15.01.2020 11:30 |

Experten zeigen auf:

Wo es bei der Pflege in Tirol krankt

Personalmangel, fehlende Kostendeckung, zu wenig Wertschätzung für Pflegekräfte: Die Interessensvertreter sehen viele Probleme. Der Grundtenor: „Unsere Expertise ist nicht gefragt!“

Etwa 200 Betten können in den Tiroler Alten- und Pflegeheimen nicht belegt werden. Grund: der Personalmangel. Die Prognosen lägen schon seit Jahren auf dem Tisch, kommentierten gestern die Interessensvertretungen der Tiroler Altenheime und der mobilen Pflegedienste. Die Maßnahmen der Landesregierung gingen in die falsche Richtung.

„Derzeit fehlt uns zu den Lippenbekenntnissen die Umsetzung“, kritisierte Franz Webhofer, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Tiroler Altenheime. 2017 hatte die Landesregierung beschlossen, die Gehälter in der Kranken- und Altenpflege anzugleichen und die Kosten für die mobile Pflege neu zu berechnen. Doch für letztere sei zu wenig Geld eingeplant und das neue Gehaltssystem bedeute für die meisten Angestellten in Heimen weniger Lohn, sagen die Arbeitsgemeinschaften.

Wirbel vor Weihnachten abschreckend für Pflegepersonal
Auf Vorschläge, wie Pflegekräfte gewonnen werden könnten, sei die Landesregierung nicht eingegangen. Der Wirbel um die Gehaltseinbußen für Pflegeassistenten und Heimhelfer kurz vor Weihnachten mit angekündigter und doch wieder zurückgezogener Streichung der Nachtzulage habe sicher nicht zur Attraktivierung des Berufsbildes Pflege beigetragen.

Maßnahmen kommen um Jahre zu spät
„Im Gegenteil: Das ist ein bedenkliches Signal. Vielleicht sollte einmal die heilige Kuh des Nulldefizits überdacht werden“, sagte Robert Kaufmann, Obmann der Arbeitsgemeinschaft der Tiroler Altenheime. „Die Maßnahmen kommen in Wahrheit um Jahre zu spät.“

Für Angehörige unbefriedigend
In zwei Jahren werden 1140 Pflegekräfte fehlen. Schon jetzt wirkt sich der Mangel spürbar aus. „Das ist natürlich für Angehörige sehr unbefriedigend, wenn sie in einer Akutsituation erfahren, dass sie fünf bis sechs Monate auf einen Platz im Pflegeheim warten müssen“, so Webhofer. „Zum anderen verursacht das enorme Kosten, weil Betroffene länger im Spital bleiben müssen.“ 

Die Kernforderungen
„Die Mitarbeiter ordentlich bezahlen, vernünftige Arbeitsbedingungen bieten, damit die hohe Qualität der Pflege weiter gewährleistet werden kann“, fasst Thomas Strickner, Obmann der Arbeitsgemeinschaft Mobile Pflege zusammen.

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