"Krone" vor Ort

Lebensmittelmesse in Paris liegt fest in steirischer Hand

Steiermark
19.10.2010 11:14
Anhalten, Franzosen! Steirische Produzenten zeigen dieser Tage, wo Lukullus wirklich daheim ist. Mit ausgesuchten Spezialitäten - vom Kernöl bis zu den Käferbohnen - geht's an die Eroberung von Paris, Zentrum feiner und angeblich bester Küche der Welt.

Die Seine-Metropole ist Genusshauptstadt, das hat sie mit Graz gemein. Und in der französischen Hauptstadt findet aktuell gerade die SIAL, der Welt größte Lebensmittelmesse statt (siehe auch Story in der Infobox). In unvorstellbarer Dimension übrigens. 5.500 Aussteller aus 100 Ländern, acht Hallen, 215.000 (!!!) Quadratmeter Ausstellungsfläche, 150.000 Fachbesucher. Da gibt's eine Vielfalt, dass einem die Augen herausfallen möchten. Obst, Gemüse, Feinkost, Bio...

Wie das berühmte gallische Dorf aus Asterix nimmt sich da die steirische Exklave aus: Gerade einmal sieben (Glorreiche) sind's, die da bei der SIAL mit ihrer feinen Ware den Lebensmittel-Giganten trotzen. Zum Sturm auf Bastille (und Paris) ist etwa die Schnapsbrennerei und Essigmanufaktur Gölles angetreten. Seit dem 79er-Jahr brennt die Familie im oststeirischen Riegersburg Schnäpse und setzt mit feinen Obstessigen noch eins drauf. Bei Gölles kümmert man sich um rare Obstsorten wie Kriecherl, Hirsch- oder die Saubirn. Sehr erfolgreich...

Mutige steirische Leut sind die Hoglers(Dagmar und Alois), die in Stainz ihren Lukashof betreiben. Ein richtig schöner Biobetrieb, ohne jegliches Gschisti-gschasti. Mit Ess-Innovationen, die die Fachwelt staunen lassen: Das Sortiment reicht von Pesto und Chutneys über Spezialsenf und Konfitüren bis hin zu Honig, Essig und Salz. Alle Produkte selbstverständlich von Hand verarbeitet und abgefüllt.

Wenn der Berg schon nicht zum Propheten kommt, dann halt umgekehrt! Die (Lebensmittel-)Welt hat in Paris Steirerkraft kennengelernt. Nämlich die Steirerkraft-Naturprodukte mit Sitz im oststeirischen St. Ruprecht an der Raab. Das Kerngeschäft im wahrsten Sinn des Wortes: Kürbiskerne, Kernöl, der ganze Stolz unseres Landes, und Käferbohnen. Wobei alles - vom Saatgut bis zum Endprodukt - ausschließlich in der Steiermark erzeugt wird. Also: Wo Steirerkraft draufsteht, ist die Steiermark drin.

Die Steirerkraftler haben auch gleich die Probe aufs Exempel gemacht. Direkt bei der Messe wurde mit unserem "Maschinenöl" verfeinert. Und der Meisterkoch (siehe Foto oben) war mehr als angetan...

Ein bisserl kleiner, aber im selben Segment unterwegs, die Wolf Naturprodukte. Heribert Wolf macht auch in Kürbissen. Und zwar neben Öl, Knabberkerne und Backwaren. Die Geschmacksrichtungen variieren: von Chili und Knoblauch bis hin zu Curry oder Teriyaki für das fernöstliche Klientel. Tolle Idee!

Größenmäßig in einer ganz anderen Spielklasse ist da schon die AGRANA unterwegs. Die Produktpalette der Gleisdorfer reicht von Säften und Saftkonzentraten über Pürrees aus Kern- und Steinobst bis hin zu Beeren. Fabriken gibt's bereits in Deutschland, Dänemark, Polen und Ungarn. Trotzdem: ein ursteirisches Unternehmen.

Nach Höherem auf dem Getränkemarkt strebt auch die Lannacher Grapos, übrigens der modernste Siruperzeuger Europas. Dort erzeugt man Limonadengrundstoffe. Mit besonders innovativen Varianten - Kaktus-Feige, Grüntee oder Grapefruit-Lemon - konnte das Pariser Publikum überzeugt werden.

Ja, und dann haben wir noch die Feldbacher Fruit Partners. Philipp und Herbert Hörrlein sind quasi die "Herren des Krens". Ihre Entwicklung ist der "Steirer-Kren" - ein Kren, der wie frisch geriebener Kren auch nach sechs Monaten bei gekühlter Lagerung nichts an seinem Geschmack und seiner Schärfe einbüßt. Aber das ist längst nicht alles: Neben der Kren- und Knofelproduktion importieren die "Fruit Partners" seit 20 Jahren Obst und Gemüse zur industriellen Weiterverarbeitung. Als zweites Standbein.

Jeder kennt es, keiner weiß, wer und was dahintersteckt: das Steirerhuhn! Gut, wir lüften das Geheimnis. Dieter und Herbert Lugitsch stehen hinter der erfolgreichen Marke. Das Feldbacher Familienunternehmen sondierte ebenfalls bei der SIAL internationalen Marktchancen. Und die dürften gut sein...

Den Aichinger Gabelbissen kennt auch fast ganz Österreich. Dass er in Kapfenberg vom Band läuft, wissen schon weniger. Und auch, dass sich's damit bei Weitem nicht hat. Sandwiches, Saucen, Dressings stehen auf der Produktionsliste. Und die Rezepturen dafür werden von Haubenköchen komponiert. Bei der SIAL haben sich die Steirer nach neuesten Trends auf diesem Sektor umgesehen.

Stark vertreten auf der SIAL ist auch das ICS (Internationalisierungscenter Steiermark), es initiierte im konkreten Fall für steirische Firmen Geschäftstreffen mit weltweiten Partnern.

Resümee: Die steirische Lebensmittelbranche ist im internationalen Vergleich zwar winzig, dafür umso feiner. In den Nischen ist Platz für unsere wunderbaren Produkte. Vor allem die regionalen Besonderheiten braucht man nicht zu verstecken, vielmehr kann man sie mit Stolz vor sich her tragen.

"Auf einen Sprung nach Paris" von Gerhard Felbinger und Christian Jauschowetz, "Steirerkrone"

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