08.04.2020 09:23 |

Software mit Tücken

P40 Lite: Was kann Huaweis neues Volks-Smartphone?

Huaweis P30 Lite war - nicht zuletzt, weil es von Mobilfunkern im großen Stil unters Volk gebracht wurde - 2019 eines der beliebtesten Smartphones Österreichs. Jetzt ist der Nachfolger da. Das P40 Lite soll mit vernünftiger Hardware und starker Kamera zum Sparpreis an die Erfolgsgeschichte des Vorgängers anknüpfen, kommt allerdings mit einem Handicap nach Österreich: einem von Google-Diensten befreiten Android-Betriebssystem.

Ursache sind anhaltende US-Sanktionen, durch die Huawei keine Google-Dienste wie den Play Store auf seinen neuesten Smartphones vorinstallieren darf. Damit fehlen nicht nur alle Google-Apps - etwa der Play Store, Google Maps oder YouTube - auf neuen Huawei-Handys. Auch manche Dritthersteller-Apps, die Google-Schnittstellen anzapfen, funktionieren nicht.

Android ohne Google ist mit Vorsicht zu genießen
Hauptproblem für Durchschnittsnutzer ist wohl der fehlende Play Store: Huaweis Alternative App Gallery lässt noch viele populäre Anwendungen missen, was den Nutzer dazu zwingt, in inoffiziellen und potenziell unsicheren Quellen nach seinen Lieblings-Apps zu suchen und diese selbst am neuesten Stand zu halten. Kurzum: Neue Huawei-Smartphones sind mit Vorsicht zu genießen, Smartphone-Einsteigern sei explizit von ihnen abgeraten.

Unabhängig von diesen Einschränkungen hat Huawei mit dem P40 Lite ein interessantes Mittelklasse-Smartphone geschaffen. Welche Hardware die Chinesen darin verbauen, sehen Sie hier:

Huawei P40 Lite

CPU

HiSilicon Kirin 810:
2 x 2,27 + 6 x 1,88 GHz

RAM

6 GB

Diagonale

6,4 Zoll (IPS)

Auflösung

2310 x 1080

Speicher

128 GB

Speicherkarten-Slot

bis 256 GB (proprietär)

Hauptkamera

48 MP (F/1.8): Phase-Detection-Autofokus
8 MP (F/2.4): Weitwinkelobjektiv
2 MP (F/2.4): Makroobjektiv
Tiefensensor

Frontkamera

16 MP (F/2.0)

Funk

LTE, .ac-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC, GPS, GLONASS, Galileo, QZSS

Maße

159,2 x 76,3 x 8,7 Millimeter; 183 Gramm

Akku

4200 mAh

Extras

Fingerscanner (seitlich)

Software

Android 10

Preis

rund 300 Euro

Die Leistungstabelle zeigt es schon: Mittlerweile gehören drei Kameras auch bei Mittelklasse-Smartphones zum guten Ton, statt einer Zoomlinse wie bei den teureren Geschwistern gibt es beim Lite-Modell des P40 allerdings eine Makrolinse für Nahaufnahmen, die eine eher geringe Auflösung bietet. Für die meisten Nutzer ist sie wohl nur selten eine wirkliche Hilfe.

Überzeugende 48-Megapixel-Hauptkamera
Die Hauptkamera mit 48 Megapixeln Auflösung überzeugt. Bei Tageslicht oder hellem Kunstlicht liefert sie - zuverlässig und schnell in der Anwendung - überzeugende Ergebnisse mit hoher Schärfe und guter Farbdarstellung. Wird das Licht schlechter, leiden die Schnappschüsse etwas. Die Ergebnisse bleiben zwar brauchbar, aber auch im Nachtmodus naturgemäß nicht auf so hohem Niveau wie bei Smartphones der Oberklasse. Da hilft auch die starke softwareseitige Nachbearbeitung nur bedingt.

Die Zoomfähigkeiten des P40 Lite beschränken sich auf digitale Vergrößerung. Dank 48-Megapixel-Sensor ist das bei drei- bis fünffacher Vergrößerung durchaus brauchbar, allzu scharf werden derart vergrößerte Bildausschnitte aber nicht. Die Selfie-Kamera machte im Test einen soliden Job. Videos werden mit dem P40 Lite scharf und natürlich in der Farbdarstellung, Vielfilmer vermissen aber eine optische Bildstabilisierung, die Erschütterungen und zittrigen Händen entgegenwirkt.

