23.05.2020 07:59 |

Im 94. Lebensjahr

Steirischer Altbischof Johann Weber verstorben

Johann Weber war ein Verbinder, ein Menschenfreund und alles andere als ein polternder Kirchenfürst. In der Nacht auf Samstag ist der langjährige Oberhirte der katholischen Kirche Steiermark „friedlich verstorben“, wie die Diözese Graz-Seckau mitteilte. Die Trauer in der Steiermark ist groß.

Am Ende verließen ihn die Kräfte. Johann Weber, der seit einem Zusammenbruch am Vorabend von Christi Himmelfahrt im Spital intensivmedizinisch betreut wurde, hat im 94. Lebensjahr für immer seine Augen geschlossen.

Der Altbischof verstand es, durch Menschlichkeit und Weitblick die verkrusteten Strukturen der steirischen Kirche aufzubrechen. Er war kein Oberhirte, der sich - wie in den 1960ern teilweise noch üblich - in einer Sänfte sitzend seinen „Schäfchen“ präsentierte. Nein, Prunk und Pomp passten nicht zum Stil eines Mannes, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, den liberalen Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils gerecht zu werden.

Neue Volksnähe statt Abkanzeln in der Kirche
Als Johann Weber 1969 zum steirischen Diözesanbischof ernannt wurde, löste gelebte Volksnähe das bis dato häufig praktizierte „Abkanzeln“ ab, den Gläubigen wurden mehr Mitspracherechte eingeräumt. So fiel in seine Amtszeit die Errichtung der Pfarrgemeinderäte, des Diözesanrates und die Installation des ständigen Diakonats.

In seiner Funktion als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, die er von 1995 bis 1998 innehatte, gelang es dem hochdekorierten Würdenträger, auch innerkirchliche Gegensätze, die durch die Affäre Groer aufgebrochen waren, zu überwinden. Sein weiter Horizont des Katholischen brachte viele Kritiker und enttäuschte Gläubige wieder zurück zur Kirche - scheute der studierte Theologe doch nicht davor zurück, auch an die Ränder der Gesellschaft zu gehen.

Kritische Stimmen wurden gehört
Getreu seinem Wahlspruch „Den Armen die frohe Botschaft verkünden“ sah man den 1927 geborenen Sohn eines Gendarmeriebeamten auch dort, wo zuvor noch kaum ein Geistlicher seinen samtbeschuhten Fuß hingesetzt hatte. Kritischen Stimmen schenkte er Gehör, auch wenn ihm die Spannungen in Kirche und Gesellschaft zusetzten.

All das brachte Johann Weber in den mehr als drei Jahrzehnten an der steirischen Kirchenspitze den Ruf ein, ein „Volksbischof“ zu sein. Manche nannten ihn auch „Herzbischof“ - in Abgrenzung zu seinen gestrengen Amtskollegen in den Erzdiözesen Wien und Salzburg.

Ja, der Grazer war das Gegenteil eines grantelnden Kirchenfürsten; vielmehr ein herzlicher Seelsorger, der auf die Menschen zuging, sich ihrer Sorgen und Probleme annahm. Der emeritierte Bischof wurde bis zuletzt im Alten- und Pflegeheim der Dienerinnen Christi in Graz-Andritz gepflegt. 

„Das hat mich schwer getroffen“
Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl zeigt sich tief betroffen vom Tod von Bischof Johann. „Das hat mich schwer getroffen, auch wenn wir uns ob seines hohen Alters und seines eigenen, offenen Umganges mit dem Tod seelisch vorbereiten konnten. Seine Herzlichkeit, seine Offenheit und sein tiefer Glaube waren über Jahrzehnte das Rückgrat unserer Diözese. Er hat Generationen von Menschen und unsere Steiermark geprägt. Ich bin dankbar für dieses Gottesgeschenk an geistlichem Leben. Ich bitte um das Gebet für unseren verstorbenen Bischof.“

Auch viele weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bekundeten ihre Trauer über den Tod von Bischof Weber. Er wird nach Pfingsten in der Bischofsgruft im Grazer Dom bestattet. Es wird auch ein Requiem geben.

Gerald Schwaiger
Gerald Schwaiger
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