Brandneue EP

Dame: Österreichs Hip-Hopper zelebriert den Rock

Musik
01.09.2020 06:00

Geht man nach den Zahlen, ist die Sache eindeutig: Der Salzburger Rapper Dame gehört mit drei Nummer-eins-Alben und fast 200 Millionen Klicks auf YouTube zu den erfolgreichsten heimischen Musikern. Das hält ihn aber nicht davon ab, neue Herausforderungen zu suchen. „Oft wird man in ein Klischee gesteckt, da will man zeigen: Es gibt noch mehr“, so Dame, der unlängst die „Rock EP“ veröffentlichte.

(Bild: kmm)

Fans des Künstlers, der eigentlich Michael Zöttl heißt, müssen aber keinen extremen Stilbruch fürchten: Auch wenn sich Dame als Rockfan dieser Richtung öffnet, bleibt er doch im Rap verwurzelt. „Ich habe schon immer Ausflüge in fremde Genres gewagt“, erzählte er im APA-Interview. „Es gab ja auch schon die ‘Soul EP‘.“ Der Tourabbruch im Frühjahr aufgrund des Coronavirus habe ihm schließlich freie Zeit beschert, die er gemeinsam mit Johannes Herbst für die sechs neuen Songs genutzt hat. „Es war sozusagen eine sehr kreative Quarantäne.“

Noch einiges zu bieten
Wobei Dame keineswegs einfach harte Gitarren unter Hip-Hop-Beats legt, sondern sich in den Rockgefilden zu bewegen weiß. „Wir haben losgelegt, und es ist auf Anhieb bei jedem Song so geworden, wie wir uns das vorgestellt haben“, meinte Dame über den Entstehungsprozess. „Magst du die Musikrichtung, spielst du selbst die Instrumente, dann findest du auch einen Weg.“ Ohnehin wolle er stets „etwas Neues machen und nicht einfach ein Standardding durchziehen. Ich habe musikalisch einiges zu bieten, was noch schlummert und nicht gezeigt wurde.“

Insofern kann man auf künftige Veröffentlichungen gespannt sein, will Dame doch „einfach schauen, wo die Reise hingeht“. Die EP sei eine Möglichkeit für seine Fans, einmal in diese neue Facette reinzuhören. „Niemand wird vor den Kopf gestoßen“, schmunzelte der Musiker. Rap sei „wie ein großer Spielplatz. Jeder kann treiben, was er will - und letztendlich entscheidet der Fan, was er hören will und was nicht. Schön, dass so viel in der Musikwelt Platz hat.“

Therapeutische Songs
Bei Dame sind das auch ziemlich nachdenkliche Inhalte, wenn er beispielsweise in „Sie läuft“ eine gewalttätige Beziehung zum Thema macht. „Die meisten Geschichten haben mit meinem Umfeld oder mir selber zu tun. Es steckt sicher ein wahrer Kern dahinter. Bei mir war immer zuerst der Text da. Insofern war es teils auch eine Art Therapie für mich, um Denkprozesse abzuschließen oder das beinahe tagebuchartig festzuhalten“, erinnerte er sich an seine ersten Gehversuche. „Nur eben, dass es diese lyrische Komponente hat.“

Dabei müsse man sich aber die Frage stellen, wie viel man preisgeben will. „Ich will sicher nicht den erhobenen Zeigefinger ausspielen, sondern einfach zum Denken anregen oder berühren“, nickte Dame. „Ich freue mich, wenn die Leute daran Gefallen finden. Und was die Themen betrifft, komme ich sozusagen aus einer anderen Zeit“, sieht er Unterschiede zu aktuell gehypten Rapkünstlern wie RAF Camora oder RIN. „Wichtig ist mir schon zu zeigen, dass Hip-Hop mehr kann. Derzeit wirkt das ja oft eher wie Unterhaltungsmusik oder viel mehr ein Lebensstil, da geht es gar nicht so sehr um die Texte, sondern diese Einstellung“, analysierte Dame. „Ich verstehe, warum die Jugend da aufspringt. Aber Hip-Hop hat sehr viel mehr zu bieten - und ich auch! Die ‘Rock EP‘ ist dafür ein sehr cooles Projekt.“

Kontakt mit den Fans
Ziemlich entspannt gibt sich Dame beim Thema Erfolg. Dinge wie Nummer-eins-Platzierungen ließen sich nicht planen, „das ist schon auch Glückssache. Und ich mache Musik für Menschen, nicht für Preise oder dergleichen. Es geht nicht darum, wer in den Charts ist.“ Statt seine Abrufzahlen zu verfolgen, sei ihm der persönliche Austausch mit Fans nach einem Gig viel wesentlicher. „Da bekommst du das direkte Feedback und konstruktive Kritik. Die Fans sind dein Fundament. Denen muss es gefallen. Wenn du es dann mit deinem eigenen Anspruch vereinen kannst, dann passt das Verhältnis.“

Ob und wann Konzerte wieder möglich sind - die ausstehenden Termine seiner abgebrochenen Tour sind derzeit für Anfang Jänner angesetzt -, weiß klarerweise auch der Rapper nicht. „Es ist alles sehr fraglich. Für uns war die Pause auch eine willkommene Notbremse, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Irgendwie war es Segen und Fluch zugleich“, sprach Dame die nach wie vor schwierige Situation für Veranstalter und die Konzertszene an. „Man kann im Moment sowieso nicht planen. Einfach weiter arbeiten und das Beste daraus machen.“

APA/Christoph Griessner

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