Genug Rechenkraft, grundsolides Display
Die Hardware-Leistung ist für den Alltag der allermeisten Smartphone-User mehr als ausreichend: Der Prozessor gewährleistet gemeinsam mit den sechs Gigabyte RAM eine flüssige Android-Bedienung, Multi-Tasking stellt kein Problem dar. Einfachere Spiele stemmt er ebenfalls problemlos. Erst bei anspruchsvolleren Games merkt man, dass man es hier nicht mit einem High-End-Chip zu tun hat. Jagt man den Kirin-810-Chip im P40 Lite durch einschlägige Benchmark-Belastungstests, erzielt er Ergebnisse, die noch vor zwei, drei Jahren der Oberklasse vorbehalten waren.

Das Display des P40 Lite nimmt fast die ganze Gerätefront ein, die Frontkamera ist - gefällt nicht jedem - in einem kleinen Loch im Bildschirm untergebracht. Die maximale Helligkeit sollte auch draußen ausreichen, die seitliche Ablesbarkeit ist gewährleistet. Für genug Schärfe trägt die hohe Auflösung Sorge, die Farbdarstellung ist eher neutral. In Summe ist das Display tadellos geeignet für die tägliche Nutzung.

Sauber verarbeitet, sogar Audioklinke vorhanden
Das P40 Lite ist sauber verarbeitet und vorne wie hinten mit Glas überzogen, wird bei Stürzen also schnell Schaden nehmen - eine Hülle wird da zur Pflicht. Wasserfest ist das Gerät nicht. Dafür findet man beim P40 Lite eine Tugend, die in Oberklasse-Smartphones selten geworden ist: eine klassische 3,5-Millimeter-Audioklinke.

Der Fingerscanner arbeitet zuverlässig, die Positionierung in der Entsperrtaste wird aber wohl nicht jedem User gefallen. Der Lautsprecher ist zweckmäßig, Oberklasse-Stereo-Sound sollte man sich von ihm aber nicht erwarten. Der Akku ist mit 4200 mAh Kapazität großzügig dimensioniert und wird bei vielen Anwendern für zwei Tage reichen. Wer sein Smartphone sehr wenig nutzt, schindet vielleicht sogar noch einen dritten Tag heraus, wer es extrem intensiv nutzt und viel damit spielt, wird schon am ersten Tag nachladen.

Microsoft-Apps an Bord, Google-Apps nicht
Noch ein Wort zur Software: Am Huawei P40 Lite läuft Android 10 mit Huaweis hauseigener EMUI-Benutzeroberfläche. Die ist durchaus aufgeräumt und benutzerfreundlich, enthält optionale Features wie Gestensteuerung und kann mit oder ohne App-Startmenü genutzt werden. Vorinstalliert ist eine Vielzahl von Huawei-Apps und - interessant, immerhin kommen sie aus dem gleichen Land wie die verbotenen Google-Apps - ein paar Microsoft-Dreingaben. Die Nachteile, die Huaweis App Gallery im Vergleich zum Google Play Store hat, haben wir bereits an anderer Stelle ausführlich diskutiert.

Fazit: Solide Hardware, tückische Software
Genug Rechenkraft, gutes Display, gute Kamera für den Alltag, hinreichend Speicher: Das P40 Lite tritt den Beweis an, dass ein solides Smartphone nicht die Unsummen kosten muss, wie sie dieser Tage für Geräte der Oberklasse ausgerufen werden.

Der interessanten Hardware steht aber ein stark beschnittenes Betriebssystem gegenüber, auf dem manch populäre App gar nicht läuft, man vieles aus inoffiziellen Quellen beschaffen und sich dann selbst um die Updates kümmern müsste. Den meisten Ottonormalnutzern ist das nicht zumutbar, weshalb wir trotz der gefälligen Hardware vom Kauf abraten. Zumal man in diesem Segment durchaus Geräte findet, die ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis und Android mit Google Play Store bieten.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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