21.09.2020 09:16 |

Merano-Betreiber

Grazer Gastronom: „Prognose kann nur düster sein“

Ab Montag gelten wieder strengere Corona-Regeln für die Gastronomie - und vor allem die Bras und Clubs standen in den vergangenen Tagen im Fokus der Politik. Der Grazer Gastronom Payam Jamil (Merano und Merano City in der Sporgasse) hat mit der „Krone“ über Hoffnung und Probleme der Nachtgastro und Solidarität in der Gesellschaft gesprochen.

Wie geht es der Nachtgastronomie zurzeit?
Eine Nachtgastronomie mit solchen Auflagen kann nicht funktionieren. Wenn man aufsperrt, dann ist das auf Kosten des Gastronomen. Wir haben einen riesigen Mehraufwand. Eine gute Stimmung gibt es derzeit nicht.

Wieso haben Sie sich dazu entschieden, trotzdem aufzusperren?
Wir können es uns wirtschaftlich nicht leisten, es nicht zu tun. Die Frage lautet: Ist es mir wert, reinzuzahlen und dafür in ein paar Monaten trotzdem noch einen Betreib zu haben? Zusperren traut man sich nicht - wenn man einmal weg ist, dann ist man weg.

Sie hatten mit geschlossenen Gesellschaften bis 4 Uhr geöffnet…
Nachdem wir das mit der Sperrstunde nach 1 Uhr mit alle abgesprochen haben - Gesundheitsamt, Magistrat und Polizei - hat das problemlos funktioniert. Wir sind jedes Mal kontrolliert worden und haben sogar Lob bekommen, wie gut alles umgesetzt worden ist. Die Gäste der geschlossenen Veranstaltungen standen wie gesetzlich vorgeschrieben drei Tage vorher fest und wurden - obwohl gesetzlich nicht vorgeschrieben - sowohl ans Magistrat Graz als auch an die zuständige Polizeibehörde übermittelt. Eine gute Zusammenarbeit war uns sehr wichtig.  Um 1 Uhr mussten alle raus, das Lokal wurde desinfiziert. Es gab überall Desinfektion und Maskenpflicht beim Rein- und Rausgehen und für die Kellner beim Kundenkontakt. 

Wie machen Sie mit den neuen Maßnahmen weiter?
Wir werden jetzt eine neue Strategie anwenden und weiterhin öffnen, aber nach 1 Uhr wahrscheinlich nicht. Wir werden irgendwie durchkommen. Das Feiern in geschlossenen Gesellschaften bis vier Uhr war aber nie eine Gesetzeslücke, sondern einfach ein Gesetz. Großteils waren bei uns Geburtstagsfeiern.

Was müsste die Politik jetzt tun?
Ich weiß nicht, was die Politik tun könnte. Corona ist das Problem. Was sie gut gemacht haben, ist die Mehrwertsteuersenkung auf 5 Prozent. Die Aktion Sichere Gastfreundschaft ist ebenso eine super Idee. Bei uns können sich alle Angestellten testen lassen. Das Angebot wird bei unserer Belegschaft mit Freuden angenommen. Ich selbst teste mich jede Woche. 

Wie blicken Sie jetzt in den Herbst?
Die Prognose kann nur düster sein. Ich gebe aber sicher nicht auf. Wir werden auch in Zukunft alles so umsetzten, wie es das Gesetz verlangt und stark mit den Behörden zusammenarbeiten. Im Moment ist man mit einem kleineren Betrieb besser dran. Im Merano City in der Sporgasse merken wir den Ausfall der Touristen beim Frühstück. Die Abende waren stärker, und die Stammgäste waren sehr nett und haben uns unterstützt. Die letzten Jahre in der Gastronomie waren auch schon sehr hart, selbst ohne das Corona-Virus, da die Nachtgastronomie an immer neue strengere Auflagen gebunden ist.

Was wünschen Sie sich jetzt?
Ich wünsche mir Förderungen, über die zwar immer geredet wird, aber fast niemand bekommt welche. Ein sehr großes Anliegen meinerseits ist: Zusammenhelfen, zusammenstehen und zusammenarbeiten. Nur gemeinsam können wir das schaffen. Die Situation in Österreich ist so hasserfüllt, dabei leben wir in einem Land mit einem der besten Gesundheitssysteme. Solange es keine Heilmittel gibt, müssen wir mit Corona leben lernen.

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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