22.05.2020 17:00 |

Schnöll, Egger & Co.

Salzburgs neue Politik-Generation

Stefan Schnöll (32) hat sich als Verkehrslandesrat in Salzburg durch seine Offensive im öffentlichen Verkehr einen Namen bei den Bürgern gemacht. Er ist die Zukunftshoffnung der ÖVP. David Egger (33) soll es für die Salzburger SPÖ richten: Der Flachgauer ist neuer Parteivorsitzender und ruft die „Zeit für Neues“ aus. Der Newcomer braucht nun interne Seilschaften.

Stefan Schnöll

In den vergangenen zwei Jahren seit seinem Amtsantritt als Landesrat hat Stefan Schnöll vieles, vor allem im Verkehr, bewegt. Die Öffi-Reform wurde in kürzester Zeit umgesetzt, Stau-Schleicher durch Verbote auf der Tauernautobahn gehalten, die Stadt-Autobahn mautfrei gemacht und Transit-Lkw ausgebremst.

Als Wegbegleiter von Bundeskanzler Sebastian Kurz und dessen Nachfolger als Bundesobmann der Jungen Volkspartei steht Stefan Schnöll ebenso für einen neuen politischen, jungen Stil. Wenn nach der letzten Nationalratswahl nicht früh klar gewesen wäre, dass das Verkehrsministerium in die Hände der Grünen fällt, wäre Schnöll eine hochgehandelte Aktie für den Ministerposten gewesen. Denn seit seinem Amtsantritt als Verkehrs- und Sportlandesrat im Juni 2018 - damals bereits als Nationalratsabgeordneter durchaus überraschend - hat er in Salzburg mehr bewegt als so manche seiner Amtsvorgänger zusammen. Rückendeckung bekam er dafür meist von Landeshauptmann Wilfried Haslauer, denn gerade die Projekte im öffentlichen Verkehr kosten natürlich einiges. Neben dem anstehenden Ausbau und der Verlängerung der Salzburger und der Pinzgauer Lokalbahn und der Elektrifizierung der Mattigtalbahn wurde die große Tarifreform mit Umstellung auf das Regionensystem in nur einem Jahr umgesetzt.

Die politische Zukunft von Schnöll scheint bereits relativ klar vorgezeichnet: Er soll in Zukunft Haslauer in der Salzburger Volkspartei nachfolgen. Ob es 2023 zum Duell um den Posten des Landeshauptmanns mit Neo-SPÖ-Chef David Egger kommt, ist aber noch nicht ganz klar. Landeshauptmann Haslauer hat sich bisher noch nicht über seine eigene politische Zukunft geäußert. Eine Entscheidung hat Stefan Schnöll bereits getroffen: Er wird in absehbarer Zeit von seiner Funktion bei der JVP zurücktreten.

David Egger

Sein Lächeln wirkt nicht aufgesetzt, seine Ausstrahlung natürlich. David Egger, zuletzt beim Red Bull Media House und derzeit Vizebürgermeister von Neumarkt am Wallersee, soll der Salzburger Sozialdemokratie neue Flügel verleihen. Derzeit sucht er nach seinem politischen Credo und Seilschaften an der roten Basis.

Der Applaus der SP-Bürgermeister bei der öffentlichen Präsentation von David Egger als neuer Landespartei-Vorsitzender wirkte konzertiert, ja aufgesetzt. Echte Stimmung sieht definitiv anders aus.

Die großen Namen in der Partei - von Arbeiterkammer-Boss Peter Eder bis Vizestadtchef Bernhard Auinger - streuten dem Neo-Parteichef Rosen. Dass er einen steinigen Weg vor sich hat, weiß Egger selbst am besten.

Innerhalb der Partei sorgte seine Wahl zum Vorsitzenden für konträre Reaktionen. Hier die Hoffnung, endlich wieder Geschlossenheit durch juvenile Leichtigkeit zu verkörpern. Dort aber auch der Zweifel wegen fehlender Erfahrung: 2014 schaffte er den Sprung in die Gemeindevertretung von Neumarkt am Wallersee, mit seinem „Team Egger“, jenen zum Vizebürgermeister. Das war’s.

Jetzt steht er an der Spitze der Salzburger SPÖ. Derzeit tourt Egger durch die Partei-Kommunen, sucht Seilschaften im roten Netzwerk. Den berüchtigten Bünden, von Gewerkschaft bis Pensionisten-Verband, ist er wenig verbunden, auch nichts schuldig. Ein Trumpf, sagen rote Optimisten. Ein Handicap, kontern Kritiker.

Egger ist jedenfalls ein Gegenpol, mehr eine passende Alternative, zur jungen Polit-Konkurrenz. Bei der Landtags-Wahl 2023 wird er erstmals von den Bürgern auf den politischen Prüfstand gestellt. Bis dahin muss Egger parteiintern und vor allem inhaltlich auf soliden Beinen stehen, um echte Stimmung für die Sozialdemokratie zu ernten.

Max Grill
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Felix Roittner
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