Klinik unter Druck

Skandal um Tod von 3-Jährigem: Mutter fordert nun Strafen

Tirol
07.10.2010 08:53
Eine Mischung aus Ignoranz, fehlender Fachkenntnis und Unaufmerksamkeit hat laut Gutachten vor sechs Monaten das Leben des dreijährigen Amel Dedic gefordert. Eine junge Ärztin gab demnach dem Kind, das unter einer Niereninsuffizienz litt, einen phosphathaltigen Einlauf, der wegen Nierenschadens zum Tode führte. "Die Ärzte sollen suspendiert werden", verlangte Amels Mutter am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Was sagt man einer Mutter, deren Kind durch schwerwiegende Fehler von Medizinern starb? "Es tut uns sehr leid, wir werden alles tun, damit so etwas nie wieder passiert", versprachen Tilak-Vorstand Andreas Steiner und der stellvertretende Ärztliche Direktor Alois Obwegeser. Eine Verantwortung, mit der die Familie aber nur wenig anfangen kann…

Die Mutter von Amel Dedic (3) kam im April dieses Jahres Hilfe suchend auf die Kinderklinik. Ihr nierenkranker Sohn litt seit Tagen unter Verstopfung. Starke Schmerzen plagten ihn. Eine junge Ärztin versetzte dem Kind nach kurzer Rücksprache mit einem (erfahrenen) Oberarzt einen phosphathaltigen Einlauf. Laut Gutachten ein fataler Fehler: Denn ein Blick auf die Medikamentenbeilage hätte genügt, um zu erkennen, dass diese Medikation für Patienten unter fünf Jahren sowie mit Niereninsuffizienz tödlich ist.

"Ich bettelte die Ärzte um Hilfe"
Der Todeskampf nahm seinen Anfang: Zwei Stunden lang wälzte sich Amel unter Krämpfen im Bett, er lief blau an. "Ich bettelte die Ärzte um Hilfe, doch niemand nahm sich uns an", so die Mutter. Der Exitus war unausweichlich, Amel starb in den Armen der Mutter, vor den Augen der Ärzte.

Das Gutachten urteilt vernichtend: "Wären die Ärzte schnell zur Stelle gewesen, hätte man Amels Leben retten können". Steiner und Obwegeser geben eine Sorgfaltspflichtverletzung zu, die leitenden Funktionäre gestehen die volle Schuld an dem Drama ein. Eine für Kliniken seltene Verantwortung.

Mutter verlangt Konsequenzen
Auf die Frage, wieso Amel zwei Stunden warten musste, bis endlich ein Arzt half, gaben sich Steiner und Obwegeser wortkarg: "Man hat die Situation falsch eingeschätzt."

Eine zweite bohrende Frage: Hat die Tilak zum Teil unqualifizierte Ärzte oder arbeiten die Mediziner in einer Struktur, die es ihnen nicht ermöglicht, alle Patienten erfolgreich zu behandeln? Eine Antwort darauf fand man am Mittwoch nicht. Die Mutter will keinen Schadenersatz, kein Geld der Welt macht Amel lebendig. Sie verlangt Aufklärung, Transparenz und strafrechtliche sowie personelle Konsequenzen. Die Staatsanwalt schaft wurde von der Tilak eingeschaltet und ermittelt.

von Matthias Holzmann (Tiroler Krone) und krone.at

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