24.02.2020 17:04 |

Paukenerguss

Warum brauchen auch die Ohren frische Luft?

Rund 80 % aller Kinder entwickeln in den ersten sieben Lebensjahren einen Paukenerguss. So nennt man die Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr. Ursache dafür ist ein Belüftungsproblem, welches meist nach einem grippalen Infekt der oberen Atemwege auftritt.

Wie kommt es dazu?
Eine dünne Röhre zwischen Nase und Ohr (Eustachische Röhre) sorgt nicht nur für Belüftung des Gehörgangs, sondern ermöglicht auch den Druckausgleich zum Beispiel beim Tauchen oder Fliegen. Weil sie bei Kindern kürzer ist als bei Erwachsenen, sind die Kleinen häufiger von Problemen wie etwa einem Paukenerguss des Mittelohrs betroffen, wie Dr. Stefan Edlinger, HNO-Facharzt, Univ.-Klinik St. Pölten, berichtet. Kommen nun auch noch Bakterien oder Viren ins Spiel, entsteht eine Mittelohrentzündung.

Ursachen für den Rückstau im Mittelohr
Ausschlaggebend ist die etwa bei einer Erkältung vermehrte Schleimbildung in der Nase, dem Nasenrachen, der Ohrtrompete und dem Mittelohr. Weitere Ursachen können unter anderem Allergien, Fehlbildungen wie eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, große Druckschwankungen oder eine vergrößerte Rachendachmandel sein (nicht zu verwechseln mit Polypen!). Die Erkrankung führt im Laufe der ersten Wochen zu einem Umbauprozess im Mittelohr. Dabei entstehen Zellen, die vermehrt Schleim produzieren. Hauptsymptom ist Druckgefühl. Schmerzen sind nur selten zu spüren. Achtung Eltern: Betroffene Kinder reagieren nicht mehr normal auf Ansprache bzw. Geräusche! Die Folgen können Verhaltensauffälligkeiten und schlechtere Schulleistungen sein.

Dr. Edlinger rät, bei Verdacht eine Ohrmikroskopie sowie einen Test der Schwingungsfähigkeit des Trommelfells (Tympanometrie) und einen Hörtest beim Arzt machen zu lassen. Die Belüftung des Ohres kann durch das Aufblasen von speziellen Luftballons mit der Nase oder folgendem Selbstversuch verbessert werden: Nase und Mund fest schließen, dann kräftig gegen den Widerstand blasen. Nasensprays mit Kortison zeigten in Langzeituntersuchungen positive Effekte, wenn eine Allergie vorliegt.

Wann eine Operation überlegt werden soll
Unabhängig von der Behandlung sollte ein Paukenerguss regelmäßig kontrolliert werden. Besteht die Situation drei Monate nach erstmaligem Auftreten immer noch, wird der Arzt eine Operation überlegen: Ein kleiner Schnitt in das Trommelfell ermöglicht es, die Flüssigkeit im Mittelohr absaugen zu können. Ist die Rachendachmandel vergrößert und besteht behinderte Nasenatmung, wird diese entfernt. Bei wiederholten Ergüssen sowie fehlenden Rachendachmandeln oder sehr zähem Sekret empfiehlt sich das Einsetzen eines kleinen Röhrchens in das Trommelfell.

Dr. med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

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