13.09.2020 15:00 |

Album „All Rise“

Gregory Porter: Viel Soul mit Protest und Liebe

Nach dem Nat „King“ Cole-Tribut im Jahr 2017 hat US-Sänger Gregory Porter nun sein sechstes Studioalbum vorgelegt. Der Mann mit dem prägnanten Bariton präsentiert auf „All Rise“ 15 erhebende Tracks - und einen zeitlosen Mix aus Jazz, Soul, Blues, der diesmal verstärkt mit Gospel und Chören angereichert wurde. „Dieses Album ist einfach ‘Gregory Porter‘“, stellt der US-Musiker im APA-Interview fest.

Neun Tracks, also der Großteil des Albums, wurden in Paris aufgenommen - nicht ohne Hintergedanken, wie der Kalifornier offenbart. Hier finde man Handarbeit in ihrer ursprünglichen Natur und der globale Trend dahin erfreue ihn: „Zurück zu biologischem Essen, zu handgefertigter Kleidung“, diese Idee habe ihn hierher gebracht. Und wie ein Koch, Schuhmacher oder Schneider wollte er in Frankreichs Hauptstadt seine Werkstatt, sein eigenes Atelier, „speziell für das Handwerk, das ich ausführe. Ich mache zwar keine schicken Schuhe mit roten Sohlen, aber ich mache Songs, die Menschen aufmuntern und sie wieder aufstehen lassen“, lautet die Definition dieses Handwerks.

Kein musikalischer Snob
Die „Produkte“, die er mit seinem wichtigsten Werkzeug erzeugt, seiner Stimme, haben Porter seit seinem Debüt „Water“ vor zehn Jahren zu einem mit Grammys bedachten Star gemacht, der selbst in der „Helene Fischer-Show“ gern gesehen wird. Für Letzteres gab es natürlich auch Kritik, aber die lässt Porter eher kalt: : „Ja, die gab es, aber um ehrlich zu sein: Ich bin kein musikalischer Snob“, lautet seine Gegenansage. Nach der ersten Woche im Verkauf scheint „All Rise“ jedenfalls ein weiterer Erfolg zu werden: in Großbritannien und Deutschland stieg das Album eine Woche nach seiner Veröffentlichung am 28. August sofort in die Top-Ten ein.

„All Rise“ verbreitet inhaltlich eine Mixtur, laut Porter auch „die Quintessenz meiner Herangehensweise“, aus Protest und Liebe: „Subtiler Protest, aber auf jeden Fall auch Protest. Dieses Album ist für mich eine Trademark, denn es ist durch und durch ich.“ Mehr Gospel und ein verstärkter Einsatz von Chören ist auf dem Album wahrzunehmen. „Ja, es war das erste Mal, dass ich bei Aufnahmen mit einem Chor zusammen gearbeitet habe“, erläutert Porter. Er habe zwar schon davor mit anderen Sängern gearbeitet, aber „eigentlich ist Alicia Olatuja die einzige andere Stimme, die in meiner Arbeit auch wirklich zu hören ist“, hebt Porter die Zusammenarbeit mit der Mezzosopranistin hervor, die sich auf dem 2016 erschienen Album „Take Me To The Alley“ manifestierte.

Mehr Zeit genommen
„All Rise“ hebe sich von seinen anderen Alben dadurch ab, dass zum einen das erste Mal Begleitstimmen mit in Erscheinung treten, aber „es sind da einige Unterschiede zu den früheren Alben: Ich habe mir mehr Zeit genommen mit diesen Aufnahmen. Wir haben generell mehr experimentiert, bis dabei das herausgekommen ist, was wir wollten.“ Zuvor war die Vorgehensweise der Gang ins Studio gewesen und dort vier bis fünf Versionen eines Songs „rauszuhämmern“ - und dann den besten Take zu wählen.

Inhaltlich geht es in den Tracks von „All Rise“ auch um den Aspekt der Vergebung: „Vergebung ist die Erneuerung und die Auferstehung des eigenen Geistes! Wie sonst sollen wir unsere Selbstzweifel und Unsicherheiten hinter uns lassen und uns aufwärts-und vorwärtsbewegen, wenn wir nicht zuvor selbst und anderen vergeben?“, fragt sich Porter. Ebenso ist für ihn das Album aber auch ein Aufstehen und eine Danksagung. „Ich hoffe, dass ich mit diesem Album den Hörenden eine positive Richtung über die Themen vorgeben kann, mit denen ich mich selber auseinandersetze: Wahrheit, Respekt und das Leben zu schätzen - und über dieses nachzudenken. Im Song ‘Merchants Of Paradise‘ bringe ich das auf den Punkt.“ Wenn alles klappt ist Gregory Porter am 11. Juli 2021 bei „Klassik am Dom“ in Linz und am 4. November 2021 in der Wiener Stadthalle zu sehen.

APA/Andreas Westphal

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