"Der linke Puffer von unserem Umut Kocin ist waffenscheinpflichtig", grinste Kapfenberg-Coach Werner Gregoritsch, seit ihm der Zufall den 22-jährigen Deutsch-Türken knapp nach Saisonstart ins Haus gespült hatte. "Für mich ist er Buffalo Bill! Von der Schusstechnik her wie Hofmann und Schreter." Seit dem 100-km/h-Freistoß aus 29 Metern zum 1:0, der die 2:0-Sensation der "Falken" einleitete, kennt ihn auch Salzburg - vor allem Goalie Tremmel, der dabei grauenhaft patzte.
Kocin? Geboren in Hamburg, Jugend beim HSV, Profi in Bielefeld, im türkischen U19- und U21-Team, danach bei Kayserispor, wo er unter Ex-Pasching-Leginär Kafkas aber den Durchbruch nicht schaffte. Österreich soll nun das Sprungbrett in die deutsche Bundesliga sein. Kapfenberg hatte eigentlich keinen Platz für ihn, stimmte wegen der Kooperation mit Hamburg aber einem Probetraining zu, wo er mit Spielverständnis und tollem Schuss überzeugte: "Eigentlich ist er ein Mittelfeldspieler", so Gregoritsch, "aber da sind wir überbesetzt. Er muss sich umstellen."
"Anscheinend ist Salzburg unser Lieblingsgegner"
"Ich bin zwar noch nicht lange dabei, aber anscheinend ist Salzburg ja sogar unser Lieblingsgegner", so Kocin. Scheint so, denn gegen den Meister (der zum zweiten Mal nach dem historischen 5:2 im November 2008 daheim entzaubert wurde) gelangen heuer bereits vier Punkte - das ist mit ein Grund, dass die "Falken" schon fünf Punkte mehr am Konto haben als im Vorjahr um diese Zeit!
Zwar rauscht allerorts auch der Beifall für das groß aufspielende U21-Dreieck Alar, Elsneg und Kröpfl - doch die Junioren-Nationalspieler wehren bescheiden ab: "Natürlich haben wir diesmal unsere Konter kalt genützt", so Christoph Kröpfl, "aber großen Anteil hat unsere Abwehr, die wieder so sicher steht wie zu Saisonbeginn. Das war jetzt die zweite Partie ohne Gegentor in Folge. Die sechs Runden ohne Sieg davor waren ein Hänger - das war nicht unser Anspruch!"
Für Rauscher ist die Herbstsaison beendet
Der Jubel über das zweite Wunder von Salzburg ("Beim Aufeinanderprallen der Millionen", zwinkert Manager Wieger) ist bei Kapfenberg getrübt: Andreas Rauscher hat es nach toller Vorstellung wieder schwer erwischt. Ausgerechnet beim Comeback nach der Leisten-Operation. Ein Dornfortsatz in der Halswirbelsäule ist nach einem Schlag gebrochen - Herbstsaison beendet! Seine Pechserie reißt nicht ab: Bandscheiben-OP, Bruch des Mittelfußknochens, Einriss des Seitenbandes, Leisten-OP - in drei Saisonen hat der 32-Jährige nur 27 Spiele gemacht.
Glücklicherweise sieht es bei Goalie Raphael Wolf besser aus: Kein Einriss - nur eine Verhärtung im Oberschenkel, sein Einsatz am Samstag im Heim-Derby gegen Sturm sollte klappen. Dass Fukal und Sencar wieder dabei sind und Felfernig wieder voll fit ist, freut Coach Gregoritsch: "Konkurrenz belebt!"
Steirer-Derby am Samstag in Kapfenberg
Beim Derby erwartet die "Falken" kein Honiglecken: Gegen Sturm gab es in Kapfenberg drei Niederlagen, nur ein Remis! "Die sind auswärts die stärkste und effizienteste Truppe der Liga", so Gregoritsch, "weit stärker als daheim. Wir lassen uns sicher nicht durch unseren Sieg in Salzburg blenden. Auch wenn wir jetzt unverkrampft ins Derby gehen können, werden wir keineswegs in Euphorie versuchen, Sturm an die Wand zu spielen. So haben wir gegen Innsbruck 2:4 verloren. Wir werden ihnen nicht ins offene Messer rennen, auch wenn das Stadion ausverkauft ist."
Sturm-Coach Franco Foda hat es indes die Stimme verschlagen - wegen einer Verkühlung, nicht wegen der Niederlage gegen Ried. "Wir waren bis zum 0:1 die bessere Mannschaft - eine echte Parallele zur Niederlage gegen Austria. Wir lassen uns zu Hause nach einem Gegentor aus dem Rhythmus bringen. Auswärts spielen wir auch nach einem Gegentreffer befreit weiter."
Sturm auswärts effizienter
Sieben Tore in den letzten zwei Auswärtsspielen (gegen LASK, Austria) geschossen, keines in den Heimpartien (Austria, Ried) - das sollte Sturm eigentlich auch Mut für das Auswärts-Derby machen. Zumal die Foda-Elf im Fekete-Stadion noch nie verloren hat. "Aber Kapfenberg hat mit einem Kröpfl oder Elsneg an Qualität gewonnen", gibt Foda nichts auf die Zahlenspielerei. Auf die Statistik wollen sich auch seine Spieler nicht verlassen.
"KSV hat jetzt Qualität, wird sich nicht hinten hineinstellen. Und wir müssen nicht, wie in den Heimspielen, mit letztem Risiko stürmen", glaubt Tormann Christian Gratzei. Und auch Routinier Joachim Standfest ("Der Druck von den Fans ist sicher nicht das Problem in den Heimspielen") sieht leichte Vorteile für Sturm: "Auswärts spielen wir effizienter, das haben die letzten Partien gezeigt. Und wenn wir einmal ein Tor geschossen haben, wird's schwer, uns noch zu schlagen..."
von Volker Silli, Egon Rejc ("Steirerkrone") und steirerkrone.at








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