat auch in dieser Situation gesehen, dass er etwas Besonderes zeigen kann", meinte Schaaf über den 6,5-Millionen-Euro-Einkauf. Der Trainer verglich seinen Schützling mit einem Eil-Zug. "Marko hat in den letzten drei Jahren viel erlebt, das ist wie ein ICE, der da durchgerauscht ist", erinnerte Schaaf an die steile Karriere von Arnautovic mit den Stationen Floridsdorfer AC, Twente, Inter Mailand und nun Bremen.
Janko als Vorbereiter
An der 1:0-Führung des niederländischen Meisters waren zwei andere Österreicher beteiligt. Marc Janko trat als Vorbereiter auf. Der Niederösterreicher nahm ein Zuspiel im Strafraum an, sein Landsmann Sebastian Prödl im Werder-Dress verpasste den Ball, den Theo Jansen (75.) letztlich aus Abseitsposition über die Linie drückte. "Es war heute nicht leicht, als einzige Spitze habe ich kaum brauchbare Bälle erhalten", resümierte der Stürmer, der während der 90 Minuten seine Verletzung - Muskelprobleme im Adduktorenbereich - spürte.
Janko hatte sich sowohl in der Pause als auch nach dem Schlusspfiff behandeln lassen müssen. "Das 1:1 war zu wenig, wir hatten uns aus den zwei Spielen gegen Werder sechs Punkte vorgenommen. Nun ist ein Sieg in Bremen notwendig, um das Achtelfinale erreichen zu können", sagte er zum Rückspiel in zwei Wochen. Der Twente-Legionär wurde vom "kicker" ebenso mit einem "Fünfer" bewertet wie auf der Gegenseite Prödl.
Allofs nimmt Prödl in Schutz
Klaus Allofs nahm den Innenverteidiger jedoch in Schutz und meinte: "Er ist defensiv solide gestanden und auch seine Pässe aus der Abwehr haben gut funktioniert." Prödl selbst, der viele Kopfballduelle mit Janko bestritten hatte, glaubt, seinen Landsmann "ganz gut im Griff" gehabt zu haben. Das Ziel, vier Punkte aus den zwei Twente-Spielen zu holen, ist noch erreichbar. "Eigentlich hätten wir schon diesmal den Sieg aufgrund der zweiten Hälfte verdient gehabt. Ich weiß nicht, warum Pizzaros Kopftor in der 91. Minute annulliert wurde", sagte er.
In der TV-Zeitlupe haben die Analysten eine ganz knappe Abseitsstellung ausgemacht. Die genaue Verletzung von Torhüter Tim Wiese, der nach 36. Minuten ohne Feindeinwirkung zu Boden gegangen und ausgetauscht worden war, vermochte das elektronische Auge hingegen nicht zu klären. "Es ist eine schwere Innenbanddehnung im Knie", teilte Allofs mit. Da Christian Vander noch blessiert ist, musste der erst 21-jährige Amateur-Torhüter Sebastian Mielitz ran, der mit der Nervosität des Debütanten vorübergehend seine Vorderleute verunsicherte.








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