25.02.2020 06:00 |

Album „Ordinary Man“

Ozzy Osbourne: Würdevolles Hard-Rock-Alterswerk

Es ist noch gar nicht lange her, da erschütterte das falsche Gerücht die Rock-Welt, Ozzy Osbourne habe nicht mehr lange zu leben. Der Fürst der Finsternis, er liege im Sterben. Doch wie das so ist bei Totgesagten: Sie leben ja bekanntlich länger. Jetzt bringt Ozzy ein neues Album auf den Markt und kann damit durchaus überzeugen.

Endlich wieder gute Nachrichten von dem 71-jährigen britischen Kultrocker, der vor kurzem seine Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht und die geplante große (zweite) Abschieds-Tournee inzwischen schon mehrfach verschoben hat. Letzte Woche, nur wenige Tage vor der Veröffentlichung des Albums, teilte er erneut mit, dass seine Konzerte in Nordamerika ausfallen. Er müsse sich wieder einmal in medizinische Behandlung begeben. Die geplanten Termine in Europa im Herbst sollen aber nach bisherigem Stand stattfinden.

Buntes Star-Potpourri
Wenn alles gut geht, hat er dann auch Songs der Platte „Ordinary Man“ im Live-Gepäck. Ein stinknormaler Mann? Eine Bezeichnung, die in etwa so weit von Ozzy entfernt sein dürfte wie der Kopf jener legendären Fledermaus von ihrem Körper - als der Sänger mit ihr fertig war. Es ist das erste Soloalbum des Black-Sabbath-Frontmanns seit „Scream“ vor einem Jahrzehnt, und es erscheint sieben Jahre nach dem letzten Bandalbum „13“. Diesmal hat Ozzy mit Hochkarätern zusammengearbeitet: Duff McKagan von Guns N‘ Roses half am Bass aus, Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers am Schlagzeug. Und dann gibt es mit McKagans Bandkollegen Slash, Tom Morello von Rage Against The Machine und niemand geringerem als Sir Elton John noch ein paar ziemlich bekannte Gastmusiker.

Das Album sei „aus dem Nichts“ entstanden, sagte Osbourne dem „Metal Hammer“. „Ich lag ziemlich deprimiert auf der Couch rum und dachte schon, dass ich wegen dieser vermaledeiten Nackenoperation nie wieder laufen können würde. Ich war ein echtes Häufchen Elend, völlig verzweifelt. Eines Tages fragte mich meine Tochter, ob ich nicht Lust hätte, einen Song mit Post Malone aufzunehmen“, sagte er der Zeitschrift. „Meine erste Reaktion war natürlich: Wer zur Hölle ist Post Malone? Ich hab‘ das dann aber trotzdem gemacht. Und Andrew Watt, der Produzent dieses Tracks, kam danach auf die Idee, ein ganzes Album mit mir umsetzen zu wollen. Zunächst dachte ich, er macht Witze. Aber dann entstand wie aus dem Nichts diese Platte!“

Sehr solides Werk
Dafür ist sie ein ziemlich großer Wurf geworden. Ein typisches Ozzy-Album mit ganz viel Kraft, Tempo und Humor. Aus Fan-Sicht ist nur zu hoffen, es möge nicht das letzte und der Titel des dritten Songs „Goodbye“ nicht programmatisch sein. Elf Lieder gibt es zu hören - und da ist auch ein bisschen Nostalgie dabei. Gleich mit dem ersten Song nimmt Ozzy sein eigenes Image aufs Korn und schickt seine Fans direkt in die Hölle: „Straight To Hell“. In „All My Life“ wird es rückblickend-nostalgisch - ebenso im Titelsong, der Ballade „Ordinary Man“, die er gemeinsam mit seinem Freund Elton John aufgenommen hat. „Ich war unvorbereitet auf den Ruhm“, singt Ozzy darin. „Und dann kannte jeder meinen Namen.“ Er sei viele Meilen gereist, habe Tränen und Lächeln gesehen. Überraschend ist, wie gut der Rocker mit dem speziellen, sperrigen, nölenden Sound und der weiche Elton John stimmlich zusammenpassen.

Insgesamt sind Tod und Abschied die beherrschenden Themen auf der neuen Platte, wie in „Under The Graveyard“ oder „Today Is The End“ - aber das muss beim „Godfather of Metal“ ja nichts heißen. Eine unterhaltsame Abwechslung ist die Angst vor den kleinen grünen Männchen („Scary Little Green Men“). Ausgerechnet die beiden Songs „Take What You Want“ und „It‘s A Raid“ mit dem US-Rapper und R&B-Musiker Post Malone, aus denen die Album-Idee entstand, sind nun allerdings die schwächsten Stücke. Auf „It‘s A Raid“ verkommt Ozzys ohnehin immer etwas quäkende Stimme durch das hohe Tempo fast zum Micky-Maus-Sound. Als er seine Parkinson-Krankheit Ende Jänner in der US-Fernsehsendung „Good Morning America“ öffentlich machte, war seine Frau Sharon an seiner Seite. Seit 1982 sind die beiden verheiratet. „Es ist in keiner Weise ein Todesurteil“, sagte sie. „Aber es beeinträchtigt die Nerven. Man hat einen guten Tag, noch einen guten Tag und dann einen richtig schlechten Tag.“ Sie versprach: „Er wird wieder da raus gehen. Und er wird das machen, was er liebt. Das weiß ich.“

Hoffentlich bald in Wien
Das erste Konzert seiner Abschiedstournee Nummer zwei soll nun am 23. Oktober im britischen Newcastle sein. Am 16. November soll er in der Wiener Stadthalle auftreten und das für ursprünglich Februar 2020 avisierte, aber abgesagte Konzert nachholen. Mit an Bord hat er die Heavy-Metal-Legende Judas Priest. Der „Prince of Darkness“ verspricht im Interview von „Metal Hammer“: „Ich mache Physiotherapie und Pilates und tue alles, was ich kann, um bald wieder völlig fit zu sein.“ Karten für das Top-Event gibt es unter www.ticketkrone.at

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