29.05.2020 22:43 |

Fälle verschwiegen?

Ischgl: Mails belasten Krisenmanagement schwer

Während mittlerweile ein eigens eingerichteter Untersuchungsausschuss und die Staatsanwaltschaft in der „Causa Ischgl“ ermitteln, sind nun neue belastende Vorwürfe zur Verbreitung des Virus ans Tageslicht gedrungen. So habe eine isländische Reiseleiterin bereits zwei Tage vor den offiziellen Meldungen Hotels vor Ort über den Ausbruch des Virus informiert und ein Protokoll des Tiroler Krisenstabes zeige zudem, dass Informationen über Infizierte zurückgehalten worden seien.

Während langsam wieder Lockerungen der Corona-Maßnahmen vollzogen werden, kommen immer mehr Details zum Beginn der Verbreitung des Virus in Österreich ans Licht. Bislang ging man davon aus, dass das Land Tirol mit dem 5. März die erste offizielle Meldung über positive Corona-Fälle aus Island erhalten hatte. Wie Recherchen der „ZiB 2“ und des „profil“ zeigen, dürften diese Informationen aber bereits zwei Tage zuvor in Ischgl angekommen sein.

Demnach habe eine isländische Reiseleiterin in einer E-Mail an ein Hotel bereits Tage zuvor darauf hingewiesen, dass das Virus bei Urlaubern aus Ischgl von Epidemiologen festgestellt worden sei. Dabei habe sie auch auf einen weiteren Erkrankten verwiesen, der nicht in ihrer Gruppe gewesen sei.

Belastende Mails
Die Tiroler Behörden behaupteten, erst am 7. März die erste Erkrankung entdeckt zu haben. Die E-Mails der Reiseleiterin zeigen jedoch, dass bereits am 3. März Informationen zu einem betroffenen Hotel, Namen der Betroffenen und sogar Zimmernummern bekannt wurden. Das Land beteuert, dass man die Mails erst zwei Tage später weitergeleitet bekommen habe. Am 5. März trafen schließlich auch mehrere Warnungen, unter anderen vom Gesundheitsministerium und vom Wirtschaftsbund, ein. Eine Information an Urlauber in Ischgl erfolgte nicht, was mit dazu beitrug, dass sich das Virus anschließend weiter stark verbreiten konnte.

Warnungen wurden bezweifelt
Ein internes Protokoll des Tiroler Krisenstabs hinterlässt laut „profil“-Informationen zudem kein gutes Bild des Krisenmanagements des Landes. Obwohl in einer Sitzung vom 5. März schon die offizielle Warnung aus Island eingetroffen war, beschwichtigte der Leiter der Landessanitätsdirektion, Franz Katzgraber, demnach: Die Isländer „wären angeblich positiv getestet worden“, heißt es laut dem Magazin im Protokoll. „Ob sie wirklich positiv getestet wurden, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden.“ Aus medizinischer Sicht erscheine es wenig wahrscheinlich, dass es in Tirol zu Ansteckungen gekommen ist, erklärte Katzgraber zu Beginn der Krise.

Das Sitzungsprotokoll zeige zudem, dass der Pressesprecher des Landes angeregt habe, nicht über einen weiteren möglichen Infektionsfall zu berichten. Vielmehr gab man bekannt, dass die Ansteckungen der Isländer wahrscheinlich im Flugzeug passiert seien. Zu diesem Zeitpunkt sei das Land Tirol aber bereits informiert gewesen, dass die 14 infizierten Isländer an unterschiedlichen Tagen heimgereist waren und schon während ihres Aufenthalts Symptome gezeigt hätten.

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