"Die Worte von Nicolas Anelka gegen den Nationaltrainer Raymond Domenech sind völlig inakzeptabel für den FFF, den französischen Fußball und für die Werte, die er verteidigt", hieß es in einem am Samstagabend auf der Seite des Verbandes veröffentlichten Kommunique.
Chelsea-Profi verweigert Entschuldigung
Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes habe Anelka bei einem Treffen mit Kapitän Patrice Evra dazu aufgefordert, sich bei Domenech, dem Trainerstab und dem gesamten Kader der französischen Mannschaft sowie auch beim französischen Volk allgemein zu entschuldigen, erklärte der FFF. Da der Chelsea-Profi sich geweigert habe, habe Escalettes in Absprache mit Domenech und den Verantwortlichen der Delegation in Südafrika die sofortige Suspendierung von Anelka beschlossen.
Die Entgleisungen von Anelka in der Pause des zweiten WM-Spiels der Franzosen waren von der Sporttageszeitung "L'Equipe" am Samstag enthüllt worden. Anelka habe Domenech vor der gesamten Mannschaft mit übelsten sexuellen Beleidigungen attackiert, schrieb das Sportblatt. In großen Lettern stand auf der Titelseite auch jene heftige Beleidigung, die der Stürmer dem Nationaltrainer an den Kopf geworfen haben soll. Anelka soll den Coach als "Sohn einer Hure" bezeichnet haben.
Beschimpfung empörten die "Grand Nation"
Die obszönen Worte in großen Lettern auf Seite eins der Zeitung schockten die "Grande Nation". Prompt forderten Politiker, Funktionäre, Spieler und Trainer empört den WM-Ausschluss von Anelka, der die Zitate von "L'Equipe" aber bestritt. "Das sind nicht meine Worte", betonte der Chelsea-Star, gab aber zu, dass er und Domenech einander eine "heftige" verbale Auseinandersetzung geliefert hatten.
Laut "L'Equipe" sei Domenech beim Halbzeit-Stand von 0:0 gegen die Mittelamerikaner auf Anelka zugegangen und habe ihm die taktische Anweisung gegeben, nicht zu weit vorne stehen zu bleiben. Daraufhin habe Anelka seinen Trainer beleidigt, worauf ihm Domenech entgegnet habe: "Okay, du gehst raus." In der zweiten Halbzeit wurde der Chelsea-Stürmer durch Andre-Pierre Gignac ersetzt.
Anelka sei aber nicht der einzige Franzose gewesen, der sich völlig daneben benommen habe, so "L'Equipe" weiter. William Gallas, der schon vor WM-Beginn mitgeteilt hatte, dass er gegenüber den Medien kein Wort sagen würde, zeigte einem Journalisten des Fernsehsenders TF1 den Mittelfinger, als dieser ihm das Mikrofon hinhielt.
Kapitän Evra erbost über "Verrat"
Patrice Evra, Verteidiger und Kapitän der französischen Fußball-Mannschaft, ist erbost, dass ein Teammitglied "L'Equipe" gesteckt hat, was sich in der Pause des WM-Spiels gegen Mexiko in der Kabine der "Bleus" abgespielt hat. "Ich bin sehr betroffen, weil wir bereits nach dem Match gegen Mexiko ein großes Problem hatten, das sich nun vergrößert hat", erklärte Evra am Samstagabend bei einer Pressekonferenz. "Das Problem von Frankreichs Mannschaft ist nicht Anelka, sondern der Verräter, der sich unter uns befindet. Er muss aus der Gruppe eliminiert werden."
"Es war ja keine kleine Maus bei uns in der Kabine. Das muss also von jemandem gekommen sein, der zu unserem Team gehört und damit Frankreichs Mannschaft schaden will", betonte Evra. Auch Anelka deutete einen "Verrat" an. Gegenüber der Online-Ausgabe der Zeitung "France Soir" räumte der 31-Jährige zwar ebenfalls ein, dass er mit Domenech "eine lebhafte Diskussion" gehabt habe. Das gehöre allerdings "zu den Geheimnissen einer Umkleidekabine". Er respektiere die französische Mannschaft und seine Teamkollegen und habe die "Equipe Tricolore" in keiner Weise destabilisieren wollen.
Rüge der Sportministerin
Die Berichte über die Disziplinlosigkeiten im Nationalteam bewegten sogar Frankreichs Sportministerin Roselyne Bachelot zu einer Stellungnahme. "Der hohe Druck, der auf 'Les Bleus' liegt, rechtfertigt Ausrutscher in keiner Weise", sagte Bachelot. "Die Spieler müssen wissen, dass sie Frankreichs Farben tragen und von vielen Jungen als Vorbilder gesehen werden. Das verpflichtet sie dazu, Würde und Zurückhaltung zu zeigen."
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