20.04.2020 18:42 |

Brände um Tschernobyl

Wind könnte radioaktive Wolken nach Europa treiben

Die seit Wochen andauernden Brände in der radioaktiv belasteten Region um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine sind weiterhin nicht unter Kontrolle. Am Montag hat die Regierung in Kiew daher die Zahl der Einsatzkräfte noch einmal massiv erhöht. Indes warnt die internationale Ärzteorganisation zur Verhinderung eines Atomkriegs (IPPNW), es gebe radioaktive Wolken über der Ukraine, die der Wind im ungünstigsten Fall in Richtung Europa treiben könnte.

Stark verdünnte Rauchschwaden hätten bereits einige Teile Europas erreicht. Messungen hätten einen Anstieg bei den Cäsium-137-Werten gezeigt, so die IPPNW. „Bei ungünstiger Wetterlage und Windrichtung könnte auch der Rest Europas, könnte auch Deutschland von den radioaktiven Wolken betroffen sein“, teilte der Co-Vorsitzende der IPPNW, Alex Rosen, am Montag mit.

Die gemessenen Strahlenwerte seien zwar zurzeit „keine relevante Gefahr für die Bevölkerung“, sagte Rosen. Doch das könne sich schlagartig ändern, sobald höher kontaminierte Waldgebiete brennen, die quer über die Sperrzone verteilten Lagerstätten für radioaktive Stoffe erreicht werden oder sogar der Sarkophag, der den Großteil der hochradioaktiven Überreste des Super-GAUs umschließt, vom Feuer betroffen ist.

1400 Feuerwehrleute in Sperrzone im Einsatz
Seit dem 3. April brennen mehr als 46.000 Hektar Wald- und Grasland in der massiv radioaktiv verseuchten Sperrzone südwestlich der Reaktorruine von Tschernobyl. Am 13. April kamen die Flammen sogar bis zu 500 Meter an den Sarkophag heran, der den gefährlichsten Atommüll in der Region abschirmen soll. Am Wochenende haben weiterhin mindestens sechs Schwelbrände die Einsatzkräfte beschäftigt. Insgesamt löschten 1400 Feuerwehrleute die Brandherde in der Sperrzone.

Giftige Rauchschwaden erreichten Kiew
Am Wochenende hat sich die Situation in der Hauptstadt Kiew zugespitzt. Die Behörden ordneten an, dass die Bevölkerung in ihren Wohnungen bleiben, die Fenster mit nassen Tüchern abhängen und viel trinken solle, da giftige Rauchschwaden durch die Stadt zogen (Bild unten). Laut Angaben der Organisation IQAir war Kiew am Samstag die Stadt mit der weltweit gefährlichsten Luftqualität.

Nach der Explosion des Blocks vier im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 wurden radioaktiv verstrahlte Landstriche um die Atomruine gesperrt. Es handelte sich um die größte Atomkatastrophe in der zivilen Nutzung der Kernkraft. Es gab Tausende Tote und Verletzte. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt.

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