Engpass droht

Zu wenig Strom für E-Autos wegen Netflix & Co?

Motor
20.02.2020 11:00

Elektromobilität klingt für viele nach der Lösung schlechthin. Weg mit den Verbrennern? Keine gute Idee. Unter anderem weil künftig nicht genügend Strom für alle vorhanden sein könnte. Ein Grund ist der immense Stromverbrauch im Internet, etwa von Streamingdiensten wie Netflix, erläutert der Grazer Physiker Georg Brasseur.

(Bild: kmm)

„Es ist eigentlich zu wenig Strom für den Verkehr da, daher bleibt als Lösung letztlich nur Energiesparen übrig“, so der Professor an der TU Graz.

Zwischen dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), also Netflix & Co, und anderen Stromverbrauchssektoren wird es einen „Kampf“ um Strom geben, etwa auch mit Wasserstoff-Technologien und E-Autos, prophezeite der Grazer TU-Professor am Mittwochabend in einem Vortrag im Presseclub Concordia in Wien. IKT könne nur mit Strom betrieben werden, habe also keine Alternative - der Verkehr schon. Freilich könne man binnen zwei Jahrzehnten von einem vervierfachten IKT-Strombedarf ausgehen.

(Bild: ©Nischaporn - stock.adobe.com)

Die Fernseh-Gewohnheiten der Massen stehen also der Elektromobilisierung entgegen. In den USA geht ein Drittel des Internet-Stromverbrauchs auf Kosten von Netflix. Aber auch die mittlerweile üblichen hochauflösenden Kameras in Smartphones tragen immens zum Stromverbrauch bei -laut dem britischen IT-Spezialisten Ian Bitterlin würde ein Verzicht auf solche Kameras den Datenstrom in Europa um 40 Prozent reduzieren.

Windkraft und Photovoltaik helfen nur eingeschränkt
In den letzten eineinhalb Jahrzehnten hätten Windräder in Deutschland nur 15 bis 24 Prozent der Zeit ihre Nennleistung zur Verfügung gestellt (1200 bis 1900 Stunden von 8.760 Stunden eines Jahres), Photovoltaik sogar nur 760 bis 1020 Stunden im Jahr, was eine Auslastung von nur 10 bis 13 Prozent bedeute. Daher sei es auch eine Illusion, sein Auto am Car-Port einzig mit Strom vom eigenen PV-Dach laden zu wollen, „das würde eine Woche dauern“.

Spezielle Hybridautos als Lösung
Brasseur plädierte auch für Privat-Pkw für eine Hybrid-Technologie. Ein Hybrid-Konzept könne etwa einen Power Tank mit 80 kW Leistung samt einem Fuel Converter mit 35 kW umfassen, denn jeweils nur kurz eingesetzt belaste ein Kraftstoffwandler nicht die Umwelt, ganz im Gegenteil sinken dabei die Emissionen. Auch im Weltmaßstab sei das einsetzbar, dort gebe es nämlich im Schnitt noch 518 Gramm CO2-Emissionen pro kWh. Europa könnte zum Marktführer in der E-Mobilität werden, falls man solche Hybrid-Konzepte einsetze - als eine Brücke, bis in 20, 30 oder 40 Jahren genug Strom da sei für die Herstellung von grünem Wasserstoff.

(Bild: APA/dpa-Zentralbild/Jan Woitas)

Zu viel Strom im Sommer, zu wenig im Winter
„Das ganz große Thema“ in Zukunft würden die Stromspeicher sein, sagte der technische Vorstandsdirektor des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG), Gerhard Christiner. Selbst wenn es gelinge, dass Österreichs Strombedarf bis 2030 - bilanziell übers Jahr gerechnet - zu 100 Prozent auf erneuerbar umgestellt sei, werde es im Sommer massive Stromüberschüsse und im Winter einen großen Strommangel geben. Wasserstoff werde dafür eine der Optionen sein, um Strom vom Sommer in den Winter zu bringen, trotz der zweimaligen Wandlungsverluste.

Vorläufig hält sich das Problem noch in Grenzen - wohl ein Grund dafür, dass es nur wenigen bewusst ist. Im vorigen Jahr entfielen nur 2,7 Prozent der gesamten Autozulassungen in Österreich auf Elektroautos - in Deutschland sei die Quote mit 2,8 Prozent trotz bis zu 6000 Euro Zuschuss auch nicht höher gewesen, echauffierte sich Helmut-Klaus Schimany von der Plattform e-Mobility Austria. Ein Großteil der Autoindustrie habe den E-Mobilitätszielen „etwas gepfiffen“. Insgesamt betrachtet muss das nicht nur ein Nachteil sein.

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(Bild: kmm)



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