14.09.2020 15:45 |

In der Steiermark

Bio-Landwirtschaft wächst seit 40 Jahren prächtig

Gut 30 Bauern waren es, die 1980 in der Steiermark mit der Bio-Landwirtschaft begannen. Die Sonderlinge von damals sind heute Pioniere einer wachsenden Branche. 4092 Betriebe setzen mittlerweile auf Bio - der Marktanteil im Handel ist in Corona-Zeiten auf 20% gestiegen. Trotzdem gibt es noch viel Luft nach oben. Zum heurigen Jubiläum blickt man zurück auf eine stolze Entwicklung - und hoffnungsfroh in die Zukunft.

Was 1980 mit rund 30 Biobäuerinnen und Biobauern begann, ist heute ein wichtiger und gewichtiger Teil der steirischen Landwirtschaft. 4092 heimische Betriebe (das sind rund ein Fünftel der Gesamtzahl) setzten mittlerweile auf Bio. In gewissen Sparten ist der Versorgungsgrad mit heimischen Bio-Lebensmitteln wirklich hoch: „Aktuell können etwa 82 Prozent der Steirer mit heimischen Bio-Äpfeln versorgt werden und 23,6 Prozent mit Bio-Milch“, weiß Maria Pein von der steirischen Landwirtschaftskammer. Auch die Bio-Eier haben in den vergangenen 20 Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt: Wurden in der Steiermark im Jahr 2000 noch 5 Millionen Bio-Eier auf den Markt gebracht, so sind es heuer geschätzte 64 Millionen.

Aus Idealisten wurden Pioniere
Das sind Zahlen, die sich der Vater von Günther Leopold, Bio-Bauer in zweiter Generation in St. Marein bei Graz, wohl kaum erträumen hätte können: „Meine Eltern waren Mitglieder der ersten Bio-Arbeitsgruppe“, erinnert er sich. Sie galten als naive Weltverbesserer in einer Zeit, als die Technologisierung auch die heimische Landwirtschaft revolutionierte. Dennoch blieb der Vater seinen Idealen treu - und später übernahm dann der Sohn den wachsenden Hof: „Wir haben eine Bio-Freilandputenmast, betreiben Ackerbau mit Brotgetreide und Kürbis, haben 10 Mutterkühe für die Styria Beef Vermarktung und betreiben Gemüsebau in kleinem Rahmen.“

„Bio ist mehr als nur eine Arbeitsweise, es ist eine Lebenseinstellung“, weiß JosefRenner, Geschäftsführer Bio Ernte Steiermark. Eva König, seit fünf Jahren Bio-Bäuerin in Eppenstein bei Weißkirchen stimmt zu: „Wenn es meinen Tieren gut geht, geht es mir gut - und die Qualität der Produkte stimmt auch“, sagt sie. Um diese Begeisterung auch an die Jugend weiterzugeben, nimmt sie auch am Projekt „Schule am Bauernhof“ teil, das Wissen über die Landwirtschaft spielerisch vermitteln soll.

„Qualität kann es nicht zum Spottpreis geben“
Doch dieser Qualitätsanspruch der heimischen Biobauern spricht nicht allen Kunden an: „Im Jahr 1980 wurden noch rund 20 Prozent des Haushaltseinkommens für Lebensmittel ausgegeben, heute sind es kaum noch 10 Prozent - die Wertigkeit hat sich also halbiert“, weiß der zuständige Landesrat Hans Seitinger. Er fordert unter anderem, die Rabattierung von Fleisch zu verbieten, eine bessere Ernährungsbildung an den Schulen und eine neue Lebensmittelkennzeichnung. „Qualität kann es nicht zum Spottpreis geben“, sagt er, und: „Wer Bio will und fordert, muss auch Bio kaufen.“

Und auch bei den Bio-Bauern selbst blickt man zwar freudig auf eine 40-jährige Erfolgsgeschichte zurück, kennt aber auch die Problemfelder: Beim Saatgut etwa gibt es immer noch viele Bio-Lücken, in der Schweinezucht ist der Bio-Anteil mit rund 2 Prozent noch sehr niedrig. Und auch was die Absatzmöglichkeiten anbelangt gibt es Luft nach oben: So ist in der Gastronomie der Bio-Anteil mit rund 3 Prozent noch relativ gering: „Hier braucht es nicht zuletzt auch fragende Gäste und Konsumenten, die Bio-Qualität fordern“, so Seitinger.

„Bewusstsein für heimische Lebensmittel gestiegen“
In die Zukunft blicken die heimischen Bio-Bauern dennoch hoffnungsfroh: „In der Corona-Zeit ist das Bewusstsein für heimische Lebensmittel wieder gestiegen“, sagt Thomas Gschier, Obmann von Bio Ernte Steiermark und selbst Bauer. Im Handel konnte die Bio-Sparte in dieser Zeit erstmals die 20-Prozent-Marke knacken. Um in Zukunft aber nicht nur vom Handel abhängig zu sein, will man bei Bio Ernte Steiermark eigene Läden in den Regionen initiieren und die Bio-Modellregionen ausbauen. Zudem soll auch das Bio-Zentrum am Grottenhof bei Leibnitz, in dem sich heimische Bio-Bauern aus- und weiterbilden können, ausgebaut werden. Denn Gschiel und seine Kollegen wissen genau: „Bio ist wie die Demokratie - es ist nicht perfekt, aber was Besseres gibt es nicht."

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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