03.10.2020 06:01 |

Kartellamt vs. Samsung

Werbung am Smart-TV ist „unzumutbare Belästigung“

Wer heute ein Fernsehgerät kauft, bekommt einen Computer obendrauf: So gut wie jede moderne Mattscheibe ist ein Smart-TV, der Zugang zu Video-Streams im Internet gewährt. Das Problem: Manch ein Hersteller nutzt das Interface als Werbefläche und verdient so nach dem Kauf noch Geld. Auch die Sehgewohnheiten werden protokolliert und versilbert. Eine Praxis, die viele Kunden nicht goutieren - und im Fall von Samsung vom deutschen Kartellamt als „unzumutbare Belästigung“ klassifiziert wurde.

Es ist eine verbreitete Unart. LG Electronics tut es in seinem Smart-TV-Betriebssystem WebOS, Philips ebenso, und Samsung macht es bei seinem Tizen-System auch: Werbung im Interface des Smart-TVs füllt die Kassen des Herstellers noch nach dem Verkauf an den Kunden und ist in vielen Fällen nicht deaktivierbar. Der Marktführer Samsung hat mit diesem Vorgehen nun das deutsche Kartellamt auf den Plan gerufen.

Kartellamt spricht von „unzumutbarer Belästigung“
Die großformatigen Werbebanner, die Samsung in seine Smart-TV-Benutzeroberfläche einbaut, nennt man im Gespräch mit dem „Spiegel“ eine „unzumutbare Belästigung“. Die Behörde beruft sich auf ein Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb: „Eine geschäftliche Handlung, durch die ein Marktteilnehmer in unzumutbarer Weise belästigt wird, ist unzulässig. Dies gilt insbesondere für Werbung, obwohl erkennbar ist, dass der angesprochene Marktteilnehmer diese Werbung nicht wünscht.“

Juristische Schritte wurden von der Wettbewerbszentrale und den Verbraucherverbänden in Deutschland noch nicht eingeleitet. Samsung selbst hat sich nicht zu den Werbeeinblendungen auf seinen rund 30 Millionen TV-Geräten in Europa und Russland geäußert. Dass es den Käufern nicht recht ist, wenn sie nicht Herr über den eigenen Fernseher sind, ihnen ungewünschte Werbung serviert wird und man ihre Sehgewohnheiten protokolliert, dürfte aber auch dem südkoreanischen IT-Riesen klar sein.

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Das muss jetzt aufhören! Es wird mit jedem Monat aggressiver!

Käufer eines Samsung-TVs im Support-Forum

Immerhin äußern zahlreiche TV-Käufer Kritik an der Vorgehensweise - in sozialen Medien ebenso wie in Samsungs offiziellen Foren. Dort schreibt ein User: „Das ist nicht akzeptabel. Hört auf damit, Samsung!“ Ein anderer fordert: „Das muss jetzt aufhören! Es wird mit jedem Monat aggressiver!“ Auf Twitter und Reddit tauschen die Nutzer Tipps aus, wie man die Reklame am einfachsten los wird: Da werden Internetadressen im Router blockiert und alternative DNS-Anbieter mit Werbeblocker ins Spiel gebracht, weil die lästige Werbung mit Bordmitteln schlicht nicht in den Griff zu kriegen ist.

Sicherheitsrisiko: Hersteller liefern oft keine Updates
Neben der großflächigen Werbung für Diskonter-Angebote und Streaming-Dienste, die der TV-Käufer womöglich gar nicht nutzt, die auf Samsung-Fernsehern so viel Kritik auslöst, bergen Smart-TVs übrigens noch ein weiteres Problem: Die Update-Versorgung ist in vielen Fällen nicht gerade vorbildlich, wodurch Smart-TVs, in denen meist Smartphone-Hardware verbaut ist und Betriebssysteme wie Android TV, Tizen oder WebOS zum Einsatz kommen, mit der Zeit immer anfälliger für Cyberangriffe werden. Sogar Erpresser-Trojaner, die speziell für Smart-TVs entwickelt wurden, haben IT-Security-Forscher bereits gesichtet.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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